ÖBB-Inserate: Rechnungshof kritisch
 

ÖBB-Inserate: Rechnungshof kritisch

"WirtschaftsBlatt": Rohbericht beleuchtete Öffentlichkeitsarbeit unter Verkehrsminister Faymann und danach - ÖBB: "Falsche Datenbasis"

Die Inseratenvergabe der ÖBB unter dem früheren Verkehrminister und heutigen Bundeskanzler Werner Faymann (S) und die Zeit danach ist auch Gegenstand der Betrachtungen des Rechnungshofs (RH). Laut "WirtschaftsBlatt" setzt sich dieser in einem Rohbericht kritisch mit den Aufwendungen von 2007 bis 2011 auseinander. Eine klare schriftliche Trennung von Verantwortungsbereichen zwischen Verkehrsministerium und Bahn sei notwendig, lautet ein Fazit des RH.

Unklarheit herrschte für die Prüfer offenbar auch hinsichtlich der Bezahlung der Inserate: So empfiehlt der RH, dass "für im gemeinsamen Interesse gelegene Kommunikationsmaßnahmen die Kosten transparent und in adäquater Weise zu teilen wären". Auch gibt es Klärungsbedarf, wie die in Auftrag gegebenen Kampagnen zustande gekommen seien, so der Rechnungshof: "Die operative Zusammenarbeit zwischen BMVIT und der ÖBB-Unternehmensgruppe im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wäre schriftlich und nachvollziehbar zu dokumentieren", zitiert das "WirtschaftsBlatt" aus dem Rohbericht.

Keine quantifizierten Ziele, Advertorials fraglich

Der Rechnungshof kritisiert, dass in den Strategiepapieren der ÖBB zur Öffentlichkeitsarbeit großteils keine quantifizierten und monetären Ziele festgelegt seien. Weiters bezweifelt er den Werbewert von Advertorials und kritisiert fehlende Evaluierung von Sponsoring. Die Gesamtaufwendungen der ÖBB für Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Verkaufsförderung werden in dem Papier mit 33,49 Millionen Euro angegeben.

ÖBB: Kritik unzweckmäßig

ÖBB-Kommunikationschefin Kristin Hanusch-Linser bezeichnete die Kritik des Rechnungshofs gegenüber der Zeitung "aufgrund falscher Datenbasis" als "unzweckmäßig". Der RH habe Rohdaten hochgerechnet und nicht Ist-Daten verwendet, die zum Zeitpunkt der Erstellung des Berichtes längst vorhanden gewesen seien. "Alle in der Stellungnahme aufgelisteten Fakten wurden bei der Prüfung vorgelegt, aber letztendlich gar nicht berücksichtigt", so Hanusch-Linser. In ihrer Stellungnahme zum Rohbericht spricht die Bahn zudem von "konträren, inkonsistenten und prüfungsirrelevanten Stellungnahmen" und "undifferenziertem Prüfungsschwerpunkt".

Im Büro von Infrastrukturministerin Doris Bures heißt es, der Bericht beziehe sich auf die Zeit vor ihrer Amtszeit, es seien aber "im Bereich des BMVIT keine gravierenden Mängel festgestellt" worden. Das Ministerium werde den Empfehlungen des Rechnungshofs aber nachkommen und Dokumentationen noch transparenter und nachvollziehbarer machen.

Aus dem Rechnungshof war auf HORIZONT online-Anfrage keine Stellungnahme zu bekommen. Der Endbericht dürfte im August vorliegen und wird dann veröffentlicht.
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