ORF-Redakteursrat protestiert gegen Einschüch...
 

ORF-Redakteursrat protestiert gegen Einschüchterungsversuche

ORF / APA
Seriösem Journalismus mit 'Folgen' zu drohen sei einer liberalen Demokratie mit funktionierender Pressefreiheit unwürdig, so der ORF-Redakteursrat in einem 'Offenen Brief'.
Seriösem Journalismus mit 'Folgen' zu drohen sei einer liberalen Demokratie mit funktionierender Pressefreiheit unwürdig, so der ORF-Redakteursrat in einem 'Offenen Brief'.

Androhung von 'Folgen' für Interviewer widerspreche der Pressefreiheit.

In einem 'offenen Brief' widersetzt sich der Redakteursrat des ORF scharf gegen den FPÖ-Generalsekretär und EU-Spitzenkandidaten Harald Vilimsky. Dessen Interview in der ZIB2 vom 23. April habe "einmal mehr gezeigt, warum Österreich im internationalen Ranking der Pressefreiheit um fünf Plätze nach unten gerutscht ist: Die Aussage von Vilimsky nach einer kritischen Frage in einem Live-Interview - „Das ist etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann“ - muss als persönliche Bedrohung von ZiB2-Moderator Armin Wolf verstanden werden", erklären stellvertretend für den Redakteursrat Dieter Bornemann, Peter Daser und Margit Schuschou.

"Dass der Generalsekretär einer Regierungspartei in einem Interview den Moderator bedroht, hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Der ORF-Redakteursrat protestiert auf das Schärfste gegen diesen Versuch persönlicher Einschüchterung", so die Unterzeichner. Gleichzeitig mache es auch den Interessenkonflikt der Politik beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutlich: "Dem ORF wird mit neuen rechtlichen Rahmenbedingungen und einem „schärferen“ ORF-Gesetz gedroht und die Finanzierung wird in Frage gestellt. Und zwar von den selben Parteien und Politikern, die sich den ORF gefügig machen wollen und die derzeit das neue ORF-Gesetz verhandeln".

Auf Unverständnis stoße auch das "Kurier"-Interview des ehemaligen  FPÖ-Chefs und Vorsitzenden des Stiftungsrates, Norbert Steger. Er rate Armin Wolf zu einer Kandidatur bei der SPÖ - auch das zeige "ein seltsames Verständnis von journalistischer Arbeit". Kritische Interviews würden "offenbar nur dann wahrgenommen, wenn Parteifreunde betroffen" seien. "Aufgabe von seriösem Journalismus ist es unter anderem, Missstände aufzuzeigen und Politikern kritische Fragen zu stellen. Dafür öffentlich und live auf Sendung mit „Folgen“ zu drohen, ist einer liberalen Demokratie mit funktionierender Pressefreiheit unwürdig", betont der Redakteursrat.

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