ORF-Redakteure ringen weiter mit Amon
 

ORF-Redakteure ringen weiter mit Amon

Resolution zur Leitung der Radio-Innenpolitik verabschiedet - Hörfunkdirektor schwer in der Kritik

Die ORF-Redakteure sind weiter im offenen Clinch mit Hörfunkdirektor Karl Amon. Der Grund: Er will den Wortchef von Radio Wien, Edgar Weinzettl zum neuen Leiter der Radio-Innenpolitik bestellen. Die Redakteure lehnen ihn aber ab und präferieren eine Führung aus den eigenen - innenpolitisch erfahreren - Reihen. Am Montag verabschiedeten die Hörfunkjournalisten eine Resolution dazu, die HORIZONT online vorliegt, und in dem die Journalisten hart mit Amon ins Gericht gehen: "Der Hörfunkdirektor hat im Bestellungsprozess der Leitung des Ressorts Radio-Innenpolitik nicht das Vertrauen der Redaktion", heißt es darin etwa. "Karl Amon hat zur Nachbesetzung der Radio-Innenpolitik einen Besetzungsvorschlag übermittelt, der weder jenem der Redaktion noch jenem des Chefredakteurs entspricht. Die Redakteurinnen und Redakteure der Radio-Information stehen zu Chefredakteur Hannes Aigelsreiter."

Zweifel an Erfahrung

Kein Ressort in der ORF-Information sei je mit einer Führungskraft besetzt worden, "die nicht über ausreichende Erfahrung auf dem jeweiligen Fachgebiet verfügt". Außerdem würden die in der offiziellen Stellenausschreibung angeführten Anforderungen "nicht erfüllt", so die Redakteure. "Insbesondere die geforderte Erfahrung in der innenpolitischen Berichterstattung, die umfassende Kenntnis der österreichischen Innenpolitik, der Institutionen und Körperschaften und die Fähigkeit zur politischen Analyse bundes- und europaweiter Themen" ziehen sie in Zweifel. Die Kritik konzentriert sich nun auf die Person Amon: "Allein dass der Hörfunkdirektor die Nachbesetzung lange verzögert hat und dann seinen -nach professionellen journalistischen Kriterien unhaltbaren Besetzungswunsch- mehrfach auch öffentlich propagierte, ist eine Schädigung des Ansehens der ORF-Information."
 
Dass Amon sich bei seiner Präferenz für Weinzettl auf das Ergebnis eines Kandidatenhearing berufen habe, lassen die Redakteure nicht gelten. Innenpolitische Sachkenntnis sei bei diesem nämlich überhaupt kein Thema gewesen. Und: "Der Hörfunkdirektor hat wiederholt das angebliche Ergebnis des Hearings öffentlich gemacht, und damit die laut Betriebsvereinbarung bestehende absolute Vertraulichkeit personenbezogener Angaben missachtet – eine mutwillige Beschädigung der angeblich unterlegenen Bewerbenden." Der Protest richte sich dabei "ausdrücklich gegen die Art der Postenbesetzung, und nicht gegen in den ORF-Landesstudios selbstverständliche journalistische Qualität", betonen die Redakteure.

Wrabetz zum Einschreiten aufgefordert

Generaldirektor Alexander Wrabetz sei nun "aufgefordert, das unternehmensschädigende Verhalten des Hörfunkdirektors unverzüglich zu stoppen", heißt es in dem Schreiben. "Das ORF-Gesetz sieht aus guten Gründen eindeutig ein Mitwirkungsrecht an personellen Entscheidungen vor. Die Journalistinnen und Journalisten der ORF-Radioinformation vertrauen darauf, dass der Redakteursrat alle nur erdenklichen Mittel ergreift, dieses Mitwirkungsrecht durchzusetzen."

Wrabetz sah bisher jedenfalls noch keinen Grund, in der Causa einzugreifen: "Radiodirektor Karl Amon macht seit 14 Jahren einen hervorragenden Job. Er trifft sachliche Entscheidungen und macht objektive, unabhängige Information", sagte Wrabetz am Sonntag der "Kronen Zeitung". "Ich gehe deshalb davon aus, dass er mir eine Entscheidung präsentiert, die keinerlei Schlagseite hat. Ungeachtet dessen werde ich mir auch die Argumente der Redakteure anhören und dann eine Entscheidung treffen."

Amon selbst warb in einem Mailverkehr, der HORIZONT online vorliegt, gegenüber den Redakteuren in der Nacht auf Montag erneut für seinen Wunschkandidaten: Mangelnde Erfahrung im Fachgebiet könne man einem stellvertretenden Chefredakteur eines Landesstudios "nicht wirklich vorwerfen", so der Radiodirektor. "Gebt ihm eine faire Chance", schrieb er.

UPDATE: Redakteursratsvorsitzender: Funktion gibt es nicht

Die Redakteursvertreter haben am Dienstag darauf verwiesen, dass die von Amon genannte Funktion, wonach Weinzettl stellvertretender Chefredakteur eines Landesstudios sei, nicht existent sei. "Im ORF-Wien gibt es die Funktion eines stellvertretenden Chefredakteurs gar nicht", so der Redakteursratsvorsitzende Fritz Wendl zu HORIZONT online.
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