ORF-Gebührenrefundierung: Filmindustrie berei...
 

ORF-Gebührenrefundierung: Filmindustrie bereits 2013 betroffen

UPDATE: Zechner will "österreichischen Content" - Haneke-Produzent Heiduschka: "Wir sind keine Bettler, wir liefern etwas" - Wrabetz: ORF "verlässlicher und fairer Partner" - Steigende Arbeitslosigkeit für das zweite Halbjahr erwartet

"Wir sind keine Bettler, wir liefern etwas." Recht drastische Worte fand der langjährige Michael-Haneke-Produzent und Präsident der Film Austria, Veit Heiduschka, angesichts der durch das Auslaufen der ORF-Gebührenrefundierung drohenden Sparmaßnahmen für die heimische Filmwirtschaft. Die unmittelbaren Auswirkungen - bereits 2013 seien Serien- und Einzelfilmprojekte betroffen - habe die Politik nicht bedacht. Deshalb forderte man am Dienstag erneut die gesetzliche Zweckwidmung von 20 Prozent der Gebühreneinnahmen für Auftragsproduktionen.

"Es gibt auch andere Wege"

Wobei dies nicht auf dem Rücken der Seher ausgetragen werden sollte, wie Fachverbandsobmann Danny Krausz unterstrich. "Es geht auch konsumentenneutral", erteilte er dem Szenario höherer Gebühren eine Abfuhr. Stattdessen müsse man sich den gesamten Finanzhaushalt anschauen und "nicht nur diese eine Maßnahme beschließen", wie er auf APA-Nachfrage konkretisierte, und etwa auf eine "Optimierung der Funktionalität der Landesstudios" verwies. Ähnlich argumentierte Heiduschka: "Es gibt auch andere Wege als die Refundierung, um der Filmwirtschaft zu helfen."

Diese sieht sich jedenfalls akut gefährdet. In einer Videobotschaft sprach Schauspieler Harald Krassnitzer von einem "schweren, wenn nicht gar tödlichen Schlag für die österreichische Filmindustrie" angesichts drohender Kürzung von rund einem Drittel des gesamten Programmbudgets für unabhängige Fernsehfilm- und Fernsehdokumentationssendungen. Nicholas Ofczarek forderte den Gesetzgeber auf, "dem ORF bei Programmkonzeption und beim Sparen" zu helfen. Und Krausz sieht bereits für das dritte und vierte Quartal des laufenden Jahres steigende Arbeitslosigkeit in der Filmbranche: "Das ist ein Faktum, das nicht wegzudiskutieren ist."

Noch unklar, welche Produktionen betroffen sind

Welche Produktionen nun betroffen sind, darüber gab es auch seitens des ORF auf Nachfrage keine detaillierte Auskunft. Das Medienberichten zufolge gekippte Schalko-Projekt "Salambo" sei jedenfalls nicht aufgrund der finanziellen Situation gestrichen worden, sondern soll durch ein "Ersatzprojekt aus der gleichen Schmiede" ersetzt werden.

ORF "verlässlicher und fairer Partner"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte gegenüber der APA das Interesse des ORF "an weiterführenden Gesprächen mit der Politik, um das derzeitige Rekordvolumen von mehr als 100 Mio. Euro an Investitionen in österreichische Produktionen halten zu können. Und wir werden in jedem Fall und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ein verlässlicher und fairer Partner bleiben."

Solidarisch erklärte sich auch der Dachverband der Filmschaffenden. "Wir fordern, dass umgehend gehandelt wird", betonte Maria Anna Kollmann. Produzent John Lueftner zufolge sind besonders kleine Produktionsfirmen bedroht, was letztlich Auswirkungen auf "Vielfalt sowie Nachwuchs- und Talentförderung" habe. Daher müsse die Politik den ORF "mit entsprechenden Mitteln ausstatten".

UPDATE: Zechner will "österreichischen Content"

ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner bekräftigte am Dienstag das Bekenntnis des Senders zu "österreichischem Content". Angesichts der drohenden Sparmaßnahmen im Film- und Fernsehbereich erklärte sie gegenüber der APA: "Der ORF kann nur mit österreichischen Produktionen erfolgreich sein und mittelfristig am hart umkämpften Markt bestehen bleiben. Wir müssen daher jeden verfügbaren Euro in originäres österreichisches Programm investieren."

Daher unterstütze sie die "Forderungen nach einer langfristigen und unabhängigen Finanzierung des Österreichischen Rundfunks. Eine Schwächung der finanziellen Gebarung ist eine Schwächung der österreichischen Wirtschaft und führt direkt und kurzfristig zu höheren Arbeitslosenzahlen in dieser Branche." Dem Publikum müsse man relevante, österreichische Geschichten liefern und entsprechend auch gemeinsam mit der heimischen Filmwirtschaft für diese "Topqualität" sorgen.

Der Forderung der Filmwirtschaft nach einer Zweckwidmung von 20 Prozent der Gebühreneinnahmen des ORF für heimische Produktionen kann auch ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf etwas abgewinnen. "Dann würden die ständig vorgebrachten Drohkulissen des ORF-Generaldirektors, dass es ohne mehr Steuergeld für den Staatsfunk weniger bis gar keine Filmförderung mehr geben werde, in sich zusammenfallen", heißt es dazu in einer Aussendung. Gleichzeitig bekräftigte Kopf das Auslaufen der Gebührenrefundierung. Dies hätten beide Koalitionsparteien "unmissverständlich klargestellt".

(APA)
stats