ORF: Kritik an Weinzettl-Bestellung
 

ORF: Kritik an Weinzettl-Bestellung

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UPDATE: Redakteursversammlung am Dienstag - Mindestens zwei Bewerber wollen Medienbehörde einschalten - Zentralbetriebsratsobmann Moser "enttäuscht"

Die Besetzung des Innenpolitik-Leiters der Radio-Information mit Edgar Weinzettl rief bereits am Freitag heftige Reaktionen hervor (HORIZONT online berichtete). In einer Aussendung übte nun auch der ORF-Redakteursrat scharfe Kritik an der Art, wie die Besetzung ablief. "Radio-Direktor Karl Amon und Generaldirektor Alexander Wrabetz haben sich mit dieser Personalentscheidung gegen die Redaktion und gegen den expliziten Wunsch des Radio-Chefredakteurs gestellt. Offenbar gibt es für das Management andere Kriterien bei der Posten-Besetzung als die fachliche Qualifikation, denn die Ausschreibungs-Bedingungen wurden ganz offensichtlich missachtet", heißt es in dem Schreiben. Der ORF-Chef habe den Vorschlag von Amon trotz der massiven Bedenken der Redaktion "abgenickt". Einen Innenpolitik-Chef zu bestellen, der selbst noch nie in einer innenpolitischen Redaktion gearbeitet habe, beschädige demnach die Glaubwürdigkeit der Radio-Information und damit die des ganzen ORF. "Es muss sichergestellt werden, dass die fachliche Qualifikation bei Postenbesetzungen das wichtigste Kriterium ist. Es darf zu keinen Mauscheleien und Absprachen kommen", so der Vorsitzende des Redakteursrates, Dieter Bornemann. Radio-Redakteurssprecher Peter Daser ergänzt: "Es geht ganz sicher nicht darum, dass Kolleginnen oder Kollegen aus den Landesstudios nicht in den zentralen Redaktionen arbeiten sollen. Das wäre absurd, denn das geschieht ohnehin laufend. Allerdings hat noch niemand seine ersten Schritte hier gleich als Chef der Innenpolitik getan." Redakeursrat unterstützt Einschaltung der KommAustria Der Redakteursrat unterstütze es, "wenn Kollegen der Radio Innenpolitik-Redaktion, die eindeutig qualifizierter als der bestellte Kandidat sind und die unter anderem seit einem Jahr die ausgezeichnete und konfliktfreie interimistische Führung des Ressorts (mit)verantwortet haben, die Aufsichtsbehörde KommAustria einschalten." In der Aussendung werden Verbesserungen des Redakteursstatuts gefordert. "So lange das nicht der Fall ist, ist die Erfüllung parteipolitischer Personalwünsche nicht ausschaltbar und damit eine umfassende redaktionelle Unabhängigkeit immer wieder gefährdet." Zentralbetriebsratsobmann Moser "enttäuscht" Kritik an der Bestellung von Weinzettl kam auch von ORF-Zentralbetriebsratsobmann und -Radiobetriebsrat Gerhard Moser. "Ich bin nicht fassungslos, ich bin enttäuscht", erklärte dieser via APA. Er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass bei gleichen Qualifikationen Mitarbeiter aus dem jeweiligen Bereich einzustellen sind, meinte Moser. Er kenne zwar die Hearing-Ergebnisse nicht, gehe aber davon aus, dass alle Bewerber annähernd gleiche Voraussetzungen und Eignungen aufgewiesen hätten. "Das Problem der vorweihnachtlichen Bestellung des Generaldirektors besteht auch darin, dass es arbeitsrechtliche Konsequenzen geben wird. Es kann ja wohl nicht sein, dass Kollegen längere Zeit Aufgaben übernehmen, ohne die entsprechenden beruflichen Aussichten zu haben", erklärte Moser in Anspielung auf den Umstand, dass die Radio-Innenpolitik seit über einem Jahr interimistisch von Andreas Jölli geführt wurde. "Im Übrigen haben wir jetzt ein völlig unnötiges parteipolitisches Hickhack im ORF, auch zum Schaden des bestellten Kollegen Weinzettl." ÖVP-Klubobmann und -Mediensprecher Karlheinz Kopf, der die Entscheidung scharf kritisiert hatte und von einer "putschartigen" Bestellung eines SPÖ-Kandidaten sprach, warf Radio-Betriebsrat Moser "Scheinheiligkeit, die auch nervt" vor. UPDATE: Redakteursversammlung am Dienstag Der ORF dürfte nach der umstrittenen Bestellung von Edgar Weinzettl vorerst nicht zur Ruhe kommen. Der Widerstand gegen die Entscheidung soll laut APA in den nächsten Tagen weitergehen. Am Dienstag findet im Hörfunk eine Redakteursversammlung statt, bei der voraussichtlich eine Resolution und weitere rechtliche Schritte beschlossen werden. Darüber hinaus dürften mindestens zwei nicht berücksichtigte Bewerber die Medienbehörde KommAustria wegen Verletzung der Ausschreibungskriterien einschalten. "Die Leute sind sauer quer durch das Unternehmen", heißt es aus dem ORF. Weinzettl selbst stand am Montag wegen zahlreicher redaktionsinterner Sitzungen vorerst nicht für Interviewanfragen zur Verfügung. "Der Redakteursrat kann nicht für die Bewerber tätig werden. Die einzelnen Bewerber müssen die Medienbehörde KommAustria selbst einschalten", hieß es am Montag aus dem Redakteursrat auf HORIZONT-online-Anfrage. Bei den beiden nicht berücksichtigten Bewerbern, die die KommAustria einschalten wollen, soll es sich um Andreas Jölli und Stefan Kappacher handeln.

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