ORF: Hans Peter Haselsteiner verlässt Stiftun...
 
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Hans Peter Haselsteiner verlässt Stiftungsrat

APA
Unternehmer und NEOS-Stiftungsrat verlässt das Aufsichtsgremium des ORF.
Unternehmer und NEOS-Stiftungsrat verlässt das Aufsichtsgremium des ORF.

Von den NEOS entsandter ORF-Stiftungsrat legt seine Funktion nach sieben Jahren zurück, eine Medienexpertin mit Digitalkompetenz soll übernehmen.

"Über die künftige ORF-Besetzung entscheidet der Bundeskanzler wie einst Caligula mit Daumen rauf oder Daumen hinunter," wählt Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner im Standard-Interview ein eher drastisches Bild, um seinen Abschied aus dem obersten Aufsichtsgremium des ORF zu argumentieren, in das ihn die NEOS seit 2013 entsandt haben. Haselsteiner legt diese Funktion knapp vor der nächsten ORF-Generaldirektorenwahl kommenden Sommer zurück und kündigt an, dass ihm ein "Medienexpertin mit hoher fachlicher Kompetenz und Schwerpunkt Digitalisierung" folgen werde. Formal wird diese Nachfolgerin über den Parlamentsklub der NEOS bestimmt, deren wichtiger finanzieller Unterstützer Haselsteiner ist.

'Intellektuelle Beleidigung'

Seinen Rückzug aus dem ORF-Stiftungsrat begründet Haselsteiner mit dem mangelnden Reformwillen der Regierung in Sachen ORF: "Es scheint mir einen Konsens zwischen ÖVP und Grünen zu geben, dass daran nichts geändert wird. An der Verfassung des ORF, in seinem Statut ändert sich nichts, hat mir der Medienbeauftragte des Kanzlers, Gerald Fleischmann, erklärt: Er sehe keinen Reformbedarf, es funktioniere eh alles so gut, und der ORF-Stiftungsrat sei ohnehin unabhängig. Wenn man ihm dann sagt, dass sei eine intellektuelle Beleidigung und er soll einen anderen pflanzen, tut er erstaunt. Und die Grünen sind diesbezüglich eine große Enttäuschung." Mit eigenen Reformideen sei er, Haselsteiner, gescheitert. In der nächsten Zeit kämen überdies Aufgaben auf die ORF-Stiftungsräte zu, "die Medienfachleute übernehmen sollten. Diese Kompetenz konnte ich für mich nie in Anspruch nehmen. Ich bin da ein Laie".

Bei der Wahl des nächsten Generaldirektors sieht Haselsteiner, der 2016 eine entscheidende Stimme für die Wiederwahl Alexander Wrabetz' brachte, ohnehin wenig Spielraum: "Diese fundamentale Entscheidung ist ausschließlich in der Hand des Bundeskanzlers. Alles andere ist eine Illusion."

Wrabetz' 'Chancen sind intakt'

Von der Arbeit im Stiftungsrat zeigt sich der Bautycoon im übrigen desillusioniert. In Wahrheit laufe diese ganz einfach: "Der Generaldirektor stimmt sich mit seinen drei Gesprächspartnern ab – das sind der Vorsitzende des Stiftungsrats und die zwei Ausschussvorsitzenden." Vom Standard auf eine mögliche Wiederwahl Wrabetz' als Generaldirektor angesprochen sagt Haselsteiner: "Alexander Wrabetz hat viele Talente, er ist ein sehr gescheiter Mensch. Und er ist ein wirklich erstaunlicher Diplomat. Ich würde nicht darauf wetten. Vor einem Jahr hätte ich dagegen gewettet. Heute würde ich das nicht mehr tun. Ich glaube, seine Chancen sind intakt. Es sind aber noch neun Monate. Da kann noch viel passieren, auch im letzten Augenblick. Wer wird sich nicht aller bei Kurz anstellen mit: Ich möchte das unbedingt werden!"
Eine Alternative sieht er in Pro7Sat.1Puls4-Chef Markus Breitenecker: 
"Er scheint mir jedenfalls ein tüchtiger Fachmann zu sein, das muss man ihm lassen. Aber ich bin kein Medienprofi. Ich glaube, es gäbe ein paar, die infrage kämen."

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