"Öffentlich-Rechtliche Medien müssen Identitä...
 

"Öffentlich-Rechtliche Medien müssen Identität schaffen"

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Mittwoch Abend hat das Public Value Kompetenzzentrum in Verkörperung von Klaus Unterberger zur Diskussion „Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien in Europa“ im Radiokulturhaus begrüßt.

Am Podium saßen Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, Roger de Weck, Generaldirektor der SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft) und die Generaldirektorin des schwedischen Rundfunks, Cilla Benkö. Anlass zur Diskussion war unter anderem das Erscheinen des neuen ORF-"Public-Value-Berichts", der die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrages dokumentiert.

Medien für alle

"We should be the voice of the public, not money makers", deklarierte Benkö gleich zu Beginn und führte fort: "Wir müssen die komplette Gesellschaft auch in den Redaktionen repräsentieren, wir brauchen unterschiedliche Leute bei uns, um einen ganzheitlichen Blick zu gewährleisten." Demnach sei ein wichtiges Ziel, Migranten zu erreichen und auch zu rekrutieren. "Die Menschen sollen und wollen nicht als Verbraucher abgefüttert werden. Europa ist voll von Boulevard-Fernsehen mit kommerziellem Hintergrund, daher ist es unsere Aufgabe, die Leute ernst zu nehmen und wir sind diejenigen, die relevante Themen aufgreifen müssen und dann journalistisch aufbereiten, damit sie jeder versteht", so de Weck, ehemals Chefredakteur der "Zeit". Was die Information betrifft, so zeigte Wrabetz sich zufrieden. "Die wichtigste Informationsquelle der Österreicher sind unsere Nachrichten. So muss das auch sein."

Es ist aus Sicht von de Weck überhaupt nicht möglich, mit privaten Geldern ordentliches Fernsehen und Radio zu gestalten, weil die Kosten zu enorm wären. Kommerzielles Fernsehen bräuchte eben keinen Fokus auf Information zu legen, dies wäre auch zu aufwendig, zu teuer. "Möchte man seine Gesellschaft, sein Land audiovisuell abbilden, so braucht es nun mal öffentliche Finanzierung", führte de Weck fort. "Was wir, die Öffentlich-Rechtlichen zu tun haben, ist das breiteste Publikum zu erreichen. Wir müssen öffentlichen Raum schaffen", so de Weck. Für ihn ist auch klar, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht das Problem am Markt sind. "Den Privaten würde es nicht besser gehen, wenn wir weniger Geld hätten. Man braucht nur in die USA zu schauen." Er ergänzte: "Öffentlich-Rechtliche Medien müssen Identität schaffen." Was passieren kann, wenn das nicht funktioniert, zeige ein Blick in die USA. "ABC, BBC und CBS - alle drei hatten kein genügendes Auslandskorrespondentennetz mehr. Somit konnten die Bürger nicht ausreichend informiert werden. Das ist eine Beschädigung der Demokratie und deshalb konnte Bush leicht in den Irak-Krieg ziehen", so de Weck weiter.

Seriöses muss nicht ernst sein

Wrabetz zeigt sich stolz über selbst produzierte Inhalte. "Die 'Staatskünstler' waren ein höchst gesellschaftliches Format. Das war Unterhaltung mit Haltung. Oder 'Braunschlag': Diese Serie hat sich mit österreichischen Identitäten auseinandergesetzt. Ein anderes Beispiel, sind der vor zwei Wochen ausgestrahlte Film 'Die Auslöschung', wo das Thema Demenz im Mittelpunkt stand, hatte 800.000 Zuseher."

Eine aktuelle Umfrage zeige, dass über 70 Prozent der Österreicher die ORF-Berichterstattung als unabhängig empfinden. "Auch wenn man sagen muss, dass die österreichischen Politiker nicht ganz so distanzfroh sind wie die schwedischen", so Wrabetz und ergänzte: "Bei uns kann man sich keine Nachrichten kaufen. Dass sich ein Politiker eine Abendsendung kauft, wie anderswo vorgekommen, würde es bei uns nie geben." In Schweden geht man noch einen Schritt weiter und "kämpft gemeinsam mit den anderen gegen die Politiker", erklärte Benkö.

"Journalismus betreiben, Nachwuchs fördern"

Die Neue Welt der Medientechnologien müsse man als Player akzeptieren, in Schweden beispielsweise generiere man über Facebook und Twitter Public Service - und das laut Benkö sehr erfolgreich. Der Nachwuchs solle gefördert und integriert werden, denn ohne die Generation der Digital Natives in den Medienhäusern, würde man bald alt aussehen und de Reck schließt ab: "Qualitativ hochwertigen Journalismus zu betreiben, das ist die Kunst, die wir beibehalten müssen."
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