Optische Umweltverschmutzung?
 

Optische Umweltverschmutzung?

#

Österreich ist ein Plakatland - eine Diskussion über Ambient Pollution und die gesunde Dosis

Zu Beginn hielt Günther Ofner (Flughafen Wien) eine Keynote, wo er das Projekt Vienna Airport Media vorstellte. Das Tool, ein Werbesimulator, ist seit drei Wochen online und kann von Interessierten getestet werden. Genau geht es darum, eine Simulationsfahrt durch den Flughafen Wien zu machen und so zu testen, wo man seine Werbung denn platzieren möchte, und sogleich kann man das Ergebnis am Screen sehen. Weiter präsentierte er „eine einzigartige Installation“ am Flughafen Wien: Die Giga-Pixel-Wall. Eine digitale Wand, die aus 2.000 Einzelbildern besteht, sie alle zusammen ergeben ein bewegtes New York Bild.

"Kein Mensch möchte graue Städte"

Moderator Maurizio Berlini (Goldbach Austra) sprach als erstes das Thema ‚Ambient Pollution‘ an und konfrontierte Mister Plakat, Karl Javurek (Gewista), mit dem Vorwurf der optischen Umweltverschmutzung. Javurek: „Kein Mensch möchte wieder graue Städte ohne Außenwerbung haben. Eine andere Frage ist natürlich die nach der Kreation auf den Plakaten, aber das ist ja nicht unsere Aufgabe.“

Berlini machte den derzeitigen Wahlkampf zum Thema. „Mit der Besetzung des öffentlichen Raums signalisiert man Siegeswillen, aber es ist definitiv eine Zumutung, alles in tausendfacher Ausführung zu plakatieren.“ Auch Konrad Mayr-Pernek (MEC) sah das ähnlich. „Das ist widerlich. Kein werbetreibender Kunde würde sich ein derartiges Verhalten erlauben, das ist auch absolut sinnlos, was da gemacht wird, einfach ein ‚Zuviel‘ von allem. Es gibt ja Tools, die einem das gesunde Maß aufzeigen, aber das dürfte sich zu den Agenturen der Parteien nicht durchgesprochen haben“, so Mayr-Pernek.

Winfried Karst (Amscreen) ist viel im digitalen Bewegtbildbereich unterwegs. „Ich glaube, dass Farben und Plakate im öffentlichen Raum dazu beitragen, dass Städte schöner werden“, so Karst. Alle waren sich einig, dass die Dosis stimmen muss. „Zudem müssen formale Mindestkriterien eingehalten werden, so muss beispielsweise auch auf interkulturelle Themen Rücksicht genommen werden, die setzen einem gewissen Diskurs ja Grenzen“, so Ofner.

Enormer Wandel

Der österreichische Außenwerbungsmarkt sei enorm im Wandel. „Litfaßsäulen werden durch digitale Lösungen ersetzt“, so Javurek. Vor allem bei den Hotspots, wie Flughäfen oder Bahnhöfe, würden riesige Investments im digitalen Bereich getätigt. Was momentan am meisten beschäftige, ist die Frage, wie die beiden Giga-Medien ‚mobiles Internet‘ und ‚out-of-home‘ zusammenschmelzen werden.  

Abschließend ging man noch der Frage nach, warum Österreich denn ständig als Plakatland tituliert werde, Deutschland beispielsweise nicht. Mayr-Pernek: „Die Plakatdichte, über die wir verfügen, führt dazu, dass Kunden ihre Kampagnen viel dichter erleben als in Deutschland, am eigenen Leib können Sie erfahren, wie sehr man dem ausgesetzt ist.“ Österreich sei ein Land, in dem eine Kampagne nur vom Plakat getragen werden könne. Zuletzt stellt Javurek klar, daß seine börsennotierte Unternehmung unpolitisch sei, alle würden gleich behandelt.
stats