Nachhilfe für Monopolisten
 

Nachhilfe für Monopolisten

Printgipfel thematisierte geänderte Kommunikationssituation durch Liberalisierung.

"Wenn man den ÖBB railjet als den schnellsten Zug bewirbt und dann braucht er tatsächlich um drei Minuten länger, dann ist das nicht optimal", konstatierte Max Palla, IAA-Präsident beim zweiten Teil des Printgipfels "Die neue Wirtschafts- und Kommunikationssituation durch die Liberalisierung. "Over Optimization" nennt der Werbefachmann das. Gerade Ex-Monopolisten würden oft in diese kommunikative Falle tappen, so Palla weiter. Gabriele Lutter, Sprecherin des Vorstandes der ÖBB-Personenverkehrs AG, räumte auch ein, dass man angesichts der Liberalisierung des Personenverkehrs (2010) noch Nachholbedarf in Sachen Kommunikation habe. Lutter: "Wir müssen den Kunden in den Mittelpunkt stellen." Und: "Die Ticketpreise im Nahverkehr decken nur 25 Prozent der Kosten." Auch dieses Faktum würde man nicht ausreichend kommunizieren. Bei der von "trend-"-Chefredakteur moderierten Diskussion stand aber die Liberalisierung an sich und weniger deren Auswirkungen auf die Kommunikaiton im Mittelpunkt. Friedrich Stickler, Vorstandsdirektor der Österreichischen Lotterien: "Liberalisierung macht dort keinen Sinn, wo Leistungen dadurch geschmälert oder gar gestrichen werden." Er ortete auch ein Umdenken innerhalb der EU was die Liberalisierung betrifft. "In der Vergangenheit wurde die Liberalisierung zum Prinzip erklärt, da hat man weniger an den Kundennutzen gedacht." Die Bankenkrise hingegen hätte zu einem Umdenken geführt. Die Liberalisierung des Glücksspielmarktes mache für ihn jedenfalls keinen Sinn. "Das Angebot im Glückspielbereich ist groß genug und durch die Liberalisierung würde der Lottotipp auch nicht billiger werden." Die Kommunikation der Österreichischen Lotterien wäre deshalb so professionell, weil man sich schon seit jeher als ein Unternehmen verstanden hätte, das im Wettbewerb steht.

Vieldiskutierter Briefmarkt
Lebhaft diskutierte man auch die Liberalisierung des Briefmarktes, die ja im Jahr 2011 in Österreich über die Bühne gehen soll. Geschäftsführer des Verbandes der Österreichischen Zeitungen (VÖZ): "Die Liberalisierung wurde wegen der verspäteten Umrüstung der Hausbrieffachanlagen um zwei Jahre verschoben", monierte Grünberger. Gleichzeitig gratulierte er der Österreichischen Post AG zum erfolgreichen Lobbying in Sachen Postgesetz. Post-Vorstand Carl-Gerold Mende: "Anlässlich des Börsegangs haben wir unsere Kommunikation professionalisiert." Auch genieße der Postbote in der Bevölkerung ein sehr hohes Vertrauen - höher sogar als der Polizist. Darauf müssen man in der Kommunikation aufbauen. "Bei den Großkunden müssen wir uns aber auch produktseitig verbessern, wir fangen allerdings nicht bei Null an." Viel mehr als die Liberalisierung wäre die Post allerdings von der elektronischen Substitution betroffen. Jährlich geht das Briefvolumen um etwa zwei bis vier Prozent zurück - in anderen Ländern betrage der Prozentsatz zwischen zehn und zwölf Prozent. "Der Brief als Produkt verliert den Zuspruch des Kunden", so Mende. Man müsse nun daran arbeiten, diesen Zuspruch wieder zu erhöhen. Den Monopolisten gab IAA-Präsident Palla dann noch einen Rat mit auf den Weg: "Wer nicht wirbt, der wird halbiert."
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