"Österreich goes Boulevard"
 

"Österreich goes Boulevard"

Printjournalisten diskutierten auf Einladung der Wiener Initiative „Qualität im Journalismus“ zum Thema:"Boulevard. Quotenjagd. Verluderung".

Auf Einladung der Wiener Initiative „Qualität im Journalismus“, IQ, diskutierten Printjournalisten unter dem Titel "Boulevard. Quotenjagd. Verluderung". Die Diskussionsrunde, die unter anderem aus Engelbert Washietl vom IQ, die „Standard“-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und IQ-Vorsitzendem Andreas Koller bestand, war sich einig, dass Österreich sich immer mehr der Boulevardisierung hingibt. Laut den Diskussionsteilnehmern befriedige die zunehmende Boulevardisierung ein Grundbedürfnis der Leser und Seher. "Schon im Mittelalter hat man Hinrichtungen zugeschaut. Die Menschen haben sich nicht geändert", konstatierte Koller. Zur Sprache kamen sowohl die Notwendigkeit eines Presserats als auch eine höhere Qualität der Journalistenausbildung. Eindringlich gewarnt wurde vor Gratismedien, in denen junge Menschen für wenig Geld produzieren und etwas herauskomme, das mit Journalismus nicht mehr viel zu tun hat.

Diskutiert wurde unter anderem der Fall des vergifteten Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger, in dessen Fall sowohl die Polizei, die das Foto des Opfers freigab, als auch die Medien, die darüber berichteten, gegen den Opferschutz verstoßen haben. Die Veröffentlichung durch die Medien sei „medienrechtlich zwar zulässig“, sagte Medienrechtler Gottfried Korn, „ethisch aber fraglich“. Eine eindeutige Grenzüberschreitung orteten die Printchefs bei der Abbildung eines Kindes nach einem Verkehrsunfall, bei dem dessen Eltern ums Leben gekommen waren. Uneinig war man sich jedoch beim Persönlichkeitsschutz von Prominenten.

Mehr zu der Diskussionsrunde finden Sie in der HORIZONT Ausgabe Nummer 16, die am 18. April 2008 erscheint.

(so)

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