Österreichs Regionalmedien im Überblick
 

Österreichs Regionalmedien im Überblick

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Young businessman reading newspaper and talking on the phone
Young businessman reading newspaper and talking on the phone

Die Nachrichtenfaktoren Nähe und Regionalität sind im Zeitalter von Digitalisierung und Globalisierung als Gegenpol gefragt. Ein Überblick nach Bundesländern.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr . 46 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken! Was vor der eigenen Haustür und um die Ecke passiert, interessiert die Leser. Gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung scheint es hierzulande ein gesteigertes Bedürfnis an Nachrichten mit regionalem Bezug zu geben. Eine Bestandsaufnahme der regionalen Platzhirschen, auf welche Erfolgsrezepte diese setzen und was sie für die Zukunft planen. Vorarlberg: Ein Medienhaus hat die Marktmacht 95 Prozent der Menschen erreicht das Vorarlberger Medienhaus Russmedia über alle seine Medien in Vorarlberg. Dort beherrscht das Medienhaus von Eugen Russ mit zahlreichen Produkten von zwei Tageszeitungen über Gratisblätter, einen Radiosender bis hin zu einem starken Onlineportal den Markt. Das Erfolgsgeheimnis des Flaggschiffs Vorarlberger Nachrichten ist die starke Lokalisierung. Anliegen von Lesern aus der kleinsten Ortschaft finden in der Zeitung Platz. Mit Wann & Wo, ebenfalls unter dem Russmedia-Dach, hat man die junge Zielgruppe ins Visier genommen. Das Erfolgsrezept des Titels sei ein „konsequenter Fokus auf die Leser-Blatt-Bindung mit redaktionellen Highlights, Beilagen und Aktionen“, sagt Herausgeber und Chefredakteur Mario Oberhauser. Die Einbindung der jungen Community durch zielgruppengerechten Content ist Oberhauser zufolge eine Stärke von Wann & Wo. Diese soll künftig weiter ausgebaut werden, insbesondere auch im digitalen Bereich.  Mit der Russmedia Digital hat seit wenigen Monaten Ländle TV einen neuen Mehrheitseigentümer. Das Unternehmen stockte ihre bestehende Beteiligung am Sender von 25,1 Prozent auf 50,1 Prozent auf. Die verbleibenden 49,9 Prozent der Anteile an Ländle TV hält Gründer ­Günter Oberscheider, der auch künftig die Geschäfte führen wird. Um sich gegen die großen überregionalen TV-Sender zu behaupten, wird das Augenmerk vermehrt auf regionale Magazine gelegt, die der ORF und andere so nicht abdecken. Apropos ORF: Im TV verzeichnet ORF Vorarlberg mit seiner täglichen Sendung „Vorarlberg heute“ hohe Quoten: Mit einem Marktanteil von 66 Prozent im Gesamtjahresschnitt 2016 sei diese nicht nur die erfolgreichste „Bundesland heute“-Produktion, sondern die erfolgreichste tägliche Sendung des gesamten ORF. Stärkster Radiosender in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist nach Ö3 das Privatradio Antenne Vorarlberg – der Sender ist ebenfalls Teil des Russmedia-Portfolios. Vielfalt, Infos und Aktionen sehen Geschäftsführer Mario Mally und Programmchef Dirk Klee als den Schlüssel zum Markterfolg. Ein Coup gelang dem Sender im Frühjahr 2017: Seit Februar gibt es, in Kooperation und produktionstechnisch mit Partner Ländle TV realisiert, „Visual Radio“. Das Projekt ermöglicht die Übertragung der Morning-Show von Antenne Vorarlberg in HD-Qualität auf einen Split-Screen. „So nah waren die Hörer den Moderatoren von Antenne Vorarlberg noch nie“, sagt Klee. Oberösterreich: Vernetzte Redakteure als Erfolgsformel Im Bereich der Kaufmedien ist Oberösterreich in der Hand der Kronen Zeitung (diese erreicht 31,1 Prozent der Oberösterreicher, das entspricht 385.000 Lesern) und der Oberösterreichischen Nachrichten, mit