ORF: Redakteurssprecher Bornemann will mehr O...
 

ORF: Redakteurssprecher Bornemann will mehr Offensive

APA (Pfarrhofer)
APA7744808 - 02052012 - WIEN - ÖSTERREICH: Der Presseclub Concordia hat am Mittwoch, 02. Mai 2012, im Wiener Parlament seine Journalistenpreise 2011 vergeben. Kategorie Pressefreiheit für die Zib-RedakteurInnen v.l.n.r Dieter Bornemann, Andrea Kandioler-Kiml und Eugen Freund. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER
APA7744808 - 02052012 - WIEN - ÖSTERREICH: Der Presseclub Concordia hat am Mittwoch, 02. Mai 2012, im Wiener Parlament seine Journalistenpreise 2011 vergeben. Kategorie Pressefreiheit für die Zib-RedakteurInnen v.l.n.r Dieter Bornemann, Andrea Kandioler-Kiml und Eugen Freund. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

Zwei Wochen nach der "No-Billag"-Abstimmung in der Schweiz trafen sich in Wien Medienvertreter zu einer Podiumsdiskussion. Unisono stellte man fest, dass sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender zu lange sicher gefühlt hätten.

Knapp zwei Wochen nachdem sich die Schweiz gegen eine Abschaffung der Rundfunkgebühren entschieden hat, haben sich am Freitag in Wien Medienvertreter zu einer Podiumsdiskussion getroffen. Unisono stellte man fest, dass sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender zu lange sicher gefühlt hätten.

Und es sei ein Fehler, auf Kritik zu wenig reagiert zu haben, so ORF-Redakteurssprecher Dieter Bornemann. "Wir haben uns darauf konzentriert, unsere Arbeit zu machen", führte Bornemann aus. Indes sei man unter anderem als "Rotfunk" verspottet worden, doch es sei ein Fehler "sich jahrelang anschütten zu lassen und nicht zu reagieren", hieß es bei der Veranstaltung mit Teilnehmern aus dem DACH-Raum im Presseklub Concordia. Jetzt heiße es, auf die Leute offensiv zuzugehen und sich zu erklären - dies habe man aus der Schweiz und der dortigen No-Billag-Initiative gelernt, die nach dem Eidgenössischen GIS-Gegenstück benannt worden ist. Die Geschäftsführung müsse durch Österreich touren und den ORF erklären, ergänzte ORF-Chronik-Ressortleiterin Brigitte Handlos - man sei angesichts der Dinge, die man produziere, zu bescheiden.

Zu spät reagiert habe das Schweizer Radio und Fernsehen, sagte dessen Tagesschaumoderator Franz Fischlin. Das Resultat sei mit 72 Prozent für die Beibehaltung des Gebührensystems zwar deutlich, doch die Frage, wie das Ergebnis zu interpretieren sei, noch nicht klar zu beantworten. Die Reaktion auf die zum Teil ablehnende Haltung gegenüber den Öffentlich-rechtlichen sei in der Transparenz zu finden, im Offenlegen, warum Themen oder Gäste gewählt werden, umso auch den Unterschied zu den Privaten aufzuzeigen. "Der Fall der Liquidation war real", sagte Roman Mezzasalma, Leiter der Nachrichtenredaktion des SRF-Radio und das Ergebnis der Abstimmung war "kein 'Ja' zum Status Quo".

"Es war keine Abstimmung zur SRG", stellte der Zürcher Medienwissenschafter Vinzenz Wyss fest, "sondern eine Abstimmung über ein solidarisches System" sei am 4. März durchgeführt worden. Journalismus sei insgesamt "ein öffentliches Gut, das weniger vom Markt nachgefragt wird, als wünschenswert", so der im APA-Qualitätsbeirat tätige Schweizer. Der "Service public" durch den Schweizer Rundfunk sei ein Garant, dass es dieses Gut gebe. Was die aktuelle ,auch in Österreich geführte Diskussion, über die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender angehe, so sei er gegen die Definition durch eine politische Instanz was dessen Qualität und Leistung ausmache.

"Ich bin mir nicht sicher, ob das öffentlich-rechtliche System in Deutschland den Schuss vor den Bug richtig verstanden hat", so der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender unter Hinweis auf Österreich und darauf, dass sich Parlamente in ihrer Zusammensetzung auch ändern können. Das Gefühl, sicher zu sein, sei auch in Deutschland viel zu stark, sagte Brender weiter und erinnerte dabei daran, dass nach der Jahrtausendwende eine unter anderem von SPD-Politiker Peer Steinbrück mitgetragene Rundfunkreform angedacht war, die der Finanzierung der Öffentlich-rechtlichen zugesetzt hätte. Der einstige Chefredakteur ortete eine "ferne und abstrakte Begegnung mit dem Zuschauer", die bisher stattgefunden hätte - man müsse aber imstande sein zu zeigen, "dass man mehr leisten kann, als es ein privates System kann".

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