ORF-Betriebsrat sieht Ö1-Reform zulasten der ...
 

ORF-Betriebsrat sieht Ö1-Reform zulasten der Freien

APA (Symbolbild)
Vor allem die freien Mitarbeiter sind betroffen
Vor allem die freien Mitarbeiter sind betroffen

Die Belegschaftsvertreter sehen Einsparungen vor allem zulasten der Freien Mitarbeiter, einige offene Fragen und kritisieren "Drüberfahren" des Managements.

Der Zentralbetriebsrat des ORF hat in einem Schreiben an die Ö1-Mitarbeiter die Gründe dargelegt, warum sich seine Vertreter im ORF-Stiftungsrat bei der Abstimmung über das neue Programmschema des Kultursenders enthalten haben. Die Belegschaftsvertreter sehen Einsparungen vor allem zulasten der Freien Mitarbeiter, einige offene Fragen und kritisieren "Drüberfahren" des Managements.

"Entgegen anderslautenden Erklärungen der Programmverantwortlichen ist diese Reform sehr wohl auch ein Sparpaket", hält Gerhard Moser, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats sowie Redakteur bei Ö1, in dem der APA vorliegenden Brief fest. "Verschiedene Quellen sprechen von 300.000 bis 400.000 Euro Einsparungen jährlich." Dies werde insbesondere die "Freien" treffen, etwa durch die Umstellung der "Klassiknacht" auf automatisierte Abläufe, aber auch durch die Streichung von Sendungen wie "Nachtquartier" oder "Cafe Sonntag".

Außerdem sei einiges im neuen Schema noch unklar - etwa, wie hoch der Musikanteil in der neuen Fläche im Anschluss an das "Mittagsjournal" nun wirklich sein soll. Auch der Sendeplatz des neuen geplanten Medienmagazins sei offen, ebenso wie die "dezidierte inhaltliche Ausrichtung". Die Zielsetzung, die Kapazitäten verstärkt auf publikumsrelevante Tageszonen zu konzentrieren stehe "in einem auffälligen Widerspruch" zum geplanten "Ö1-Kunstsonntag".

Und schließlich stößt sich der Betriebsrat daran, dass in der Präambel des neuen Schemas von "größtmöglicher Einbindung der MitarbeiterInnen von Ö1" die Rede sei. Jedoch "konnten sich insbesondere Redakteurssprecher als auch hellhörige Zeitgenossen im Stiftungsrat davon überzeugen, dass zumindest in der Schlussphase dieses Prozesses das gelegentlich überhebliche Ignorieren von Einwänden, also das 'Drüberfahren', gängige Managementpraxis zu sein scheint".

Der Zentralbetriebsrat hielt in seinem am Montag verschickten Schreiben fest, dass man sich mitnichten "grundsätzlich gegen Änderungen/Adaptionen von Programmschemata" wehre. Ein Auslöser der Stellungnahme sei aber auch ein Brief, den wiederum Ö1-Chef Peter Klein Ende vergangener Woche an die Mitarbeiter geschickt hatte. "Ich möchte mich ausdrücklich bei allen bedanken, die konstruktiv an der Entwicklung des neuen Schemas mitgewirkt haben", so Klein in diesem der APA ebenfalls vorliegendem Schreiben. Er zeigte sich "zutiefst davon überzeugt, dass das optimierte Programm von Ö1 besser sein wird als das bestehende".
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