sechs Regionalausgaben ebenfalls traditionell stark in den Regionen verankert. „Unser ‚Treibstoff‘ ist die regionale Nachricht, unsere Prinzipien Glaubwürdigkeit, Regionalität und Relevanz, die in Zeiten von Fake News von noch größerer Bedeutung sind“, sagt Chefredakteur Gerald Mandlbauer. Pläne für die Zukunft auf dem laut Mandlbauer „aufgrund der vielen Mitbewerber extrem kompetitiven“ Medienmarkt Oberösterreich gibt es viele. „Wir werden unsere journalistische Deutungshoheit ausbauen, die lokalen Fenster stärken und digital experimentierfreudig bleiben“, sagt Mandlbauer. Kommen werden etwa eine barrierefreie Zeitung für sehbehinderte Leser, eine verbesserte Verkehrs- und Stau-App für die Pendler und neue Produkte für den Zentralraum. Im Bereich der Gratismedien sind Bezirksrundschau (RMA, mit 17 Regionalausgaben erreicht man knapp zwei Drittel der Bevölkerung) und Tips führend. „Schlägt man unsere Zeitung auf oder informiert sich online, findet man viele exklusive Nachrichten aus der Region. Unsere Leser erfahren sofort, welche Neuigkeiten es in ihrem direkten Umfeld gibt“, erklärt Tips-Geschäftsführer und Chefredakteur Josef Gruber das Erfolgsrezept. Die wichtigen Weltnachrichten bekomme ohnehin „jeder laufend mittels diverser Medienkanäle geliefert, aber Informationen über den eigenen Heimatort lassen sich meist nur schwierig finden“. Zudem seien die Redakteure besonders gut in der Region vernetzt und könnten so Informationen aus erster Hand bieten. Das Konzept „total regional“ werde man auch in den kommenden Jahren als Richtlinie behalten. „Aus dem Bezirk – für den Bezirk“ ist das Motto der Bezirksrundschau, die seit fast zehn Jahren unter dem Dach der Tiroler Moser Holding den oberösterreichischen Markt bedient. Auch hier betont man den Vorzug, Mitarbeiter vor Ort in den Regionen zu haben. Gut in der Region verankert sieht sich auch der Regionalsender LT1, der die Chancen des Senders im Regionalen ortet, um sich gegen den Marktführer ORF zu behaupten. „Es gilt das zu zeigen, was die großen Sender nicht zeigen – Wissenswertes, Unterhaltsames und Nachrichten aus der Region“, sagt Geschäftsführer Dietmar Maier. Regionalfernsehen müsse informieren und die Geschichten aus der Region erzählen, meint Maier. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist Life Radio das stärkste regionale Schwergewicht nach den überregionalen Playern Ö3 und Kronehit. Niederösterreich: Neuer Weg für Nummer eins Nummer eins bei den Gratismedien sind die Bezirksblätter NÖ, bei den Kaufzeitungen sind es die Niederösterreichischen Nachrichten. Nach dem Abgang von Martin Gebhart soll der neue Chefredakteur Karl Ettinger das Blatt in die Zukunft führen. Zukünftig wolle man unter anderem den Aboclub in den Fokus stellen, kündigt Geschäftsführer Friedrich Dungl an. Das Landesstudio Niederösterreich hat im Hinblick auf regionales TV und Radio Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von rund 40 Prozent ist „Niederösterreich heute“ deutlich vom Österreich-Durchschnitt von um die 50 Prozent Marktanteil entfernt – die „Wien heute“-Konkurrenz lässt grüßen. Auch beim Radio ist der „Ausstrahleffekt“ durch Radio Wien und Radio Burgenland bemerkbar. Im Bereich der regionalen Privatsender sind in Niederösterreich sowohl N1, als auch P3tv angesiedelt. Von der Konkurrenz abheben will sich P3tv durch Diskussionsformate, in Kooperation mit den Bezirksblättern bringt der Sender jeden letzten Freitag im Monat Themen zu denen sich Oswald Hicker, Chefredakteur der Bezirksblätter, Gäste einlädt. Klicken Sie auf den "Weiterlesen"-Button, um mehr über die anderen Bundesländer zu lesen.

