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ORF: Die wichtigsten Themen auf Wrabetz' Agenda

David Bohmann
"Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich habe gerade erst eine neue Geschäftsführungsperiode begonnen. Andere Fragen stellen sich für mich jetzt nicht", sagt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.
"Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich habe gerade erst eine neue Geschäftsführungsperiode begonnen. Andere Fragen stellen sich für mich jetzt nicht", sagt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Im Interview mit dem Standard äußert sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz unter anderem zur Channel-Struktur, dem trimedialen Newsroom und die künftige Ausrichtung von ORF 1 und ORF 2.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz spricht im vierteiligen Standard-Interview über die geplante neue Struktur für die ORF-Fernsehinformation und Channel Manager für ORF 1 und ORF 2, das Großprojekt "trimedialer Newsroom", die künftige Ausrichtung von ORF 1 und ORF 2 und über Gebühren, den ATV-Deal sowie eine vierte Amtszeit. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen und Themen.

Ausschreibung der Channel-Manager

Die Channel-Struktur sei Wrabetz zufolge noch "hochaktuell". Er plant Channel Manager für ORF 1 und ORF 2. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Lisa Totzauer für ORF 1, wo sie bisher Infochefin ist, und Roland Brunhofer für ORF 2, zuletzt ORF-Landesdirektor in Salzburg. "Ich habe noch nie Wunschkandidaten genannt. Ich glaube, dass beide höchst qualifizierte Mitarbeiter des Hauses sind, die nach bestem Wissen und Gewissen für den ORF arbeiten", so Wrabetz.

Festlegen will sich Wrabetz auch noch nicht, wann er die Organisationsanweisung erteilt und wann er die Channel Manager ausschreibt. Der Zeithorizont dafür beschränke sich auf "zwei bis drei Wochen, sobald die gesetzlich notwendigen Anhörungen des Betriebsrats abgeschlossen sind. Die neue Struktur inklusive Besetzungen wird wie angekündigt im ersten Halbjahr 2017 in Kraft treten."

Im Zuge dessen erinnert er Armin Wolf auch an die "klare Aufgabenverteilung: Er hat keine Verantwortung für die Struktur und die personellen Besetzungen im Unternehmen". Wolf soll weiterhin Hauptmoderator der ZiB 2 bleiben und seine Interviews führen, wie er sie bisher führt: "Ja. Das ist überhaupt keine Frage."

Am Wochenende hatte der von der FPÖ unterstützte ORF-Technikvizedirektor Thomas Prantner die ORF-Information in einem "Profil"-Interview massiv kritisiert: Prantner sprach von "Verhören" und Interviewpartnern "auf der Anklagebank". Interviews von ORF-Mitarbeitern müssen vom Unternehmen genehmigt werden. Von Aussagen dieser Form distanziert sich der Generaldirektor: "Ich würde die Worte in diesem Zusammenhang nicht verwenden."

Durch Verzögerungen steigen die Kosten

Das Großprojekt "trimedialer Newsroom" sei laut Wrabetz "jedenfalls neu zu denken": "Es ist die Frage, ob wir vieles - aber nicht alles - durch effizientere IT-Vernetzung und neue Workflows realisieren. Da spielt die Flächengröße eines Newsrooms eine geringere Rolle." Dass die Radioredakteure im Funkhaus bleiben, "so weit würde ich jetzt noch nicht gehen". Die Frage sei unter anderem, welche räumlichen Strukturen für ein redaktionelles Arbeiten in fünf bis sieben Jahren notwendig seien und welche technische und IT-Infrastruktur. Diese Punkte müssten aufgrund der Verzögerungen neu bewertet werden. Wrabetz geht nicht davon aus, dass der ORF insgesamt mehr Geld dafür zur Verfügung haben wird. Mit jedem Jahr "genehmigungsbedingter Verzögerung" würden "natürlich" auch die Kosten steigen.

Ausrichtung von ORF 1 und ORF 2

Was die künftige Ausrichtung von ORF 1 und ORF 2 betrifft, sagt Wrabetz: "Mittel von ORF 2, wo wir teilweise ein Überangebot von besonders wertvollen Inhalten haben, müssen wir zu ORF 1 umschichten, ohne den Programmerfolg von ORF 2 zu beeinträchtigen." Ihm zufolge müsste es "jedenfalls eine größere Informationssendung auf ORF 1 geben", fehlen würden auch regelmäßige Talkformate. Auch ORF 2 müsse sich programmatisch weiterentwickeln. Und: Es sei "grundsätzlich ein sehr überlegenswerter Ansatz, differenzierter vorzugehen, als die Kanäle nur nach Jung und Alt auszurichten".

Die Debatte über Streaming sei "kein Thema, das in den nächsten zwei Jahren virulent wird. Aber auf mittlere Sicht gehört das gelöst". Wrabetz will mit mehr Sendungen "eine gute Basis bei großen Teilen der Bevölkerung aufbauen, um unsere sachlichen Argumente in diese Debatte einzubringen und zu gewinnen - und damit die Streaminglücke schließen". Bisher sagen Gesetz und Höchstgerichte: keine Gebühren für Streaming - jedenfalls im Radio ist das seit 2015 vom Verwaltungsgerichtshof klargestellt. 

Der ATV-Deal und der ORF

Und was bedeutet der ATV-Deal für den ORF? "Will man gut gemachten Fernsehjournalismus, gut gemachte österreichische Produktionen dauerhaft auf einem möglichst hohen Niveau halten, dann muss man den ORF auch medienpolitisch stärken und ihm den nötigen gesetzlichen Bewegungsspielraum geben. Weil die Eigenproduktionen des ORF wird es unabhängig von Kursschwankungen am DAX oder wechselnden Shareholderinteressen immer geben."

Ob der Generaldirektor noch eine Amtszeit ab 2022 anstrebt? "Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich habe gerade erst eine neue Geschäftsführungsperiode begonnen. Andere Fragen stellen sich für mich jetzt nicht."
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