ORF muss weiter reduzieren
 

ORF muss weiter reduzieren

Um nachhaltig positiv zu wirtschaften muss der ORF, wie die APA aus vertraulichen Budgetplänen für 2011 weiß, bis 2012 weitere 150 Personen abbauen.

Als Kontrastprogramm zur Meldungen des ORF eine eigene Ausbildungsakademie zu starten (HORIZONT online berichtete) meldet die APA, dass der ORF weiter Stellen abbauen muss. 150 sollen es bis Ende 2012 sein, wie die APA aus dem 107 Seiten starken Finanz- und Stellenplan des öffentlich-rechtlichen Senders für 2011 weiß. Der Budgetentwurf ging kürzlich an die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats und soll am 16. Dezember vom obersten ORF-Gremium abgesegnet werden.

Für 2011 plant der ORF ein positives Konzern-Ergebnis (EGT) von 300.000 Euro. Ursprünglich war für 2011 ohne Maßnahmen ein Minus von 25 Millionen Euro angenommen worden. Nach Verlusten im Vorjahr befindet sich der ORF seit heuer wieder in den schwarzen Zahlen. Die Einsparungseffekte, die seit 2008 auf Jahresbasis rund 125 Millionen Euro betragen, zeigten ihre Wirkung, außerdem habe sich die Werbekonjunktur besser entwickelt als das noch Ende 2009 befürchtet werden musste, geht aus dem Papier hervor.

Das ORF-Management mit Generaldirektor Alexander Wrabetz und dem Kaufmännischen Direktor Richard Grasl erwartet für 2011 einen Gesamtumsatz von 902,2 Millionen Euro. Aus Programmentgelten sollen 583,8 Millionen erlöst werden, die Werbeeinnahmen werden mit 210,5 Millionen Euro angesetzt. Weitere Kennzahlen für 2011: sonstige Umsatzerlöse 108 Millionen, Finanzerfolg 18,3 Millionen, Personalaufwand 338,5 Millionen.

Das ORF-Eigenkapital reduziert sich auf 91,5 Millionen, die Eigenkapitalquote der Konzernmutter beträgt 12,4 Prozent, die des Konzerns rund 20 Prozent.Die Planung der Werbeerlöse basiert auf der "Annahme eines unverminderten Werbemarktwachstums bei gleichzeitig verschärften kompetitiven Rahmenbedingungen". Bei einer "Verschlechterung der Konjunktur oder einem stärkeren Sinken des Werbemarktanteils des ORF als angenommen, besteht ein Risikopotenzial, das insgesamt mit bis zu 22 Millionen Euro geschätzt wird", heißt es im ORF-Finanzplan weiter.

Die ORF-Gehälter und -Honorare steigen gegenüber der Vorschau 2010 um 1,9 Prozent auf 311,6 Millionen Euro. "Trotz Valorisierung und Zeitvorrückungen wirkt sich die Steigerung aufgrund der Kapazitätseinsparungen und des mit dem Zentralbetriebsrat verhandelten KV-Paketes moderat aus." Resturlaubstage sollen konsequent abgebaut werden, und seit November bietet der ORF ein neues Altersteilzeitmodell an. "Damit werden frühzeitige Austritte weiter forciert." Die Personalkosten 2011 sinken gegenüber der Vorschau 2010 um 600.000 Euro oder 0,2 Prozent auf 338,5 Millionen. Gegenüber 2009 entspricht das einer Reduktion von 9,8 Prozent.

Neben den Einschnitten im Personalbereich sollen die "nicht programmrelevanten Sachkosten" über gezielte Sparprojekte in den jeweils dafür zuständigen Bereichen erreicht werden. "Trotzdem soll der Anspruch, mehr Geld in die Programme des ORF zu investieren, erfüllt werden", betont die ORF-Führung. Das vorliegende Budget ermögliche demnach drei neue österreichische Sendungsformate für ORF 1: eine Doku-Soap-Reihe, ein Magazinformat speziell für junge Zuseher und eine wöchentliche Diskussionssendung auf ORF 1 ("Talk" dienstags um 22.45 Uhr). Die Landesstudios erhalten insgesamt 18 neue Sendeplätze für Kulturdokumentationen aus den Bundesländern. Im Show-Bereich sind insbesondere die Fortsetzungen der ORF-Produktionen "Dancing Stars" und "Kaiserfestspiele" fix vorgesehen.

Die Aufwendungen für die sonderfinanzierten Großereignisse - darunter die Alpine Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen, die Nordische Ski-WM in Oslo oder "Dancing Stars" - betragen insgesamt 16,2 Millionen und fallen damit niedriger aus als im kostenintensiven Olympia- und Fußball-WM-Jahr 2010. Die Budgetmittel für österreichische Produktionen betragen 2011 wieder 95 Millionen, im Film- und Fernsehabkommen sind acht Millionen vorgesehen, die Gesamtkosten für das Radio Symphonie Orchester (RSO) mit 9,1 Millionen veranschlagt. Im April startet der neue Informations- und Kultur-Spartenkanal, der finanzielle Aufwand dafür wird 2011 insgesamt 6,3 Millionen Euro betragen, für ORF Sport Plus sind 5,1 Millionen für Randsportarten vorgesehen.

Das neue ORF-Gesetz bringt dem ORF für das Jahr 2011 im Gegenzug für die Erhöhung des Anteils österreichischer Programminhalte, die Steigerung der Barrierefreiheit, den Erhalt des RSO und Strukturmaßnahmen zur Senkung der Kostenbasis die Teilrefundierung der Gebühren für befreite Teilnehmer in Höhe von 50 Millionen Euro. Bei den ORF-Programmentgelten schneiden übrigens auch Bund und Länder wieder ordentlich mit. Insgesamt überweisen Herr und Frau Österreicher knapp 780 Millionen Euro an Rundfunkgebühren. Der Nettoanteil des ORF an dieser Summe beträgt 64,5 Prozent, Bund und Länder stauben je 125 Millionen Euro ab.

Erstmal in Aktion tritt mit dem Finanzplan 2011 die neue Medienbehörde. ORF-General Wrabetz und sein Finanzdirektor Grasl haben der Prüfungskommission bei der KommAustria Anfang November den Maßnahmenplan zur Erreichung der mit der Gebührenrefundierung verbundenen Vorgaben übermittelt. Die ORF-Führung rechnet jedenfalls fix damit, dass diese Vorgaben erfüllt werden: "Im vorgelegten Budgetentwurf gehen wir daher davon aus, dass der ORF die 50 Millionen Euro Gebührenrefundierung erhalten wird."

(Quelle: APA)
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