News – Wie man Werte vernichtet
 

News – Wie man Werte vernichtet

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Mansteins Editorial und die Reaktion von Axel Bogocz

Sehr einfach hat’s die Medienlandschaft nicht, egal ob Tageszeitungen, Magazine oder Fachzeitschriften. Die Welt der Medien ist schwieriger geworden.

Das Rad dreht sich schneller, die digitalen Medien machen es den tradierten auch nicht leichter.

Es ist schon manchmal erstaunlich, wie ziel­gerichtet ein Eigentümer ein Unternehmen ­augenscheinlich an die Wand zu fahren vermag. Aber die Energie des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr bei diesem Unterfangen in seiner ­österreichischen Mehrheitsbeteiligung Verlagsgruppe News zu beobachten, das verschlägt einem dann schon den Atem.

Erreicht wird das von den Hamburgern durch die Entsendung von – freundlich formuliert – ­interessanten Herren, mit der Priorität der ­Bestandsverwaltung als Geschäftsführer in der Verlagsgruppe.

Vorläufiger Höhepunkt: Axel Bogocz, der offensichtlich nicht weiß, was er zu tun hätte. Weshalb er sich in Nebensächlichkeiten verliert und sich mit Hingabe der Verwaltung widmet.

Nur zur Erinnerung: Die Verlagsgruppe News befindet sich in einem wirtschaftlich gefährlichen Fahrwasser. Insbesondere das namensgebende Flaggschiff ist schwer angeschlagen. Den anderen Magazinen des Verlages geht es mehr oder weniger durchwachsen. In dieser Situation setzt ein ­Eigentümer, der sich seiner Verantwortung ­bewusst ist und diese auch wahrnehmen will, eine Geschäftsführung ein, die sachkundig ist und die Weichen richtig zu stellen weiß. Die etwa weiß – und das den Eigentümern auch erklären kann –, dass es in Zeiten mit schwieriger Marktlage nicht immer nur zweistellige Renditen geben kann. Die etwa die Marktbereinigung, die zwingend kommen muss, von selber herbeiführt, bevor ihr die äußeren Umstände das Gesetz des Handelns aus den Händen nehmen und alles im Chaos versinkt. Was hingegen tut Axel Bogocz? Wenig. Dieser Mann ist in ­Österreich noch nicht angekommen.

Das ist natürlich etwas ungerecht, denn Herr Bogocz ist selbstverständlich den ganzen Tag über ein viel beschäftigter Mann. Unvergessen etwa sein hoher persönlicher Einsatz beim Umsetzen seines Masterplans „Hunde raus aus dem Media Tower“. Dieses schwere Problem löste er mit Bravour und dem Anheuern einer Security-Truppe, die dieses Verbot kontrollieren sollte. Da scheute er keine Kosten und Mühen.

Dass sogar beim Nachrichtenmagazin profil gleichzeitig die Korrektoren gehen mussten, weil die ­wenigen 1.000 Euro, die sie kosteten, nicht mehr leistbar geworden waren, störte in Hamburg offensichtlich niemanden. Dass sich die Fehlerhäufigkeit bei profil drastisch erhöhte, auch nicht. „Bei mir hat sich noch keiner beschwert“, soll ­Bogocz gesagt haben. Was ich nicht glauben kann, denn so unbedarft kann keiner, der sich „Medien-Manager“ nennt, sein, um zu glauben, dass sich verärgerte Leser in Scharen an die Geschäftsführung wenden.

Mitarbeitern schwärmt er vor, wie toll die hauseigene Kochpostille Gusto denn sei, weil sie sehr viel weniger Redakteure als andere Magazine ­benötigt – den Unterschied zwischen Bericht­erstattung und Abschreiben von Kochrezepten ­generös ignorierend.

Ansonsten hört man – abgesehen von der ­Gestaltung eines neuen Firmenlogos – von Herrn Bogocz wenig oder gar nichts. So scheint es jedenfalls, wenn man das Managen der jüngsten Affäre im Hause News betrachtet. Vor vier Wochen berichtete der Standard über geplante Massenkün­digungen beim Magazin. Von 50 Leuten sollen ­angeblich 35 gehen.

