Nachrichten aus der Provinz
 

Nachrichten aus der Provinz

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Jenseits des HORIZONT.

Vom Ende der Meinungsvielfalt war die Rede, nur weil ProSiebvenSat.1 Puls 4 den Sender ATV erwerben wollen. In einem Land, das im TV-Bereich den größten Overflow in Europa hat, in dem es lange Zeit ausschließlich das Rundfunkmonopol gab.

In einem Land, das jahrzehntelang sehr gut mit einer Quasi-Monopolisierung des Magazinbereichs lag, den Boulevardjournalismus liebt und ein Gratiszeitungsparadies ist.Jetzt von Gefahr der Meinungsverengung zu sprechen, ist widersprüchlicher Zynismus. Und Neid. Vor allem dann, wenn gleichzeitig die Regierung einen bedrohlichen Sicherheits- und Überwachungspakt beschließt – und so tut, als ob es eine Reform sei – der die Meinungsfreiheit und bürgerliches Recht zutiefst erschüttert.

„Nachrichten aus der Provinz“ nennt Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek eine ihrer Satiren, ebenso Egyd Gstättner. Thomas Bernhard und Joseph Roth, alle Kritiker der Provinz Österreich, das so tut, als sei es immer noch groß. Im elektronischen Medienbereich sind wir so gut wie nicht vorhanden. Nicht einmal Dorf. Das weiß auch der ORF.

Es ist auch die ökonomische Angst des ORF, der in den vergangenen Jahren womöglich zu sehr mit internen Personalüberlebenskämpfen beschäftigt war, sodass der klare Blick in die Gefahrenwelt bisweilen abhanden kam, und nicht die Angst vor dem Ende der Meinungsvielfalt.Aber nicht die Meinungsvielfalt ist in Gefahr, sondern das ökonomische Überleben der Medien – auch des ORF – ist schwieriger geworden.

Österreich ist kein ernst genommener, eigenständiger Werbemarkt mehr. Buchungen werden international durchgeschalten, da ist es allemal einfacher, es gleich über die Tochterunternehmen in Österreich zu erledigen. Der ORF trauert – psychologisch gesehen – immer noch den Zeiten nach, da es im Oktober bereits Buchungsschluss und ausgebucht hieß und Ö3 von Sponsoranfragen überhäuft war. Dem ist nicht mehr so.

Der lokale Werbemarkt ist geschrumpft und wandert aus Effizienzgründen in alternative Medien ab. Die Printbranche leidet mit und ist irgendwie froh, endlich einen Feind ausgemacht zu haben, der camoufliert, dass man die Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Und alle miteinander pflegen – Nachrichten aus der Provinz – Feindbilder: Sie reichen von deutschen Mediengiganten bis zu Amazon, Google und Facebook. Das Beschwören von Feindbildern war noch nie erfolgreich. Einerseits führte es zur Aufweichung der Demokratie und war Türöffner für Radikalismen und Diktaturen. Anderseits war es der erste Schritt zum ökonomischen Crash.
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