ORF bringt Schwerpunkt zum "Urknall der Zeitg...
 

ORF bringt Schwerpunkt zum "Urknall der Zeitgeschichte"

1914/2014 - Dokus, Spielfilme und Kultur - Zugänge in großen Zusammenhängen und "anhand von persönlichen Schicksalen"

Mit Dokumentationen und Spielfilmen, Konzertprogrammen, Diskussionen und Hörspielen beteiligt sich der ORF am Gedenkjahr 2014, wenn sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt. Diesen "Urknall der Zeitgeschichte" aufzuarbeiten "und über seine Folgen nachzudenken" sieht Generaldirektor Alexander Wrabetz in ganz Europa "als Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", wie er heute, Montag, bei der Programmpräsentation betonte. Der Schwerpunkt startet bereits mit Jahresende und wird sich in den drei ORF-Kanälen, in 3sat sowie in allen Radiosendern durch das gesamte kommende Kalenderjahr ziehen.

"Nur wer das 20. Jahrhundert versteht, kann die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen", zeigte sich Wrabetz überzeugt - und auch viele bis heute wirkende Folgen, etwa im Syrienkonflikt, am Balkan oder in der EU-Politik, verstehen. Neben diesen größeren Zusammenhängen möchte man aber auch "anhand von persönlichen Schicksalen", etwa bei der filmischen Umsetzung von 1.000 Tagebüchern, die Menschen in 35 Nationen in den Kriegsjahren geführt haben, "begreifen, was die Menschheit erlebt hat", so Fernsehdirektorin Kathrin Zechner.

Dokus etwa zum Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo, zu den Geschehnissen der Kriegsjahre, zu neuen Technologien und gesellschaftlichen Aufbrüchen, aber auch zur "Saat für den zweiten Weltkrieg" werden daher auch um Spielfilme und um Biografien von Ausnahme-Schicksalen, etwa Clara Immerwahr oder Bertha von Suttner, ergänzt. Fiktion und Doku stehen nebeneinander: Andreas Prohaska beginnt demnächst mit den Dreharbeiten für einen Spielfilm zu Sarajevo mit Florian Teichtmeister, Juergen Maurer und Heino Ferch, zum selben Thema entsteht eine Doku, die auch die Kriegstreiber in Wien ins Visier nimmt und die widersprüchliche Figur des Franz Ferdinand beleuchtet. Die entscheidende Frage, mit der Zechner ihr Publikum durch dieses "Potpourri" befassen will, ist: "Sind wir fähig, zu lernen?"

Aber es gibt auch Ironisches - eine augenzwinkernde Doku widmet sich der Beziehung von Österreich und Deutschland mit der Tagline "Sie nahmen uns die Hymne und gaben uns den Anschluss" - sowie Versöhnliches: So wird das Gedenkkonzert der Wiener Philharmoniker in Sarajevo Ende Juni 2014 gemeinsam mit der EBU (European Broadcasting Union) herausgebracht und bei der kommenden Wiener Festwochen-Eröffnung steht RSO-Chefdirigent Cornelius Meister am Pult eines europaweiten Chorgesangs-Events.

Nicht nur auf Ö1, wo beinahe alle Formate vom Kolleg bis zum Hörspiel am Themenschwerpunkt beteiligt sind, "sondern auch auf FM4 und Ö3" wird der Zeitgeschichte-Fokus zu spüren sein, versprach Radiodirektor Karl Amon. Intensiv und "abseits des Mainstreams" setzt man sich bei ORF III mit dem Komplex auseinander, wie Geschäftsführer Peter Schöber erklärte: neben einer siebenteiligen Doku-Reihe unter dem Titel "The Great War of Nations" von Eric Deroo steht hier etwa eine gemeinsam mit Oliver Rathkolb überarbeitete Fassung von Hugo Portischs "Österreich"-Serie auf dem Programm.

(APA)
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