Ö1-Chefredakteur will Information umkrempeln
 

Ö1-Chefredakteur will Information umkrempeln

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Ö1-Chefredakteur Stefan Ströbitzer
Ö1-Chefredakteur Stefan Ströbitzer

Stefan Ströbitzer, seit 7. September Chefredakteur von Ö1, kündigt wieder „eigene Nachrichten" an.

Das ORF-Kulturradio Ö1 bekommt ab 11. Oktober wieder eigene Nachrichten. Das kündigte der neue Radio-Chefredakteur Stefan Ströbitzer am Dienstag vor Journalisten an. Aus einer personellen Notsituation heraus wurden auf Ö1 seit etwa einem Jahr die Regionalradio-Nachrichten durchgeschaltet. "Das war nie optimal, weil es um zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichem Interesse und Hunger nach Nachrichten geht", so Ströbitzer.

Immer zur vollen Stunde

In enger Zusammenarbeit mit der neuen Ö1-Chefin Bettina Roither sei es der Radio-Information nun gelungen, dass Ö1 wieder "eigene, hochqualitative, fünf Minuten lange Nachrichten erhält, die den Ansprüchen der Ö1-Hörer Rechnung tragen". Zu hören sind die wiederbelebten Ö1-Nachrichten tagsüber - zwischen 6:00 und 22:00 Uhr - zur vollen Stunde. Zusätzliche Kosten würden nicht entstehen, versicherte Ströbitzer. Die Maßnahme sei durch interne Umschichtungen möglich geworden.

Neue Info-Schiene am Morgen?
Daneben wälzt Ströbitzer für Ö1 Überlegungen für ein "durchgängig formatiertes Info-Radio am Morgen". Die Radio-Information möchte ihre Funktion, "das Thema des Tages vorzugeben", noch ausbauen. "Die Menschen wollen in der Früh umfassende Information. Der Ö1-Einschaltimpuls am Morgen ist Information. Es stellt sich daher die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, ähnlich wie bei deutschen Info-Radios am Morgen eine durchgängige Info-Strecke zu überlegen." Als möglichen Zeitraum für eine solche Info-Schiene nennt Ströbitzer 6.00 bis 8.30 Uhr.

Darüber hinaus will der neue Radio-Chefredakteur die Inhalte der Journale und Nachrichten auf Ö1 und Ö3 "noch besser hörbar und nachhörbar" machen. "2013 werden mehr Smartphones als Computer verkauft werden. Wir müssen uns überlegen, wie wir diese Handy-Zielgruppe besser erreichen."
In Zeiten zunehmender Überflutung und Überreizung mit Infos seien die Radiomacher aber auch "immer stärker gefordert, uns beim Story-Telling und Zugang zum Publikum zu verbessern", so Ströbitzer. "Da möchte ich eine Ausbildungs- und Kreativphase eröffnen, wie wir uns mit neuen Formen des Story-Tellings all unseren Zielgruppen formatgerecht nähern." Für das "Mittagsjournal" auf Ö1 kann er sich etwa eine stärkere Dramaturgie vorstellen, welche die Durchhörbarkeit des einstündigen News-Formats besser unterstützt.

Radio, TV und Online in einem Haus?
Weiter leiten wird Ströbitzer übrigens auch die Arbeitsgruppe für trimediales Arbeiten im ORF. "Ich wurde vom Generaldirektor gebeten, meine Arbeit in der Arbeitsgruppe für neue Produktionsformen fortzusetzen." Dabei geht es um die Frage wie Fernsehen, Radio und Online im ORF künftig - etwa an einem neuen Standort - zusammenarbeiten können.
"Ich bin ein glühender Verfechter des trimedialen Newsrooms: räumlich zusammenrücken, Ressourcen poolen, damit am Ende des Tages ein noch besserer Qualitätsjournalismus herauskommt", erklärte der Radio-Chefredakteur. "Wenn wir etwa unsere Ressourcen in der Innenpolitik bündeln, dann schaffen wir uns auch Freiraum für aufwendige, mehrtägige Recherchen."

Radio-Information: Nachrichten und Teletext
Die Radio-Information produziert täglich die Nachrichten und Journale für alle ORF-Radios. Nur auf FM4 werden die englischsprachigen Nachrichten von der dortigen Crew selbst produziert und auf Radio Wien und Radio Niederösterreich selbst moderiert. Inhalte zu Innen- und Außenpolitik, Wirtschaft oder Chronik werden auch dort von der Radio-Information zugeliefert. "Das macht insgesamt mehr als sieben Stunden Information täglich", so Ströbitzer. "Wir erreichen Tag für Tag 5,2 Millionen Österreicher. Allein zur Primetime am Morgen werden vier Millionen Österreicher von uns mit Informationen versorgt."
Daneben sei die Radioinformation auch für die Teletextseiten 100 bis 154 verantwortlich. "Das sind grob gesagt alle Seiten zum aktuellen Geschehen im In- und Ausland sowie die Wirtschafts- und Kulturseiten. Damit erreichen wir täglich 383.000 Österreicher und hatten im 1. Halbjahr 2010 über 1,1 Milliarden Zugriffe, das sind fast genau 6 Millionen pro Tag", berichtete Ströbitzer.

(Quelle: APA)
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