Niemandem mehr Wurst
 

Niemandem mehr Wurst

Conchita siegt und Wrabetz plant

Eine Kunstfigur mit gar weltweitem Charisma, Tom Neuwirths alter ego Conchita Wurst. Diesmal ließ man sich nicht dreinreden und es war gut so. Der Verzicht auf ein Publikumsvoting brachte die richtige Song-Contest-Kandidatin, um den ORF gleich diese Woche in ein neues großes Projekt zu stürzen.

War es ein Sieg für Toleranz, ein Denkzettel für Russland, das sich ineinander fügen vieler kleiner Teile, ein außergewöhnlicher Mensch, wie er laut André Heller nur alle 30 Jahre die Bühne betritt oder ein besonderer und höchst passender Song produziert von Oscar Bronners Bruder David Bronner & Team oder ist Conchita Wurst ein Phänomen, das den Zeitgeist repräsentiert? Für jeden war es wohl etwas anderes.

Auf der Pressekonferenz Sonntag Mittag, den 11. Mai, war die Begeisterung der an die 200 anwesenden Journalisten grenzenlos - so viel Jubel ist man Österreich nicht gewohnt. Und Conchita - sie überlegte in gewohnt manierlich femininer Art vor jeder Frage einige Sekunden und antwortete dann, auch hier hat Heller recht, eigentlich immer sinnhaft mit bekanntem Lächeln und wehendem Augenaufschlag. Es gab keinen einzigen Fehltritt - Professionalität herrschte vor und das bei allen, die hier eine Nacht durchgemacht hatten. Zwar nickte Manager René Berto beinah ein, trotzdem war alles im Griff und Andi Knoll moderierte kurzweilig.

"Shoot for the moon. Even if you miss, you'll land among the stars", zitierte Conchita Les Brown und sagte weiter: "Das, was ich vor allem will, ist Musik machen. Mein Traum ist ein Grammy. Aber selbst wenn dieser nichts wird, werde ich das Ziel verfolgen und all das nehmen, das mir auf diesem Weg geschenkt wird und das ist vielleicht viel wertvoller als der Grammy selbst."

Weiter: "Mein Sieg für die Toleranz ist einer, der aber wohl nicht ausreichen wird. Ich werde und will an diesem Thema bis an mein Lebensende dran bleiben."

Auf die Frage zum Muttertag hin und wie man Kindern eine Conchita Wurst erklären könne und was Aufgabe von Eltern sei, sagte Conchita: "Zunächst sollte ein Kind das Wort Kunstfigur lernen und erklärt bekommen. Und, es ist der Job von Eltern ihre Kinder zu toleranten Persönlichkeiten zu erziehen."

Vieles war bereits im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören. 88,6 - Der Musiksender entschied sich "Rise like a Phoenix" gleich von Samstag Abend bis Sonntag Mittag durchzuspielen ohne Unterbrechung. Vieles wird noch folgen.

Anbei einige Ausschnitte aus der Pressekonferenz und ein Statement von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der sich bereits in der sonntäglichen Managmentklausur auf die Ausrichtung des 60. Song Contest im nächsten Jahr einstimmt. Das Event kostete Dänemark rund 27 Millionen Euro, Wrabetz geht von 20 Millionen aus, hat schon einige Angebote für Locations erhalten und hofft auf die Unterstützung von vielen Freiwilligen wie auch der Republik und freut sich.

Interview mit Alexander Wrabetz auf Seite 2

Interview mit Alexander Wrabetz

HORIZONT: Wie groß ist die Freude oder überwiegt doch die Angst vor einem großen Event wie dem Song Contest, der im kommenden Jahr auszurichten ist?


Wrabetz: Zufällig haben wir heute die Managementklausur, die eine Strategieklausur ist, aber wo alle Entscheidungsträger da sind. Wir werden gleich beginnen erste Überlegungen anzustellen. Wir hatten schon erste Gespräche mit Städten, Locations, die in Frage kommen. In Wien die Stadthalle aber auch andere Locations in anderen Städten. Es kommt darauf an, was an drei Wochen im Mai frei ist, das ist nicht einfach. Die Location sollte sich in einem positiven Sinn einbringen ...

HORIZONT:  ... sprich sich an den Kosten beteiligen?


Wrabetz: Das ist egal, aber alles muss stehen von der Location bis zur Security, Verkehrslogistik. Kopenhagen hat eine eigene Halle gebaut auf einer Insel, da war die Verkehrsanbindung aufwendig.

HORIZONT:  In Dänemark wurden etwa 27 Millionen Euro an Kosten kolportiert. Womit rechnen Sie?

Wrabetz:
Man kann um knapp 20 Millionen einen Song Contest ausrichten. Aber es ist schwer zu sagen, was kostet was, weil hier auch einiges zur Verfügung gestellt werden kann von anderen. Unser Anspruch ist es jedenfalls immer die Dinge besonders gut zu machen. Es ist ein Datum, wo auch große Republiksfeierlichkeiten geplant sind die sich seit 1945, seit 1955 jähren. All das ist mitzudenken. Hier präsentiert sich Österreich europaweit auch rund um ein historisches Datum.

HORIZONT:  Was werden Sie tun, um sich das zu leisten? Ein Land hat vor einigen Jahren gar Fußballrechte zurückgegeben, um den Event ausrichten zu können.

Wrabetz:
Ein günstiges Szenario ist, dass im kommenden Jahr weder Olympia noch eine Fußball-WM oder Fußball-EM stattfindet. Es kommt daher mehr darauf an, einen tollen Song Contest zu machen unterstützt durch viele. Es wird sich so in einem Rahmen halten, dass kein anderes Programm darunter leiden wird.

HORIZONT:  Ein paar Einkunftsmöglichkeiten gibt es - Tickets, Sponsoren, Votingeinnahmen ...

Wrabetz:
Letztere decken nur einen Teil ab. Wichtig sind sicher Global Brands, die hier speziell für diesen Song Contest in Wien in Frage kommen. In jedem Fall, wenn es die Möglichkeit gibt Österreich vor 150 bis 180 Millionen Menschen zu präsentieren, dann ist das ein unbezahlbarer Wert. Es wird sich nach Gesprächen hier auch die Politik beteiligen.

HORIZONT:  Sie waren gestern live dabei ...


Wrabetz: Ja, ich war in Kopenhagen. Conchita Wurst war unsere Kandidatin. Es war letztlich gut, dass wir uns nach dem Ausstieg 2011 wieder dem Song Contest zugewendet haben.
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