ORF-Radios: Weinzettl bestellt
 

ORF-Radios: Weinzettl bestellt

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UPDATE: ÖVP sieht Putsch, Redakteure "fassungslos" - Weinzettl tritt Leitung der Radio-Innenpolitik am 17. Dezember an - ORF-General war umstrittenem Vorschlag seines Radiodirektors gefolgt

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat am Freitag die umstrittene Besetzung mit Edgar Weinzettl als Radio-Innenpolitikchef durchgezogen. Das teilte der ORF in einer Aussendung mit. Auf Vorschlag von ORF-Radiodirektor Karl Amon habe er Weinzettl als Innenpolitik-Ressortleiter der Radio-Hauptabteilung "Information" bestellt. Weinzettl tritt diese Funktion per 17. Dezember 2012 an.

Amon: "Erstklassiger Journalist"

Amon bezeichnete Weinzettl in der Aussendung als "erstklassigen Journalisten". Er habe in den letzten Jahren bewiesen, "dass er den hohen Qualitätsstandard der ORF-Berichterstattung nicht nur halten, sondern sogar ausbauen kann." Darüber hinaus habe er Weinzettl auch "als Garanten für unabhängige Berichterstattung und als exzellenten innenpolitischen Journalisten kennengelernt". Einmal mehr verwies er darauf, dass Weinzettl auch als Erstgereihter aus dem offiziellen ORF-Hearing hervorgegangen sei.

Aigelsreiter gratuliert

Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter, der Andreas Jölli für die Position vorgeschlagen hatte und sich damit nicht den eigenen Innenpolitikchef aussuchen durfte, nahm in der Aussendung ebenfalls Stellung: "Die Radio-Innenpolitik wird mit dem neuen Leiter Edgar Weinzettl weiterhin ein Garant für objektive, verlässliche und hochprofessionelle Berichterstattung sein", sagte er. "Ich gratuliere ihm zu diesem ausgezeichneten Team und werde ihn bei seiner Arbeit voll unterstützen."

Weinzettl:"Eine der spannendsten Aufgaben, die ich mir vorstellen kann"

Weinzettl selbst zeigte sich "hocherfreut, mit den besten innenpolitischen Journalistinnen und Journalisten unabhängigen und hochprofessionellen Radio-Journalismus für unser Publikum fortzuführen zu können. Die Qualität sichern bei vorhandenem Spardruck - und das alles in einem Super-Wahljahr - ist eine der spannendsten Aufgaben, die ich mir vorstellen kann!"

Umstrittenste ORF-Personalie des ablaufenden Jahres

Bei der Bestellung von Weinzettl handelte es sich wohl um die umstrittenste ORF-Personalie des ablaufenden Jahres. Dem bisherigen Radio Wien-Wortchef wird von Kritikern eine politische Nähe zum Wiener Rathaus nachgesagt, innenpolitische Erfahrung habe er nicht, monierten diese. Gegen die von Amon Ende Oktober vorgeschlagene Personalie hagelte es in Folge Proteste der Redakteursvertreter, Parallelen zur Causa Niko Pelinka wurden gezogen und rund 130 ORF-Redakteure protestierten auf offener Straße gegen die Besetzung. Letztendlich hatte ORF-Chef Wrabetz zu entscheiden, dem Beobachter attestierten, in einer strategischen Zwickmühle zu sein, nachdem sich Amon auf den angeblichen SPÖ-Wunsch bereits nachhaltig und gegen jede interne Kritik festgelegt hatte.

"Denkmal demontiert"

Der ORF-Redakteursratsvorsitzende Dieter Bornemann kritisierte in einem Interview mit dem "Österreichischen Journalist" zuletzt, der Radiodirektor demontiere "da gerade sein eigenes Denkmal". Bornemann: "Er hatte immer den guten Ruf der Unabhängigkeit. Den hat er aus unserer Sicht jetzt verspielt". Weinzettl sei von acht Bewerbern der einzige, der noch nie in einer innenpolitischen Redaktion gearbeitet habe.

Er sieht einen politischen Personaldeal im Radio: "Der angeblich schwarze Chefredakteur (Aigelsreiter) - der ausgezeichnete Arbeit macht - soll mit Weinzettl einen roten Innenpolitikchef beigestellt bekommen. Vermutlich kommt Edgar Weinzettl da ohne eigenes Zutun dazu - wie häufig bei politischen Zuschreibungen. Wenn er nicht Innenpolitik-Chef wird, bleibt er als der rote Wunschkandidat übrig, der es nicht geschafft hat. Und wenn er es wird, dann hat er erst recht die rote Punze. Eine schwierige Situation, in die uns der Hörfunkdirektor gebracht hat."

ÖVP: Putschartige Übernahme

Heftige Reaktionen löste die Bestellung in der Politik aus. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Radiodirektor Karl Amon "zertrümmern die Glaubwürdigkeit des ORF", kritisierte ÖVP-Klubobmann und -Mediensprecher Karlheinz Kopf. Der "eindeutige Wille" der Radioredakteure sowie die Qualifikationen langjähriger Funkhaus-Mitarbeiter seien "eiskalt ignoriert" und mit Weinzettl "putschartig ein Kandidat aus dem Netzwerk der Wiener SPÖ" installiert worden, erklärte Kopf in einer Aussendung.

"Generaldirektor Wrabetz hat bereits vor einem Jahr mit dem kläglich gescheiterten Versuch, einen SPÖ-Pressesprecher in sein Büro einzuschleusen, die Glaubwürdigkeit des ORF massiv beschädigt. Mit der parteipolitisch motivierten Besetzung des Radio-Innenpolitik-Chefs setzen Wrabetz und Amon jetzt einen neuerlichen Akt gegen die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Das haben sich weder die GebührenzahlerInnen noch die MitarbeiterInnen des Hauses verdient", so Kopf.

Redakteure "fassungslos"

Die Redakteurssprecher der Radio-Information zeigten sich in einem Mail an den Generaldirektor, das HORIZONT online vorliegt, "fassungslos" über die Bestellung. "Die Redakteursvertretung hat in dieser Sache wiederholt und zeitgerecht der Geschäftsführung die massiven Bedenken mitgeteilt und gleichzeitig ihre Kompromissbereitschaft signalisiert. Es geht nicht darum, dass sich eine Redaktion ihre Chefs selbst aussuchen darf, sondern um das Recht auf fachlich unbestrittene, allseits akzeptierte Führungskräfte", schreiben sie. "Trotzdem soll nun der äußerst problematische Plan des Hörfunkdirektors mit dem Ressort Innenpolitik zur Ausführung gebracht werden. Die Verantwortung für alle damit verbundenen Folgen liegt bei Ihnen und beim Hörfunkdirektor."
 
Es gehe nun nicht mehr nur um die unmittelbaren Auswirkungen für die HD1. "Es geht darum, im gesamten ORF Entscheidungen zu verhindern, die dem Ansehen und der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schaden. Man werde demnächst im Rahmen einer Redakteursversammlung über die weiteren Schritte beraten.
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