ÖVP-Blog-Leiter Claus Reitan: 'Tenor: Endlich...
 
ÖVP-Blog-Leiter Claus Reitan

'Tenor: Endlich machen die Türkisen etwas'

Jakob Glaser/ÖVP Bundespartei
Claus Reitan, früher Chefredakteur bei ,TT‘, ,News‘ und ,Furche‘, leitet den ÖVP-Polit-Blog.
Claus Reitan, früher Chefredakteur bei ,TT‘, ,News‘ und ,Furche‘, leitet den ÖVP-Polit-Blog.

Claus Reitan, 66, leitet seit Kurzem mit Zur Sache den neuen Polit-Blog des ÖVP-Parlamentsklubs. Wie er mit politischer Kritik umgeht und warum sein journalistisches Selbstverständnis von der neuen Aufgabe nicht berührt ist, erklärt er im HORIZONT-Interview.

HORIZONT: Zur Sache ist seit Kurzem online. Zufrieden mit Resonanz und Performance?
Claus Reitan:
Es ist zu früh, hier eine Einschätzung zu treffen. Aber der Start gilt als gelungen. Wir sind seit Beginn aktuell, relevant und vor allem richtig, wenn ich ans Thema der schrittweisen Öffnung der Gastronomie denke. Der große Rest ist jetzt konkretes und praktisches Arbeiten.


Experten sehen ein ,sich selbst bejubelndes Verlautbarungsorgan‘. Schmerzt die Kritik?
Kritik hat Sachkenntnis zur Voraussetzung und Erkenntnisgewinn zum Ziel. Ich halte das im Grunde genommen für ein Geschmacksurteil. Uns geht es darum, sachliche Informationen zu geben und eine Basis für Wertung und Kommentar zu schaffen.

Sie stehen plötzlich im Kreuzfeuer politischer Kritik. Ungewohnt?
Das sehe ich nicht so. Im Gegenteil, ich erlebe eine große Zustimmung aus dem sozialen und beruflichen Umfeld, dass es hier endlich ein weiteres journalistisches, diesfalls bürgerliches Forum gibt. Tenor ist eher: Endlich machen die Türkisen etwas.

Sie sind hochangesehener Journalist. Warum lassen Sie sich von einer Partei quasi vereinnahmen?
Der Grund, warum ich das mache, liegt auch darin, dass sich Rahmenbedingungen politischer Kommunikation tiefgehend geändert haben. Wir haben mehr Medienkanäle – und es gibt den berechtigten Wunsch der Öffentlichkeit, Informationen aus erster Hand zu erhalten, auch und gerade aus der bürgerlichen Mitte und für diese.

Verlangt Ihr Selbstverständnis nicht kritische Distanz?
Als Journalist gehe ich unabhängig von Interessen Dritter, unvoreingenommen und mit kritischer Distanz an Themen heran. Als Leiter eines Mediums für einen Parlamentsklub ist man nicht automatisch kritiklos. Wir bieten Sachinformation und Einordnung. Aber eines ist schon klar: Bei Weltanschauung und Menschenbild muss es eine Kongruenz geben. Diese besteht natürlich.

Geht’s am Ende nicht einfach um Agendasetting für die ÖVP?
Aus Gatekeeping wurde in manchen Medien längst Gatewatching, aus Agendasetting Agendagetting. Wir tragen dazu bei, das Angebot an Information und Meinung zu vervollständigen.

Keine Message Control also?
Diese Diskussion halte ich für erledigt. Jede Institution muss ordentlich kommunizieren und aus erster Hand und authentisch der Öffentlichkeit ein Informationsangebot machen. Das gilt auch für Parteien.

Eine Renaissance der Parteimedien?
Nicht, wenn sie im Freund-Feind-Schema denken. Was es gibt: Das verstärkte Interesse an pointiert argumentierten Standpunkten, nach Haltung und Meinung mit Maß und Mitte. Dafür stehen dann wir.

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