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Niederösterreich: Neuer Schwung durch die Neuaufstellung der 'NÖN'?

Auch die Konkurrenz hofft, dass die Änderungen bei den Niederösterreichischen Nachrichten den gesamten Markt des Bundeslands beleben werden

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Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 23/2016 vom 10. Juni. Hier geht's zum Abo.

Das NÖ Pressehaus hat bewegende Monate hinter sich. Ende 2015 wurde überraschend bekannt, dass der langjährige Geschäftsführer und Erste Chefredakteur Harald Knabl das Unternehmen verlassen wird. Knabl war sich mit den Eigentümern nicht mehr über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens einig. Verkausgerüchte wurden schnell dementiert, Geschäftsführerin Lydia Gepp stellte nach und nach ihr neues Team auf: Martin Gebhart ist und bleibt Chefredakteur der NÖN, Mediaprint-Manager Friedrich Dungl ist seit dem 1. Juni zweiter Geschäftsführer neben Gepp.

Bereits im April kündigte Dungl an, es müsse große Veränderungen bei der NÖN geben – aber nicht nur da. „Im Verlagswesen glauben wir oft, dass wir vom dramatischen Wandel der Informationstechnologie und der Gesellschaft besonders betroffen sind.“ Das sei aber auch der Handel, die Industrie, der Tourismus und zahlreiche andere Branchen. Der Markt in Niederösterreich zeichne sich speziell dadurch aus, dass es keine regionale Tageszeitung wie in anderen Bundesländern gebe. „Aktualität ist für die gedruckte Zeitung nicht mehr so sehr wettbewerbsentscheidend, sondern Regionalität“, so Dungl gegenüber HORIZONT.

Rückgang der Anzeigenerlöse


Für 2016 geht Dungl mit einem weiteren Rückgang der Anzeigenerlöse aus. „Nach meiner Einschätzung erleben wir 2016 einen soliden Rückgang der Werbeausgaben insbesondere bei großen Unternehmen.“ Bis auf die anstehende Fußball-EM seien auch keine Großereignisse in Sicht, die für zusätzliche Spendings sorgen könnten.

Das weiß vermutlich auch Oswald Hicker, Chefredakteur und Geschäftsführer der Bezirksblätter Niederösterreich. „Ich hoffe aufrichtig, dass der Wechsel an der Spitze des NÖ Pressehauses wieder neuen Schwung in die Szene bringt“, sagt er. Das möge seltsam klingen, schiebt er hinterher. Aber das Bundesland brauche „zwei große Leitmedien, das ist schon aus demokratiepolitischen Gesichtspunkten unverzichtbar“. Das größte Problem für niederösterreichische Medien­unternehmen sieht Hicker in den großen US-Konzernen. „Wir müssen verhindern, dass globale Player wie Facebook oder Google die Etats langsam absaugen.“ Mit persönlicher Betreuung vor Ort könne man hier gut entgegenwirken, darauf lasse sich kein global agierendes Unternehmen ein.

Auch Friedrich Dungl kennt dieses Problem: „Im globalen Bereich geraten wir durch Google, Facebook und Co unter Druck. Selbst das kleinste Lokal bedient sich dieser Werbekanäle.“ Diese Entwicklung müsse die gesamte Branche im Auge behalten, mahnt er. Grundsätzlich sei es so, dass sich nationale Player aus Kostengründen immer weiter aus der Regionalisierung zurückziehen würden, sagt Dungl, der zuvor lange bei der Mediaprint gearbeitet hat. Das eröffne Chancen für Anbieter wie die NÖN.

'Krone' setzt auf Regionaljournale

Ein starker Player am Markt in Niederösterreich ist natürlich auch die Kronen Zeitung. Deren Regionalleiter Vermarktung Niederösterreich und Burgenland, Harald Ahorner, hebt vor allem die starke Präsenz von Gratis-Tageszeitungen und Wochenzeitungs-Titeln hervor. Diese Tatsache mache den Markt „hoch kompetitiv“. Die Situation am Leser- als auch am Anzeigenmarkt sei eine „durchaus herausfordernde“, resümiert Ahorner.

Ergänzend zu den verschiedenen Krone-Ausgaben in Niederösterreich setzt die Zeitung derzeit auch verstärkt auf regionale Lifestyle-Journale. „Im heurigen Geschäftsjahr sind in Niederösterreich auf Bundesland- und Bezirksebene bereits rund 70 Regionaljournale zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen erschienen“, so Ahorner.

Gratis: ‚Heute‘ sehr stark

Die bereits angesprochenen Gratis-Tageszeitungen sind in der Tat sehr stark in Niederösterreich vertreten. Das hängt natürlich auch mit der Nähe zu Wien zusammen, wo Heute und Österreich ihr Hauptverbreitungsgebiet haben – vor allem der ernstgenannte Titel fokussiert sich mittlerweile sehr stark auf das größte Bundesland Österreichs. Heute erreichte im vergangenen Jahr laut ÖAK 626.183 vertriebene Exemplare und damit den besten Jahreswert der Verlagsgeschichte. Die Macher rund um Eva Dichand und Wolfgang Jansky führen das auch auf das starke Niederösterreich-Geschäft zurück. „Wenn man weiß, dass die Bevölkerung Niederösterreichs auch für die Wiener werbetreibende Wirtschaft ein wichtiger Faktor ist, sieht man, dass die strategische Vertriebsausrichtung zur Verstärkung des s­ogenannten Speckgürtels, aber auch von Niederösterreich gesamt, die richtige Entscheidung war“, hieß es im Februar in einer Aussendung des Unternehmens.

‚Kurier‘ gewinnt signifikant


Bei der jüngsten Media-Analyse (2015) hatte man aber auch beim Kurier allen Grund zur Freude. Die Reichweite der Tageszeitung stieg in Niederösterreich nämlich um signifikante 2,5 Prozentpunkte auf nun 16,6 Prozent. Das Plus bestätige die Strategie des Kurier, „mit fundierter, exklusiver Berichterstattung die Leser in der Region noch besser über die Ereignisse vor Ort zu informieren“, sagte Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger damals.
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