Ökosystem statt Medien?
 

Ökosystem statt Medien?

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Jenseits des HORIZONT.

Vielleicht hat der News-Herausgeber und Mehrheitseigentümer zu lange in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft gearbeitet. Dort sind Ökosysteme geläufig. Erinnerlich ist noch, dass viele Unternehmen gescheitert sind, wenn sie Multidiversitäten statt des Kerngeschäftes angestrebt haben: Yahoo, das nunmehr filetiert wird, oder Hewlett-Packard, das bis heute nicht weiß, ob es Druckerhersteller, PC-Fabrikant oder Cloud-Dienstleister sein soll.

Und durch Zukäufe – ähnlich wie bei Yahoo zum Schluss – Marktdominanzen dort aufbauen möchte, wo „old economy“ herrscht. Medien als Ökosysteme zu bezeichnen, wagte nicht einmal Springer-Chef Mathias Döpfner, gelernter Journalist und nicht gelernter Kaufmann. Zudem ist er ausgebildeter Musiker.

Die Zeit als Ökosystem zu bezeichnen, statt ihre klugen Strategien als inhaltliche Vorbilder zu nehmen, ist von Hybris getragen. Selbst Springer setzt auf die Marke Bild, Holtzbrinck edelt die Zeit, WirtschaftsWoche und Handelsblatt. Man investiert zunächst in Qualität und dann in Extensions und additive Refinanzierungsmöglichkeiten. Ein Chronometer von der Zeit in limitierter Auflage oder selbst einen Reprint von Rothko ist allemal etwas anderes als ein Wein-Paket von News oder ein Buchpaket von profil.

Der News-Verlag hat das Problem, dass man zu wenig ins eigene Profil und journalistische Ressourcen investiert hat. Ökosysteme meinetwegen: für Gusto, vielleicht sogar für die Woman, wenn sie sich H&M und/oder Zalando an den Hals wirft, aber schon nicht mehr für die anderen Produkte.

Die VGN entlässt bis zu 100 Mitarbeiter, schafft „Ecosysteme“ und redet wenig von der künftigen Qualität der Medien und deren inhaltlichen Konzepten. Man hört wenig über konsistente Onlinepläne, abseits der Ankündigungen und der liebenswürdigen, aber nahezu schon anachronistischen Portalversuche des profil und des Frühnewsletters.

Sind die neuen Medien ausgeblendet, obwohl sie perfekte Ökosysteme sein könnten, wie es Wolfgang Fellner seit einiger Zeit demonstriert? Die geplanten Gesellschaften im News-Verlag als Ökosystem zu gestionieren stimmt zumindest nicht optimistisch.
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