Salzburg: Onlinerelaunch bei Bundeslandzeitung

An der Spitze am Gratisprintmarkt stehen in Salzburg die Bezirksblätter Salzburg, am Kauftageszeitungs-Markt die Kronen Zeitung noch vor den Salzburger Nachrichten. Letztere sehen mit ihrem umfangreichen Lokalteil im Halbberliner Format ein Asset in ihren Händen halten, das sich vom Regionalitätsgedanken alleine emanzipiert hat und auf inhaltliche Bürgernähe setzt. Seit Anfang Oktober ist bei den Salzburger Nachrichten nach einem Digitalrelaunch vieles neu. Hauptgrund für den Relaunch war das wichtigste Thema der Branche: die Monetarisierung von digitalen Inhalten. So finden sich laut Geschäftsführer Maximilian Dasch neben dem gewohnten digitalen Angebot „sämtliche exklusiven Geschichten aus dem Hause SN unter dem Etikett ‚SN plus‘ im Newsfeed wieder“. Neben den Salzburger Nachrichten erscheinen im Salzburger Verlagshaus zudem noch die Salzburger Woche, das Salzburger Fenster, Hallo Nachbar! und mitten:drin. „Gute, regionale Berichterstattung ist offenbar von der digitalen Transformation kaum betroffen“, resümiert Geschäftsführer Erich Scharf von der Salzburger Woche. Die Qualität der Berichterstattung führt er auf die lokale Verankerung der Redakteure in den Regionen zurück: „Nur wer sich vor Ort engagiert, wird auch kompetent über die Region berichten können.“ Bei den Bezirksblättern Salzburg, ein Titel aus dem RMA-Verbund, sei der Schlüssel zum Erfolg laut Geschäftsführer Michael Kretz „die konsequente regionale Berichterstattung“. Von Marktbegleitern unterscheide man sich dadurch, dass „wir unseren Fokus nicht zwischen national und regional verloren haben. Heißt, wir sind keine Österreich-Zeitung mit Salzburg-Teil. Im Gegenteil, wir sind Bezirkszeitung mit Salzburg-Teil“. Im TV-Bereich gibt es neben dem Platzhirsch ORF den Regionalsender RTS. Der Sender zeichne sich dadurch aus, dass er ausschließlich auf positive Berichterstattung setzt, so Geschäftsführer Josef Aichinger. Auf die Frage, ob da nicht, gerade in der heutigen Zeit, entscheidende Punkte fehlten, antwortet ­Aichinger: „Genau das fehlt meines Erachtens nicht – wir wollen uns ja von den anderen Sendern abheben. 1.000 andere Sender üben sich in tagesaktueller Berichterstattung. Wir decken eine regionale Nische ab. Gerade das ist unser USP – bei RTS wird man nicht mit Ängsten und Nöten konfrontiert.“

Wien: Vielfältige regionale TV-Angebote

Zu den großen Playern am Wiener Medienmarkt zählen  die Tageszeitungen Heute, Kronen Zeitung und Österreich, wie auch Kurier, Der Standard, und Die Presse (siehe auch: Dossier Wien in HORIZONT 44) und der ORF mit seinem Radio- und TV-Angebot. Auf regionaler Ebene gibt es außerdem das Wiener Bezirksblatt in 22 verschiedenen Mutationen aus dem Echo Medienhaus. Um die Herausforderungen, mit denen Verlage aktuell konfrontiert sind, zu meistern, müsse man sich daran orientieren, was der Markt will, „und der Markt will im Moment eindeutig Glaubwürdigkeit, Regionalität und Zielgruppenansprache“, sagt Pöttler. Und ein Medium, „das sich dem Umfeld, in dem wir leben, annähert, hat eine gewisse Attraktivität“. Reüssieren im hart umkämpften Wiener Markt kann auch die bz-Wiener Bezirkszeitung. Das Erfolgsrezep laut Geschäftsführer Maximilian Schulyok: „Der Fokus, immer den Bezug zur Leserschaft zu wahren sowie die Vor-Ort-Präsenz der Mitarbeiter.“

Mit W24, Okto und dem dank neuem Eigentümer durchstartenden Schau TV gibt es in der Wiener TV-Liste auch einige regionale TV-Angebote. Bei W24 setzte man zuletzt stark auf neue Programmformate. Im Oktober starteten hier etwa das Unterhaltungsformat „Soso’s Comedy Club“ mit dem österreichischen Stand-up Comedian Simplice Mugiraneza, sowie die zweite Staffel der Kulinarikreihe „Hat’s g’schmeckt!“, in der Hobbygourmets bei Gastrokritiker Florian Holzer ihre Lieblingslokale vorstellen. Als „sympathischer Nischensender“ sieht sich Okto. Wo der Schwerpunkt des im Sommer vom Kurier übernommenen Senders Schau TV liegt, verrät Geschäftsführer Thomas ­Kralinger: „Wir haben nicht nur News im Fokus, sondern regionale Informationen, die es üblicherweise nicht in Nachrichtensendungen schaffen und wollen vor allem eine jüngere, regional verankerte Zuseherschaft für unsere Inhalte interessieren.“ Neue Sendeformate zu Schwerpunkten wie etwa Ernährung und Gesundheit, Hausbauen und Garten sowie Berichte über regionale kulturelle Ereignisse – auch aus benachbarten Bundesländern – werden das Programm ergänzen. Meistgehörter Wiener Privatradiosender und damit führend unter den privaten regionalen Marktteilnehmern ist übrigens Radio Arabella.

