ORF-Freie: Neuer Appell an Stiftungsrat
 

ORF-Freie: Neuer Appell an Stiftungsrat

Freie wandten sich einmal mehr an oberstes ORF-Gremium, dazu gab es eine Unterstützungserklärung der angestellten Redakteure - Prekäre Lebenssituation der Freien im Netz veröffentlicht

Nachdem die ORF-Betriebsräte am Montag Generaldirektor Alexander Wrabetz in einer einstimmig beschlossenen Resolution dazu aufgefordert haben, "unverzüglich Maßnahmen zur Reform des ORF-Gesetztes in die Wege zu leiten" und darüber hinaus eine "sozial und arbeitsrechtlich zufriedenstellende Lösung der prekären Beschäftigungsverhältnisse" (für freie Mitarbeiter und "Tagesanmietungen") verlangten, meldeten sich am Mittwoch auch die freien Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu Wort.

In einem Schreiben appellierten sie an den Stiftungsrat und den Generaldirektor des ORF für eine Verbesserung ihrer Arbeitssituation. Trotz des für Ende Februar angesetzten Verhandlungstermins zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat zur Situation der 150 Freien im ORF fehle nach wie vor ein deutliches Bekenntnis des ORF-Managements, die Freien künftig gerecht entlohnen zu wollen.

"Ganz im Gegenteil: Es soll bei den ohnehin schon niedrigen Freien Honoraren weiter gespart und Programminhalte gestrichen werden (etwa bei Ö1)", schrieben sie an die Stiftungsräte. Um die Lebenssituation der Freien ORFler zu verdeutlichen, wurden außerdem persönliche Statements über deren Lebensalltag in einem Blog zusammengetragen und nun im Netz veröffentlicht.

476 Unterstützungserklärungen

Gleichzeitig wies man auf eine Unterstützungserklärung der angestellten Redakteure hin. "476 JournalistInnen, GestalterInnen, ProducerInnen und AbteilungsleiterInnen wollen und können nicht mehr kommentarlos zusehen, wie ihre Freien KollegInnen, mit denen sie tagtäglich zusammenarbeiten, aufgrund eines veralteten Honorarkatalogs am Existenzminimum leben und haben daher kollektiv eine Solidaritätserklärung unterzeichnet."

Die ORF-Redakteure haben dem ORF-Stiftungsrat am Mittwoch eine Unterstützungserklärung übermittelt, in der sie sich für die Belange der freien Mitarbeiter einsetzen. Im Folgenden lesen Sie den Text im Wortlaut:

"Sehr geehrter Stiftungsrat, sehr geehrter Herr Generaldirektor Wrabetz! Wir, die Redakteurinnen und Redakteure des ORF, unterstützen die Forderung unserer Freien Kolleginnen und Kollegen nach gerechter Entlohnung. Durch den massiven Personalabbau in den vergangenen Jahren sind wir in vielen Redaktionen auf die Mitarbeit der Freien Redakteurinnen und Redakteure angewiesen, um den Programmauftrag überhaupt erfüllen zu können. Dies betrifft insbesondere jenen Programmanteil, der den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag des ORF erfüllt: Die Sendereihen von Ö1 und FM4, die TV-Kultur und die Sendungen der Fremdsprachenredaktionen.

Wir wollen und können nicht mehr kommentarlos zusehen, wie unsere Freien Kolleginnen und Kollegen zum Großteil Vollzeit arbeiten, jedoch trotzdem aufgrund eines anachronistischen Honorarkatalogs am Existenzminimum leben müssen. Viele von ihnen arbeiten durchgehend ohne arbeitsrechtliche Absicherung, Sozialversicherung, bezahlten Krankenstand oder Urlaubsanspruch.

Wir fordern Sie daher auf im Sinne des Unternehmens zu handeln und sich tatkräftig dafür einzusetzen, diesen für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unrühmlichen und unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten. Das Kapital des ORF sind die Kreativität und die Kompetenz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Angestellten und der Freien."
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