"Online schützt vor Dummheit nicht"
 

"Online schützt vor Dummheit nicht"

Auf Einladung von HORIZONT und der FH St.Pölten diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis zu „Innovations-Management – Weg aus der Krise?“.

“Wollen junge Leute überhaupt noch Printprodukte in die Hand nehmen?”, fragte Dr. Ulrich-Thomas Lange, Leiter vom Institut für Medienwirtschaft der FH St.Pölten, provokant in die prominent besetzte Diskussionsrunde, die sich auf Einladung von HORIZONT und der FH St.Pölten zusammengefunden hat. Herausforderungen und Lösungsstrategien für die Medien- und Kommunikationsbranche dienten als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit der Problematik Medien in der Krise, an der sich FH-Professorin Angela Fritz von der FH St.Pölten, Prof. Arnold Picot von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Horst Pirker von der Styria Medien AG, FH-Rektor Wolfgang Vyslozil unter der Moderation von Ulrich-Thomas Lange, ebenfalls von der St. Pöltener FH, beteiligten.







Für den Wissenschaftler Picot steht fest, dass der Umgang mit der tiefgreifenden Transformation der Medien gerade für die Führungsebene die größte Herausforderung ist. „Bis zu 70 Prozent der Change-Management-Prozesse gehen schief und das ist empirisch belegt“, so der Professor, dessen Meinung nach vor allem Patentrezepte eine Gefahr für Unternehmen darstellen. „Wir können uns nicht mehr auf das, was uns bis jetzt über Wasser gehalten hat, beziehen“, konstatiert der Experte. Picots Schlagwort lautet „pro aktiv handeln“, was heißt, sich zu öffnen und den Trends nicht hinterher zu laufen, sondern sie zu lenken. Für die Medienunternehmen entstehe inmitten Wirtschaftskrise und struktureller Krise ein Spagat zwischen bewährten und neuen durch die Umsatzeinbrüche bedingten Arbeitsweisen. Am wichtigsten sei die Experimentierfreude, da die Medienmanager von heute mit Zuständen konfrontiert werden, für die es keine Exempel aus der Praxis gibt. Picot vergleicht diese Situation mit dem Aufkommen des Internets, wobei es auch jetzt gelte, die digitale Entwicklung mit Argus Auge zu beobachten, um als Medienunternehmen am Ball zu bleiben: „Man muss hautnah an der Digitalisierungswelle dran bleiben, um den Wandel zu steuern!“, mahnt der Experte. Und da sich in diesem Wandel für die Medien Aufgaben ergeben, die als einzelnes Unternehmen gar nicht zu bewältigen sind, müssten Medienschaffende auch ihre Rolle überdenken: „Medien müssen sich als Teil eines Netzwerkes sehen und nicht als etabliertes Einzelunternehmen“, so Picot. Daneben dürfen die Medien auf die schwer zu findenden neuen Einnahmequellen nicht vergessen, da internetbasierte Erlösmodelle stetig steigen. „Aber Online schützt vor Dummheit nicht“, meint darauf Moderator Lange, der auch etablierten  Medienunternehmen dazu rät, zu lernen wie man mit neuen Medien Geschäfte macht. Und schließlich gäbe es ja auch die Möglichkeit,– Kompetenzen von außen zuzukaufen.







Ärmel Hochkrempeln







Horst Pirker, Vorstand Styria Medien AG, sieht die Medienwelt, wie die Wissenschafter am Podium, in einer Krise in einer „noch nie dagewesenen Dimension“. Laut Pirker hätten klassische Medien eine eher mäßige Überlebenschance: „Wir müssen all unsere Gehirnwindungen zusammenlegen, das richtige Feeling entwickelt und bräuchten immer noch eine riesige Portion Glück, um die klassischen Medien am Leben zu halten“. Bei der Styria wird auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld sowohl in Print als auch in Online investiert. FH-Rektor Vyslozil sieht das Problem der Medien ganz woanders: „Die Kosten für den Markteintritt sind mit dem Internet verschwunden, das gedruckte Produkt hat seine Monopolstellung verloren“. Verschwinden werden die klassischen Medien aber keinesfalls, ihre Gatekeeperfunktion werden sie laut Vyslozil allerdings an die Mediaagenturen abgeben müssen. Voraussetzung für das Durchhalten sei aber ein kompetentes Management, wodurch der Kreis zu Lang, Geschäftsführerin vom Manstein Verlag, geschlossen ist: „Qualität wird sich durchsetzen und deswegen vergeben wir vom HORIZONT auch ein Stipendium ür das berufsbegleitende MBA-Programm Media Management der FH St. Pölten mit Schwerpunkt auf „MedienTranformationsManagement“.
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