ORF-Konzepte: Die Antworten auf die offenen F...
 

Alexander Wrabetz und Richard Grasl beantworten offene Fragen, die sich aus ihren Konzepten ergeben haben.

Montag Abend präsentieren Alexander Wrabetz und Richard Grasl je 15 Minuten lang ihre Ideen für den ORF öffentlich auf ORF III (HORIZONT berichtete). HORIZONT fragte bei den beiden Kandidaten im Vorfeld davon bei einigen Details ihrer Konzepte nach.

Die wichtigsten Eckpunkte aus dem Konzept von Wrabetz:

  • Aufweichung der Alleingeschäftsführung mit Votum im Board bei strategischen Entscheidungen
  • Beibehaltung der Direktorenstruktur mit GD, Kaufmännischer Direktion, Technischer Direktion, Programmdirektion; dazu kommt ein Chief Digital Officer und ein Head of Radio
  • Channelmanager sind direkt dem GD unterstellt
  • Ausbau des ORF zum Social Media-Haus (eigener Youtube-Kanal mit ORF-Inhalten, Stärkung der bestehenden Auftritte auf FB und Co.)
  • Beibehaltung des Frühstückfernsehens „Guten Morgen Österreich“
  • Neue News-Show „@1“ als Info-Flaggschiff, 60 Minuten lang täglich
  • ORF 1 to go: non-lineares ORF eins-Angebot mit aktuellen Themen im Web
  • Ö3 stärker digital und in TV bringen, Ö1 neuer Auftritt und neues Schema
  • ORF III stärken mit Erhöhung des Sendebudgets auf 20 Mio. Euro
  • Stärkung der österreichischen Filmwirtschaft



HORIZONT: Im Konzept scheinen sieben Channels auf, ORF Sport plus ist im Vergleich zu beispielsweise ORF III keiner. Wieso nicht?
Wrabetz: 
ORF Sport plus ist als Channel so eng mit der Sportredaktion verzahnt, dass es sinnvoller Weise auch in Zukunft im TV-Sport als Channel geführt wird.

Die künftigen Channel-Manager berichtet laut Konzept direkt an den Generaldirektor. Das würde eine Änderung bedeuten, da ja beispielsweise der Ö3-Chef bis dato an den Radiodirektor und nicht direkt an den Generaldirektor berichtet hat?  
In der Zielstruktur ist vorgesehen, dass selbstständige Channel-Manager, die von der Geschäftsführung gemeinsam festgelegt werden, letztlich der gesamten Geschäftsführung berichten. In welchen Teilschritten dies realisiert wird, ist vom Stiftungsrat festzulegen.

Sie wollen Inhalte auch am Youtube-Channel spielen und verweisen im Konzept darauf, dass das nach Ablauf der TVthek-Woche passiert. Zugleich fordern sie aber die Abschaffung der 7-Days-Catch Up-Regelung. Das ist doch ein Widerspruch bzw. nicht logisch?
Nein, das ist kein Widerspruch. Ziel ist generell, das ORF-Archiv weiter zu öffnen und ORF-Content länger als sieben Tage zur Verfügung zu stellen, das betrifft diverse Plattformen, von TVthek über Flimmit bis Youtube.

Die wichtigsten Eckpunkte aus dem Konzept von Grasl:

  • Abkehr von der Alleingeschäftsführung mit Votum im Board, Vieraugenprinzip als Minimum; Miteinbeziehung von Landesdirektoren und Channelmanagern (ORFeins, Ö3, FM4, etc.) im Board
  • Neue Direktorenstruktur mit GD, Radiodirektor, TV-Infodirektor, TV-Programmdirektor, Digitaldirektor (dazu Leiter Finanzen und Leiter Technik)
  • Wiedereinführung eines Generalsekretärs in der GD
  • Channelmanager sind nicht GD sondern jeweiligen Direktoren unterstellt
  • Fokussierung in der Strategie auf Social Media als Marketinginstrument; ORF-Inhalte nur als Teaser auf sozialen Medien
  • Ein weiterer ORF-(Regional)-Kanal
  • Änderung des Frühstückfernsehens „Guten Morgen Österreich“ in Richtung mehr Information und Rückholung der Produktion ins Studio
  • Neuer digitaler 24/7-„ZiB“-Kanal mit aktuellen Nachrichten in Schleife
  • FM4 jünger positionieren und digitale Ableger (Inforadio, Ö3 plus, Kinderradio)
  • Töchter ORF on und ORF III zurück in Konzern



HORIZONT: Ab einer noch zu bestimmenden Bezugshöhe bzw. Verwendungsgruppe ist eine Personalentscheidung durch den Generaldirektor genehmigungspflichtig, heißt es im Konzept. Wo ist diese Höhe festgemacht, wer legt sie fest und welche der 18 Verwendungsgruppen fallen hinein? 
Grasl: Es geht dabei ausschließlich um die Bestellung von Führungskräften. Diese sind nicht durch den Generaldirektor genehmigungspflichtig, sondern durch den 5-köpfigen Vorstand.

Sie planen ein Recommandationsystem, zugleich sprechen Sie sich aber gegen ein Datenaggregationstool internationaler Medienunternehmen aus. Wie sollen die Daten der Seher verwendet werden und warum sehen Sie die grundsätzliche Methodik der Datenverwendung durch den ORF als weniger böse an?
Es geht um die Frage, was man mit gewonnen Daten macht, also um einen verantwortungsvollen Umgang damit. Den würde ich jedenfalls per Richtlinien festlegen und diese transparent machen. Große internationale Unternehmen gehen hier oft ein paar Schritte weiter bzw. zu weit.

Bei den Geschäftsführungssitzungen sollen im Rotationsprinzip je zwei Landesdirektoren für ein Jahr teilnehmen, ebenso alle Channelmanager: Haben sie auch ein Abstimmungsrecht?
Sie haben Teilnahmerecht, die Abstimmungen erfolgen im 5-köpfigen Vorstand. Es ist wichtig, deren Argumente zu hören und in die Entscheidung mit einfließen zu lassen. Teamarbeit ist das Gebot der Stunde.

Die Channelmanager sind Programm- und Infodirektor gleichsam unterstellt. Was geschieht wenn sich die beiden Direktoren uneins sind? 
Ich denke das wird nur in ganz wenigen Fällen vorkommen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass der Einigungsdruck im 4-Augenprinzip meist auch zur Einigung führt. In diesem Sonderfall würde ich als Generaldirektor die Argumente hören und dann entscheiden und diese Entscheidung auch transparent machen.
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