ÖVP-Wunsch nach Zweier-Vorstand für ORF stößt...
 

ÖVP-Wunsch nach Zweier-Vorstand für ORF stößt auf Kritik

Mediensprecher Karlheinz Kopf: „Vier-Augen-Führung wäre richtig", außerdem fordert er Social Media-Regeln für ORF-Journalisten. ORF-Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann, SPÖ-Klubobmann und -Mediensprecher Josef Cap und Journalist Armin Wolf kritisieren die Vorschläge

ÖVP-Klubobmann und -Mediensprecher Karlheinz Kopf will nach der Wahl im Zusammenhang mit einer möglichen ORF-Reform auch über die Führungsstruktur des öffentlich-rechtlichen Senders reden. Die Alleingeschäftsführung mit einem Generaldirektor an der Spitze hält Kopf für „nicht mehr zeitgemäß“, wie er im Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“ erklärte. Die ÖVP wünscht sich stattdessen einen Zweier-Vorstand. „Zumindest eine Vier-Augen-Führung wäre richtig. Das gehört natürlich mit ins Paket.“

Kaufmännischer Leiter und Programmverantwortlicher

Der ORF wird derzeit von Generaldirektor Alexander Wrabetz geführt, der als SPÖ-nah gilt. Kopf stellt sich für die Zukunft eine „Aufteilung nach funktionalen Kriterien in einen Kaufmännischen Leiter und einen Programmverantwortlichen“ vor. Als Kandidat für einen ORF-Zweier-Vorstand wird auf dem Küniglberg neben Wrabetz Finanzdirektor Richard Grasl gehandelt, der 2009 auf Wunsch der ÖVP ins ORF-Direktorium gewählt wurde. Dass ein solcher Zweier-Vorstand nach großkoalitionärem Proporz klingt, dementierte der ÖVP-Mediensprecher gegenüber dem „Standard“.

Social Media-Regeln

Neben einer Änderung der Führungsstruktur des ORF will der ÖVP-Klubobmann auch Regeln für ORF-Journalisten in sozialen Medien wie Twitter oder Facebook. „Wir brauchen Regeln für ORF-Redakteure, die sich online völlig abseits von Objektivität bewegen. Was sie im ORF nicht dürften, leben sie dort in einer unglaublichen Extensität aus“, so Kopf im „Standard“.

Bornemann zeigt sich verwundert

Verwundert auf die Aussagen Kopfs reagierte ORF-Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann. „Das mögliche Einsetzen eines zweiten Geschäftsführers riecht stark nach Proporz“, sagte Bornemann der APA. „Und dass wir unser ‚Heil‘ in einer Gremienreform suchen, hat einen einfachen Grund: Solange es politisch bestellte Gremien gibt, solange gibt es politisch gewünschte Besetzungen. Die Jungfräulichkeit der ÖVP beim Einsetzen von Günstlingen glaube ich auch nicht. Da hat sie in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass ihr die eigenen Interessen wichtiger sind als der ORF.“

„Nicht akzeptabel“, so Kopf

„Nicht akzeptabel“ nennt SPÖ-Klubobmann und -Mediensprecher Josef Cap den Vorschlag von ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf, wonach künftig im ORF ein Zweier-Vorstand richtig wäre und es darüber hinaus gesetzliche Beschränkungen für ORF-Redakteure auf Facebook und Twitter brauche. „Ich interpretiere beide Vorschläge als den Versuch, Druck auf den ORF auszuüben - sowohl auf die Geschäftsführung als auch auf die Journalisten“, sagte Cap am Sonntag im Gespräch mit der APA.

Armin Wolf: „Verfassungswidrig“

Auch ORF-Journalist Armin Wolf zeigt sich über den Vorschlag Kopfs wenig begeistert und bezeichnet diesen als verfassungswidrig. „Auf die Idee, die dem ORF gesetzlich vorgeschriebene ‚Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung‘ auch auf private Facebook-und Twitter-Accounts von Journalisten auszudehnen, muss man erst mal kommen“, erklärte Wolf am Samstag auf seinem Facebook-Account.„Man würde meinen, dass der Klubchef einer Regierungspartei weiß, dass das, was er da vorschlägt, geradezu absurd verfassungswidrig wäre.“ Dabei bleibe Kopf mit seinem Vorschlag erstaunlich inkonsequent, ergänzte der „ZiB 2“-Anchorman, der in Österreich der Journalist mit den meisten Twitter-Followern ist, etwas ironisch. „Völlig ungeregelt bliebe ja dann immer noch, was wir ORFler so in der Kantine bereden, im Freundeskreis oder mit unseren Partnern. Und dringend gesetzlich vorschreiben müsste man natürlich auch, dass ORF-MitarbeiterInnen bei Wahlen ihre Stimme ausgewogen und unparteiisch zu vergeben haben, also entweder weiß wählen oder bei jeder Wahl nachweislich eine andere Partei. Manchmal ist es wirklich schwierig, keine Satire zu schreiben ...“

(APA)
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