Natascha Kampusch verliert gegen „Heute“
 

Natascha Kampusch verliert gegen „Heute“

Das Oberlandesgericht sieht in der Veröffentlichung privater Bilder keine Verletzung "des höchstpersönlichen Lebensbereichs".

Die Gratiszeitung „Heute“ veröffentlichte im vergangenen Juli  Bilder von Natascha Kampusch,  auf denen die junge Frau  beim Tanzen in einem angesagten Wiener Innenstadt-Club zu sehen ist.  Das Wiener Straflandesgericht sprach Kampusch im Dezember 2007  eine medienrechtliche Entschädigung in der Höhe von 13.000 Euro zu. "Heute" hatte die Bilder nicht nur veröffentlicht, sondern mit mehr oder weniger geschmackvollen Bemerkungen angereichert ("Ihr neues Glück", "Schöne erste Liebe", "Natascha: Süß ist ihre Liebe"). Für die Richterin bestand damals kein Zweifel, dass diese Art der Berichterstattung "geeignet war, Natascha Kampusch in der Öffentlichkeit herabzusetzen".
"Heute"-Anwalt Michael Rami ging daraufhin in Berufung und bekam nun vor dem Oberlandesgericht Recht. Wie nun in zweiter Instanz entschieden wurde, war die Veröffentlichung dieser Bilder zulässig. Das OLG sieht darin keine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs, da sich die Szenen in der Öffentlichkeit abspielten."Diese klare Abgrenzung, dass die Öffentlichkeit nicht vom höchstpersönlichen Lebensbereich gedeckt ist, hat es bisher nicht gegeben.", so Rami. Der "Heute"-Anwalt sieht in dem Richterspruch ein "Signal für mehr Medienfreiheit". Kampusch- Anwalt, Gerald Ganzger, zeigt sich verwundert darüber, dass ein und der selbe Fall von zwei Senaten derart diametral bewertet wurde. Dadurch werde deutlich, dass derartige Entscheidungen kasuistisch seien und "abhängig von der Wahrnehmung und  Eindruck des einzelnen Richters".
stats