Steiermark: Styria hat das Zepter in der Hand 

Printmarktführer am Gratismarkt ist in der Steiermark die meine Woche Steiermark, unter den Kauftageszeitungen die Kleine Zeitung – mit zehn Regionalausgaben im Bundesland. Während die Kronen Zeitung in der Steiermark etwa ein Drittel Reichweite aufweist, erreicht die Kleine Zeitung knapp die Hälfte der Bevölkerung: „Wir werden unseren USP in der regionalen Berichterstattung weiter forcieren“ kündigt Geschäftsführer Thomas Spann an. Mit dem Websiterelaunch, der Einführung des digitalen Abomodells Kleine Zeitung Plus sowie dem Relaunch der Printausgabe hat sich beim Styria-Titel im vergangenen Jahr einiges getan. Das „+“ von Kleine Zeitung Plus kennzeichnet neben Hintergrundinformationen, Meinungen und Kommentare vor allem auch regionale Inhalte.

Neben dem unangefochtenen Marktführer ORF Steiermark hat das Bundesland mit Kanal3 auch einen regionalen Fernsehsender, der im oberen Murtal, in Voitsberg, Knittelfeld, Leoben und Graz sendet. Der Sender produziert wöchentlich zwei unterschiedliche Magazine und setzt darauf, die Seher mit lokaler Information zu den Themen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und Kultur zu versorgen. „Information aus und für die Region“ ist das Motto. Die Antenne Steiermark ist in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen der zweistärkste Radiosender nach Ö3. Damit dreht fast jeder Dritte den Styria-Sender auf. Auch zukünftig wolle man mit „Regionalität, Hörernähe und Verlässlichkeit“ punkten, sagt Geschäftsführer Gottfried Bichler.

Kärnten: Medienstandort mit hoher Mediendichte

Der Medienstandort Kärnten ist geprägt von einer hohen Mediendichte. Doch wirklich große regionale Player gibt es nur vier – die Kärntner Regionalmedien, meine Woche Kärnten, die Kleine Zeitung und die Kronen Zeitung. Die Kärntner Regionalmedien produzieren Gratismagazine und Regionalausgaben, die ein breites Publikum im Bundesland erreichen. Seit 2009 ist man eine hundertprozentige Tochter der Regionalmedien Austria. „Wir positionieren uns inhaltlich ganz klar auf die Region unserer Leser: Positive Berichterstattung aus meiner nächsten Umgebung, viele Bilder und der Servicegedanke sind immer im Fokus“, erzählt Geschäftsführerin Christine Tamegger. Regionale Nachrichten und Informationen seien auch deswegen so wichtig, weil es „den Leser immer mehr interessiert, was in seiner Heimat passiert. Internationale Entwicklungen werden zwar verfolgt, sind jedoch im Kopf der Leser im Hintergrund. Man besinnt sich wieder immer mehr auf das Wesentliche in seiner Umgebung“, so Tamegger.

Regionalität, Qualität und Multimedialität – aus diesen Zutaten besteht das Erfolgsrezept der Kleinen Zeitung in Kärnten. „Unsere USP sind und bleiben die regionalen Nachrichten und Informationen. Sichtbares Zeichen dafür ist, dass wir diese auf unseren digitalen Plattformen im Unterschied zu den internationalen Nachrichten als Plus-Inhalte kennzeichnen, also als Mehrwert, den es nur bei uns gibt“, sagt Michael Sabath, Redaktionsmanager und Mitglied der Kärntner Chefredaktion. Mit acht täglich mutierten Print-Regionalausgaben soll ein starkes Angebot für alle Regionen geschaffen werden.

