ORF entschuldigt sich für Wessel-Lied
 

ORF entschuldigt sich für Wessel-Lied

Aus ORF-Sicht hat die Lied-Panne kein rechtliches Nachspiel

Am Freitagabend spielte ein Kandidat der ORF-Sendung „Die große Chance“ auf seiner Mundharmonika ein "altes Volkslied", das starke Ähnlichkeiten mit dem Horst-Wessel-Lied, einer früheren Parteihymne der Nationalsozialisten hatte. Nach erbosten Zuschauer-Anrufen bedauert der ORF den redaktionellen Fehler und läßt rechtliche Schritte prüfen.

"Nach sorgfältiger Prüfung des gesamten Sachverhaltes und der entsprechenden Rechtslage wird der ORF in dieser Angelegenheit keine rechtlichen Schritte setzen. Der Kandidat selbst hat glaubhaft erklärt, dass er mit seiner Darbietung keinerlei Bezug zum Horst-Wessel-Lied herstellen wollte und ihm die Ähnlichkeit auch nicht bewusst war. Er bedauert die Ähnlichkeit und die daraus entstandene öffentliche Diskussion", teilte der ORF mit. Für die verantwortlichen Redakteure gelte gleichfalls, dass der mögliche Bezug zum indizierten Musikstück bis zur Ausstrahlung nicht bekannt beziehungsweise bewusst war.

"Der Tatbestand im Sinne des Verbotsgesetzes würde nur dann vorliegen, wenn der Text beziehungsweise Text-Elemente des Horst-Wessel-Liedes transportiert worden wären und die Tat mit Vorsatz verwirklicht worden wäre. Beides ist nicht der Fall", stellte der ORF klar. Der ORF werde somit keine rechtlichen Schritte einleiten. "Das ändert aber nichts daran, dass der ORF den besagten Auftritt sehr bedauert und dass das Lied - auch wenn es 'nur' Ähnlichkeiten mit dem Horst-Wessel-Lied aufweist - keinen Eingang in die Sendung hätte finden dürfen. Der ORF steht dazu, dass hier ein redaktioneller Fehler passiert ist und entschuldigt sich dafür."

Das bereits aufgezeichnete Material von "Die große Chance" soll nun einem neuerlichen zusätzlichen Screening unterzogen werden, um jede Unsicherheit bezüglich der Sendungsinhalte ausschließen zu können. Für zukünftige Aufzeichnungstermine und Produktionen werde zu den bestehenden Standards durch zusätzliche historische Recherchen eine weitere Sicherheitsmaßnahme eingezogen, die jegliches Risiko, dass problematisches Material unentdeckt bleibt, ausschließen soll, so der ORF.

(Quelle: APA)
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