Ohne Profil geht’s nicht
 

Ohne Profil geht’s nicht

Editorial von Birgit Schaller, stv. Chefredakteurin HORIZONT (HORIZONT 44/2013)

Der Umbruch in der Medienlandschaft hat mittlerweile viele Etiketten – Krise, Chance, Wandel, aber auch Aufbruchsstimmung. Die Szene lebt, das wird allein in dieser Ausgabe an zwei konkreten Marktteilnehmern deutlich. Die Verlagsgruppe News (Seite 5), der in den vergangenen Jahren eine düstere Zukunft prophezeit wurde, richtet sich neu aus, gibt Gas und packt die Zukunft an. Flucht nach vorne, könnte man meinen. Doch selbst wenn es so wäre: gottlob. Der deutsche Mediaexperte ­Thomas Koch wurde als Berater geholt, und er nennt die Dinge beim Namen. „Massenblätter, manche Dickschiffe ohne Profil, haben sich möglicherweise überlebt“, sagt er, aber „Printmedien mit Qualität und klarem Zielgruppenprofil“ gehört die Zukunft. Die Folgen der Transformation bedeuten für die Verlagsgruppe News Folgendes: News, Woman, Gusto, tv-media – alle erhalten klar ausgerichtete Line Extensions, deren Inhalte sich an den Interessen und Leidenschaften der Zielgruppe orientieren. Nur durch Relevanz für die Zielgruppe entsteht Markenbindung – und die ist in einer sich fragmentierenden Medienwelt umso bedeutender. Das hat nun auch die Verlagsgruppe News verinnerlicht und verleiht ihrer breiten Produktpalette mehr Tiefe. Das bedeutet auch Investition und Innovation. In journalistische Qualität, in Marketing und in die Vermarktung selbst. Gerade bei Magazinen wird es künftig noch mehr ­darauf ankommen, dass man ihnen ansieht, dass man spürt, dass sie mit Liebe zum Detail, mit Liebe zum Publikum und mit Liebe zum Medium gemacht sind.

Vergleichsweise leicht tut sich hier offensichtlich das noch junge Red Bull Media House (Seiten 12  bis 13), wohl auch, weil die Printpalette noch überschaubar ist und ein gewisser Spirit Flügel ­verleiht und weil der hohe Druck auf die Rendite (noch?) nicht so groß ist wie bei etablierten ­Verlagen, die die goldenen Jahre erlebt haben. Dort hat man von Anbeginn verstanden, dass eine klare Ausrichtung an einer Zielgruppe, ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten im Mittelpunkt stehen muss. Guter Content, ein eigener auf die Zielgruppe zugeschnittener Lifestyle, das funktioniert.

Relevante Medien müssen das Ziel sein, nicht gewinnträchtige Werbeumfelder. Im Gespräch bleiben, heißt die Devise. Und das verbindet, schafft ­Loyalität und Vertrauen. Gleiches gilt für das in der Region verankerte ­Servus in Stadt &
Land: „Wir leben den Servus-­Lifestyle, wir bauen eine Servus-­Familie“, sagt General Manager Wolfgang Winter. Spätestens seit servusmarktplatz.at weiß man, dass das ernst gemeint ist. Das ist es, was der ­Leser spüren muss:
dass man es ernst meint mit ihm. Nur wenn das gelingt, können Printmedien ihre hohe Qualität im Werbekontakt aufrecht­erhalten. Und genau dann werden und bleiben sie unver­zichtbare Partner der Werbekunden. Krise hin, Krise her.
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