„Neger“ und „Vieh“ – Presserat schritt ein
 

„Neger“ und „Vieh“ – Presserat schritt ein

Artikel über Asylwerber in "Zur Zeit" und Glosse des "Krone"-Postlers Jeanée beanstandet

Der Österreichische Presserat ist gegen die „Kronen Zeitung“ und die Wochenzeitung „Zur Zeit“ tätig geworden. Wie das Selbstkontrollorgan der heimischen Presse am Freitag in einer Aussendung berichtete, ist dies wegen der mehrmaligen Verwendung des Wortes „Neger“ (in „Zur Zeit“) sowie wegen der Gleichsetzung des norwegischen Attentäters Anders Breivik mit „Vieh“ in einem Brief von „Krone“-Postler Michael Jeannee erfolgt.

Bericht über straffällige Asylwerber

Die rechtskonservative „Zur Zeit“ hatte in einem Bericht über straffällig gewordene Asylwerber von „Negern“ geschrieben, was der Presserat als anstößig erkannte. Die Redaktion zeigte sich in einer Stellungnahme wenig einsichtig: Der Begriff sei seit rund 300 Jahren im deutschen Sprachgebrauch üblich und es gebe auch keine gesetzliche Bestimmung, die die Verwendung dieses Begriffes verbiete.

„Einem Journalisten ist es zumutbar, dass er sich mit einem belasteten Begriff wie ‚Neger’ ernsthaft auseinandersetzt, den Bedeutungswandel, den dieser Begriff erfahren hat, erkennt und respektiert, dass die Bezeichnung ‚Neger’ in unserer Gesellschaft abwertend und beleidigend ist“, hielt dem der Presserat entgegen. Der Bericht verstoße gegen Punkt 5.5. des Ehrenkodex für die österreichische Presse, wonach jede Diskriminierung aus rassischen, religiösen, nationalen, sexuellen oder sonstigen Gründen unzulässig ist.

Menschenwürde eines Attentäters verletzt

„Krone“-Postler Jeanée wiederum griff zu drastischen Worten in einer Glosse über den Attentäter Breivik. Er kritisierte darin die Enthebung des Schöffen Thomas Indrebo wegen Befangenheit im Prozess gegen den norwegischen Attentäter. Die Befangenheit beschreibt der Autor in seiner "Post" an den Schöffen wie folgt: "Sie forderten via Facebook die Todesstrafe für das Vieh". Der Autor unterstelle allen Prozessbeteiligten die Ansicht, dass "die erbarmungslos lächelnde menschliche Tötungsmaschine Anders B. weg gehöre" und teile diese Position, kritisiert der Presserat. Die derb abwertende Bezeichnung eines Menschen als "Vieh" sei überschießend und daher auch nicht durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Die Bezeichnung von B. als "Vieh" im Zusammenhang mit der Todesstrafe suggeriert nach Meinung des Senats darüber hinaus, dass B. kein Mensch wäre, der unter dem Schutz der Menschenrechtskonvention steht und in Norwegen gar nicht mit dem Tode bestraft werden kann, sondern ein Tier, das man töten kann. Der Senat sieht hierin einen Verstoß gegen Punkt 5.1. des Ehrenkodex für die österreichische Presse, wonach jeder Mensch Anspruch auf Wahrung der Rechte und Würde der Person hat.

Verfahren auf eigene Initiative

 In beiden Fällen hat der Presserat auf eigene Initiative Verfahren geführt. „Krone“ und „Zur Zeit“ sind nicht Mitglieder des Presserates.

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