Die Kronen Zeitung etwa bietet fünf Kärntner Regionalseiten und die Herausgabe von jährlich rund 50 Krone-Regionaljournalen. Das kommt auch am Werbemarkt an, der Umsatz im Bundesland sei gut. „Wir verdanken das primär höheren Investments bestehender Kunden sowie neuen Produktlinien“, erläutert Wolfgang König, Regionalleiter Vermarktung der Kronen Zeitung Kärnten

Der größte Privatfernsehsender in Kärnten ist KT1. Der Sender hat sich zum Ziel gesetzt, jede Woche Neuigkeiten zu Themen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Gesundheit, Sport sowie Politik aus dem südlichsten Bundesland zu liefern. Stärkster Radiosender in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist nach Ö3 Antenne Kärnten – der Radiosender befindet sich wie die Antenne Steiermark unter dem Styria-Dach.

Tirol: Moser Holding mit vielfältigem Portfolio

Führend unter den Gratismedien sind die Bezirksblätter Tirol der Regionalmedien Austria. Zudem sitzt mit der Moser Holding das viertgrößte Medienunternehmen des Landes in Tirol – regionales Flaggschiff ist die Tiroler Tageszeitung. Im HORIZONT-Interview sagte Moser-Holding-Chef Hermann Petz, dass man sich als Leser „erst daran gewöhnen muss, dass ein regionales Produkt auch nationalen und internationlen Anspruchen genügen kann“. Unter anderem der Tiroler Tageszeitung sei dieser Spagat gelungen. „Auch regionale Tageszeitungen brauchen überregionale Berichterstattung. Das Ziel ist, vom Lokalen bis zum Internationalen über alles mitreden zu können. Aber was bei uns vielleicht eine Randspalte ist, kann in einer nationalen Zeitung eine ganze Seite wert sein“, so Petz.Auch den den Bundesländerinnen, dem Magazinring von Moser Holding und Styria Media Group, macht es die Mischung aus regionalen und internationalen Inhalten aus. Konkret bestehen die Bundesländerinnen etwa zu 40 Prozent aus nationalem und zu 60 Prozent aus regionalen Inhalten. Durch Regionalität würde es gelingen, „die verschiedenen Märkte zu erreichen, was überregionalen Produkten nicht gelingt“, sagt Herausgeberin Uschi Pöttler-Fellner. Besonderer Wert werde auf unterschiedlichen Content gelegt: „Es ist wichtig, dass etwa in der Tirolerin etwas anderes drinnen steht, als in der Niederösterreicherin“, so Pöttler-Fellner. Daneben befinden sich zahlreiche weitere Zeitungen, Magazine und Onlineplattformen im Portfolio des Verlagshauses.Auf Regionalität setzt in Tirol nicht nur der Marktführer am Rundfunkmarkt ORF Tirol, sondern auch Tirol TV. Bereits jetzt setzt man auf eine intensive Berichterstattung aus den jeweiligen Tiroler Regionen sowie ein breites Angebot an Spezialsendeformaten. Künftig wird es in „Mein Tirol“, dem täglichen, 30-minütigen Tirol-Magazin mit „Bezirksupdate“, ein neues Feature geben. „Wir kommen mit dem neuen Konzept den Wünschen unserer Seher nach mehr Regionalität nach. Durch eine stärkere Abgrenzung einzelner Nachrichten und Beiträge wird der Lokalanspruch der Seher erfüllt“, sagt Geschäftsführerin Marlies Witsch.

 Burgenland: Veränderungen und Umstrukturierungen

Die Medienlandschaft des Burgenlandes war in den letzten Monaten von einigen Veränderungen und Umstrukturierungen betroffen. Einer der größten regionalen Privatsender Österreichs hat Anfang August den Besitzer gewechselt. Mit der 100-prozentigen Übernahme von Schau TV durch den Kurier wird der Sender für Ostösterreich neu aufgestellt. Eigene Bundeslandtageszeitung hat das Burgenland keine. Platzhirsch im Printbereich bleiben dort die Regionalmedien Austria, Kronen Zeitung und NÖN/BVZ. Nach dem Start der RMA im Jahr 2000 erscheinen die Bezirksblätter mittlerweile mit sechs Lokalausgaben. Die Veränderung beziehungsweise Neuaufstellung der NÖN mit einer neuen Geschäftsführung hat sich nicht unmittelbar auf die BVZ ausgewirkt, zumal die BVZ als 100-Prozent-Tochter des NÖ Pressehauses eigenständig am Markt agiert und im Burgenland die klassischen Ziele einer wöchentlichen ­Regionalzeitung verfolgt.
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