Nachholbedarf bei Selbstregulierung
 

Nachholbedarf bei Selbstregulierung

Österreichs Medien brauchen neben einem funktionierenden Presserat auch redaktionsinterne Verhaltenskodizes, fordern Experten. Der Code of Conduct soll vor allem die Wirtschaftsberichterstattung erfassen.

Selbstkontrolle, bevor der Staat in die Bresche springt: Anthony Mills vom International Press Institute (IPI) lieferte eines der wichtigsten Argumente, warum die österreichischen Medien sich selbst strenge Kriterien in der Berichtersattung auferlegen sollen. Zu dem Thema diskutierte Mills mit "Standard"-Herausgeberin Alexandra Föderl-Schmid, Kommunikationswissenschafter Josef Trappel und Anton Sahlender von der Mainpost bei einer Veranstaltung von Presserat und Kuratorium für Journalistenausbildung.

Die Rede war vom Presserat und fehlenden redaktionsinternen Leitlinien, sprich Code of Conduct: "Wo Selbstregulierung nicht funktioniert, da kann es ganz schnell in Richtung staatliche Regulierung gehen", gab Mills zu bedenken und erinnerte an den Abhörskandal der britischen "News of the World", die mittlerweile von ihrem Eigentümer Rupert Murdoch geschlossen wurde. In Folge der illegalen Reportermethoden, versuchte die britische Regierung dem Treiben einen Riegel vorzuschieben, was bei Medientheoretikern alle Alarmglocken schrillen lässt. Von der sogenannten Leveson-Kommission wurde eine "Selbstregulierung mit Zähnen", "underpinned by law" vorgeschlagen, so Mills. Es sei ein Irrglaube, anzunehmen, die Pressefreiheit in westeuropäischen Ländern sei nicht gefährdet.

Code of Conduct für Wirtschaftsberichterstattung

"Standard"-Herausgeberin Föderl-Schmid erneuerte ihre Forderung nach "schärferen Regeln in der Wirtschafts- und Finanzberichterstattung". Demzufolge dürfte ein Redakteur nicht über eine Firma berichten, an der er selbst Aktien hält. Der im Publikum sitzende "Standard"-Gründer und kürzlich gekürte Präsident des Presserates, Oscar Bronner, pflichtete ihr bei: "Ich finde es jämmerlich, dass es in Österreich so mühsam ist", beklagte er. Im Presserat werde man nun versuchen, klarere Regeln durchzusetzen.

Dass ein "Code of Conduct", an den sich die Redakteure in einem Medium halten müssen, etwas bringt, darüber zeigten sich alle Diskutanten einig. Mills erklärte, dass ein sogenannter "Code of Conduct" zusätzlich zum vorhandenen Ehrenkodex des Presserats ein essenzieller Bestandteil des demokratischen Mediensystems sein müsse.

Sanktionsmöglichkeiten des Presserates

Neben den redaktionsinternen Richtlinien kamen aber auch die beschränkten Sanktionsmöglichkeiten des Presserats zur Sprache. Presseförderung oder Anzeigenschaltungen von öffentlichen Stellen als mögliche Druckmittel wurden dabei nur gestreift, sei laut Trappel doch Letzteres auch "demokratiepolitisch sehr bedenklich". Anton Sahlender, der als Ombudsmann für die deutsche "Mainpost" agiert, verwies auf die Bedeutung von Bewusstseinsbildung in den Redaktionen. "Die Suche nach dem Kernstück der journalistischen Qualität muss beim Auftrag für die Gesellschaft und Demokratie ankommen." Deshalb müsse die interne Diskussionskultur gefördert werden.   

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass man versuchen sollte, auch Boulevard-Medien in den Presserat zu holen. Wobei Trappel zu bedenken gab: "Es würde wohl wenig ändern. Die 'Krone' verhält sich ohnehin so, wie sie es für richtig hält." Die internen Leitlinien wiederum seien durch "leadership through example" vorzuleben, meinte Mills.

stats