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Neuer "Wiener Zeitung"-Chef Riedler will Redaktionsstatut einführen

Zeitungs-Chefredakteure räumen Druck von Politik und Inseratenkunden ein - Rückgrat des Einzelnen gefragt - Erhöhung der Presseförderung Gebot der Stunde

Wolfgang Riedler, neuer Geschäftsführer der "Wiener Zeitung", will in der staatlichen Tageszeitung ein Redaktionsstatut einführen. "Ich bin der Meinung, ein Qualitätsmedium braucht ein Statut", sagte er am Donnerstag bei einem von seiner Zeitung organisierten Symposium anlässlich des 310. Geburtstags des Blattes. Er werde versuchen, seine Eigentümer von dieser Notwendigkeit zu überzeugen.

Um die Unabhängigkeit der Redakteure zu sichern, brauche es aber auch die Finanzierungssicherheit und die Sicherheit, dass es keinen unmittelbaren Eigentümereinfluss gibt, so Riedler. Durch die Abhängigkeit von Inserenten einerseits und politischen Begehrlichkeiten andererseits seien Österreichs Massenmedien "mit unterschiedlicher Gewichtung Instrumente der Entdemokratisierung", wetterte unterdessen Medienexperte und Rechtsanwalt Alfred Noll. Presse dürfe und solle aber kein Gewerbe sein, weshalb Noll für die Einführung eines öffentlich-rechtlichen Printmediums unabhängig von Sonderwünschen und Profitinteressen der Eigentümer plädierte.

Dem widersprachen wiederum die anwesenden Zeitungsvertreter, die meinten, in der Realität würde man so lediglich ein politisches Jubelmedium einführen. Ohne Inserate wären Medien ausschließlich auf den Staat angewiesen und der würde dies ohne Zweifel noch schamloser ausnützen, war Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten", überzeugt. Wichtig sei daher ein Mix an Finanzierungsmöglichkeiten.

"Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid sprach sich im Zusammenhang mit dem Druck von Inserenten und Politik für die deutliche Anhebung der Presseförderung nach klaren und transparenten Kriterien aus. Dies wäre eine sinnvolle und nachvollziehbare Unterstützung für unabhängigen Journalismus im Land.

Ins gleiche Horn blies Gewerkschaftspräsident Franz C. Bauer, der betonte, es gebe eine Verantwortung der Öffentlichkeit für eine breite Medienlandschaft. Ein gravierendes Problem ortete er in der einseitigen Vergabepraxis der öffentlichen Hand, die große Werbeetats an einzelne Medien vergebe. Hier habe das Transparenzgesetz nur bestätigt, was seit langem kritisiert und befürchtet wurde.

Dass es vonseiten der Politik als auch von den Inseratenkunden eine Erwartungshaltung mit Blick auf die Berichterstattung gebe, räumte neben Föderl-Schmid und Riedler auch Bauer ein. Hier komme es nicht zuletzt auf das Rückgrat jedes einzelnen an, dem nicht nachzugeben, zeigte sich Antonia Gössinger von der "Kleinen Zeitung" überzeugt.

Auch ORF-Redakteurssprecher Dieter Bornemann betonte, dass die Unabhängigkeit eines Mediums nicht zwangsläufig von der Finanzierungs- und Organisationsform abhänge, sondern vor allem von der Einstellung des Journalisten zur Unabhängigkeit. "Es hängt am eigenen Anspruch, ob man Unabhängigkeit lebt", so Bornemann. Freilich sei aber die wirtschaftliche Unabhängigkeit und in dem Zusammenhang die Gebührenrefundierung nötig.

(APA)
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