ORF-Direktor: EU ist für Schließung des ERT m...
 

ORF-Direktor: EU ist für Schließung des ERT mitverantwortlich

Alexander Wrabetz fordert klare Position gegen Aus des Sender

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sieht die EU beim Streit um den griechischen Staatssender ERT in der Pflicht. „Die EU ist für die Schließung des ERT schon verantwortlich, auch wenn die Troika diese Maßnahme nicht konkret vorgeschrieben hat“, sagte Wrabetz am Montag bei einer Podiumsdiskussion in Wien. Die Union hätte klarer gegen die Maßnahme von Premier Antonis Samaras auftreten müssen.

Wrabetz kritisierte weiter, dass die EU zwar Beitrittsländern einen funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorschreibe und ihn als Teil der Demokratie verstehe, doch bei den alten Mitgliedsländern Missstände hinnehme.

Der griechische Journalist Konstantinos Argyros, der zuletzt bei ERT arbeitete, warf der EU Untätigkeit vor. Die Union müsse sich gegen die Schließung des Senders einsetzen.

Marc Fähndrich, Ökonom und Repräsentant der Europäischen Kommission in Österreich, verteidigte die Haltung der EU: „Das ist eine innergriechische Situation und wir hatten keine Kompetenz, darin einzugreifen.“ Es sei besser, dass das Höchstgericht in Athen in dieser Angelegenheit entschieden habe – schließlich sei Griechenland „kein besetztes Land“. Die EU habe außerdem nur die generelle Empfehlung abgegeben, im öffentlichen Sektor zu sparen.

Laut Argyros wirtschaftet der Sender ERT positiv. Seiner Meinung nach habe die Regierung zwei Gründe: Erstens bringe das Aus eine "Ersparnis an Demokratie", zweitens stehe gerade die Digitalisierung des Rundfunks an, zu der bis Ende Juni eine Ausschreibung läuft. Nachdem der öffentlich-rechtliche Sender geschlossen wurde, sei nur mehr ein Anbieter, ein Konsortium von mehreren Privatsendern, übrig. Das bringe der Regierung einen wirtschaftlichen Vorteil.

Kaum eine Woche nach der Schließung hatte das griechische höchste Verwaltungsgericht die Wiedereröffnung des staatlichen Rundfunksender ERT angeordnet. Auf der Video-Plattform Youtube wird weiterhin ein Ersatzprogramm gesendet, das Argyros zufolge bisher 4,7 Millionen Seher verzeichnen konnte. „Die Bevölkerung ist also zufrieden mit dem Sender“, schloss der Journalist daraus.

(APA)
stats