Nachruf: Ex-'trend'- und 'profil'-Chefredakte...
 
Nachruf

Ex-'trend'- und 'profil'-Chefredakteur Jens Tschebull verstorben

Screenshot ORF-TVthek
Der Journalist als Gastgeber einer "Club 2"-Sendung aus dem Jahr 1994 (Bildmitte).
Der Journalist als Gastgeber einer "Club 2"-Sendung aus dem Jahr 1994 (Bildmitte).

Tschebull starb im Alter von 92 Jahren, er betätigte sich auch als 'Wirtschaftsblatt'-Herausgeber und 'Club 2'-Gastgeber.

Der Wirtschaftsjournalist und Kolumnist Jens Tschebull ist heute, Mittwoch, im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie gegenüber der APA mit. Der gebürtige Klagenfurter war für "profil" und "trend" als Chefredakteur tätig. Beim "Wirtschaftsblatt" arbeitete er als Herausgeber. Einem breiten Publikum wurde er als Gastgeber vieler Ausgaben der legendären Diskussionssendung "Club 2" bekannt.


Geboren wurde Tschebull am 13. Dezember 1930. Er studierte Publizistik und betätigte sich zunächst Ende der 60er-Jahre bei der Zeitung "Kurier". Bald wechselte er ins Magazingeschäft. Oscar Bronner holte ihn zum frisch gegründeten Wirtschaftsmagazin "trend", wo er von 1969 bis 1975 als Chefredakteur arbeitete. In dieser Zeit war er auch parallel für ein Jahr als erster Chefredakteur des ebenfalls von Bronner gegründeten Nachrichtenmagazins "profil" tätig.

'Wirtschaft leserlich, verständlich und spannend'

"Jens Tschebull war sehr wichtig, weil er manche junge Journalisten, die die Welt verbessern wollten, dazu gebracht hat, mehr zu recherchieren, als daran zu arbeiten, die Welt zu verändern", erinnerte sich Bronner in einem Interview. Auch der frühere ORF-Generalintendant Gerd Bacher bemerkte einst, dass unter Jens Tschebull an der Spitze, hervorragende Journalisten "Wirtschaft nicht nur leserlich, verständlich, sondern sogar spannend", machten.

Ab 1975 betätigte sich Tschebull als freier Journalist und Kolumnist, wobei er in den 90er-Jahren noch die Herausgeberfunktion bei der Tageszeitung "Wirtschaftsblatt" übernahm. In einem Interview mit der mittlerweile eingestellten Zeitung erinnerte er sich, dass er gerade dabei war, in Pension zu gehen, als er gefragt wurde, ob er mithelfen wolle. "Ursprünglich sollte ich nur ein Jahr bleiben, neun sind es geworden", so der Journalist. Dabei habe er der Belegschaft immer gesagt, dass "sie mit ihrer journalistischen Arbeit nicht die Welt retten sollen, sondern den Verlag". Auch merkte er an: "Ich war ein Diktator. Aber ein guter." Dass das "Wirtschaftsblatt" letztlich eingestellt wurde, stimmte ihn nicht traurig. "Das ist der Lauf des Lebens. Die Journalisten sind nun Dünger für den Markt."

Nach seiner Tätigkeit beim "Wirtschaftsblatt" trat er in den Ruhestand, verfasste aber noch bis ins hohe Alter Gastkommentare - etwa für die "Presse" und die "Wiener Zeitung".

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