ÖJC gründet Medienrat
 

ÖJC gründet Medienrat

VÖZ und Journalistengewerkschaft sehen keine Chance auf Akzeptanz.

Der Österreichische Journalisten Club, ÖJC, kommt Zeitungsverlegern und Journalistengewerkschaft zuvor und gründet ein eigenes Selbstkontrollorgan - den Medienrat. Vorsitzender des Medienrats wird der bekannte Verfassungsrechtler Heinz Mayer, außerdem ist neben ÖJC-Präsident Fred Thurnheim auch Silvia Ettl-Huber, Leiterin des Internationalen Journalismus Zentrums an der Donau-Universität Krems, an Bord. Gerald Grünberger, Generalsekretär des Verbands Österreichischer Zeitungen, VÖZ, und Gewerkschaftsvorsitzender Franz C. Bauer halten es allerdings für "sehr zweifelhaft", dass diese Initiative eine Chance auf Akzeptanz hat.

Der geplante Presserat, der hauptsächlich von VÖZ und Journalistengewerkschaft getragen werden soll, lässt derzeit noch auf sich warten. Der Knackpunkt zwischen den Verhandlungspartnern liegt in der Frage, ob ein Verfahren vor dem Presserat den Gerichtsweg ausschließen soll, wie es der VÖZ fordert, oder nicht. Die Gewerkschaft lässt dieses Thema derzeit rechtlich prüfen. "Wir wollen einen Presserat, der für die Zukunft tragfähig ist. Initiativen für sauberen Journalismus hat es schon viele gegeben und keine hat sich durchgesetzt", so Bauer.

Ähnlich werde es auch dem Medienrat des ÖJC ergehen, glaubt der Gewerkschaftsvorsitzende. Auch Grünberger bezweifelt, dass das Organ die breite Akzeptanz der Branche erlangen wird: "Das wird mit dieser Konstruktion ebenso wenig gelingen, wie bei Vorgängermodellen." Auch wenn Verfassungsrechtler Mayer "sicherlich für eine gewisse Seriosität bürgt", wird der Initiative "kein Erfolg beschert sein", so der VÖZ-Generalsekretär. Bauer hält es außerdem für "verdächtig", wenn sich eine Plattform, die selbst keine Berührungsängste zwischen Journalismus, Werbung und Wirtschaft kennt, zum moralischen Richter über die heimische Presse aufschwingt.

Der ÖJC lädt dennoch am nächsten Mittwoch zur Pressekonferenz, um den neuen Medienrat zu präsentieren. Es soll sich dabei laut Einladung um ein "unabhängiges Organ der nichtstaatlichen, freiwilligen Selbstkontrolle des österreichischen Journalismus" handeln. Der Medienrat soll behauptete oder vermutete Missstände im Bereich journalistischer Tätigkeit untersuchen - als Maßstäbe dienen journalistische Sorgfaltspflicht und Berufsethik. "Jedermann kann den Medienrat anrufen. Der Österreichische Medienrat ist ein unabhängiger Teil des ÖJC und hat seinen Sitz im ÖJC in Wien."







(Quelle: APA)
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