Und wie reagierte Axel Bogocz? Er ging auf Tauchstation. Die Lage wurde daher von Woche zu Woche prekärer, das Personal immer demoti­vierter. Was kein Wunder ist, wenn die Leute nicht wissen, ob sie in den nächsten Wochen noch ­einen Job haben werden.

Die Anzeigenabteilungen der gesamten ­Verlagsgruppe bekamen die Auswirkungen von ­Bogocz Schweigen unmittelbar am Markt zu ­spüren. Die Kunden, so ist zu hören, verweigerten die Insertionen mit der Bemerkung, dass man schließlich nicht wisse, ob der Verlag nächstes Jahr noch existiere. Bogocz aber schwieg nach wie vor, als ob ihn das alles nichts anginge. Bis er sich dann doch entschloss, eine Betriebsversammlung anzusetzen. Im Salon Le ­Corbusier im neben dem Verlagshaus liegenden Nobelhotel ­Sofitel.

Dort sprach Bogocz erstmals darüber, dass keine Informationen aus dem Verlag an Fremdmedien gehen sollten. Und natürlich über sein ­publizistisches Lieblingsprodukt, Gusto. Dort komme man schon mit weniger Redakteuren aus. Und dass kleine Änderungen im Raum stehen. Das war’s dann auch schon. Was er nächstes Jahr vorhat? Bogocz blieb die Antworten schuldig.

Nur eine kleine Nebenbemerkung: Vor Kurzem kündigte der Verlag Mitarbeiter, deren monatliche Pauschalentlohnung jedem, der eins und eins ­zusammenzählen kann, den Gang zum AMS als lukrativer erscheinen lässt, als bei der Verlagsgruppe News zu arbeiten. Weil sie angeblich zu kostspielig geworden seien. Gleichzeitig ist natürlich Geld für die Anmietung einer Lokalität im ­Luxushotel vorhanden, weil im Media Tower „zu wenig Platz für eine solche Veranstaltung“ sei.

Der Geschäftsführer, den sich Gruner + Jahr zur treuhändischen Verwaltung ihrer Beteiligungen in Österreich selber zugemutet haben, muss aufpassen, dass er den Verlag nicht an die Wand führt.

Es ist Zeit, dass sich die Eigentümer des österreichischen Problems annehmen. Um bei ihrem ­Unternehmen, das ihnen schließlich nicht alleine gehört, zu retten, was noch zu retten ist.

Das klare Signal für die journalistische Weiterentwicklung der News-Gruppe, wie Gruner + Jahr bei der Inthronisierung von Bogocz noch meinte, sieht so jedenfalls nicht aus.

UPDATE

Aus der Verlagsgruppe News erreicht uns folgendes Mail von Axel Bogocz, das wir der geneigten Leserschaft – ohne weiteren Kommentar – näher bringen möchten.

An: Hans-Jörgen Manstein

Cc: Sebastian Loudon, Christian W. Mucha

Lieber „Professor“ Manstein,

gratuliere zu Ihren feinsinnigen Beobachtungen und den hohen journalistischen Standards, die offensichtlich von Ihnen besonders eifrig gepflegt werden. Ich kann fast nur den Beginn einer Altersdemenz vermuten – wie hätten Sie sonst geschafft, zu vergessen mich anzurufen? Oder wollten Sie einfach niemand in Ihre Fabelwelt vordringen lassen? Vielleicht fällt Ihnen meine Telefonnummer aber auch nur immer dann ein, wenn Sie mal wieder um Werbegeld winseln müssen? Und ja: wenn Österreich nur aus Figuren wie Ihnen bestünde, dann wäre ich wirklich noch nicht in Österreich angekommen und würde auch schleunigst wieder kehrt machen.

Ich grüße sehr herzlich!

p.s. Ich würde dringend in die Qualitätskontrolle investieren – Ihr Text wimmelt nur so von Grammatikfehlern…

Axel Bogocz Herausgeber und Vorsitzender der Geschäftsführung Verlagsgruppe News GmbH
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