Nach Morawa-Rückzug: PGV übernimmt Ruder
 

Nach Morawa-Rückzug: PGV übernimmt Ruder

stock.adobe.com - svort

Nach dem Ende des Morawa Pressevertriebs führt der Salzburger Pressegroßvertrieb PGV intensive Gespräche mit Verlegern – mit bereits ersten Abschlüssen.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT Ausgabe Nr. 33-34/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Als Morawa im Juni mitteilte, sein Tochterunternehmen Morawa Pressevertrieb mit Jahresende 2018 einzustellen, sorgte das für Unruhe in der Medienbranche. Begründet wurde der Schritt mit „stark rückläufigen Verkäufen von Zeitungen und Zeitschriften im Einzelhandel“. Befürchtungen in Bezug auf eine zunehmende Monopolisierung in der Branche wurden spürbar. Zudem kursierten Gerüchte, wonach andere Medienhäuser beim Morawa Pressevertrieb einsteigen – oder die Mediaprint, die bereits seit 2007 24,9 Prozent am Morawa Pressevertrieb hält, nun auch die restlichen 75,1 Prozent übernehmen könnte. Und auch, dass die Verlage künftig, wie es die Mediaprint macht, selbst ausliefern, soll mancherorts angedacht worden sein.

Schon damals galt der Salzburger Pressegroßvertrieb PGV als heißer Kandidat für eine Übernahme der Vertriebstätigkeit. Was sich nun auf Anfrage von HORIZONT auch bestätigte. „Wir haben mit einem Großteil der Verlage, die ihre Presse-Erzeugnisse bisher über den Morawa Pressevertrieb in Österreich vertrieben haben, bereits gesprochen und auch schon neue Vertragsabschlüsse getätigt, berichtete PGV-Austria-Geschäftsführer Werner Zirlik.

VÖZ koordiniert Gespräche

Koordiniert werden die Gespräche vom VÖZ, wobei dieser nicht nur die Gespräche für die VÖZ-Mitglieder, sondern auch darüber hinaus mit Verlagen koordiniert, wie VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger auf Anfrage mitteilt.

Beim PGV werden bereits Kapazitäten für die Übernahme organisiert. „Da wir schon seit mehr als 70 Jahren als Presse-Großhändler in Österreich aktiv sind, verfügen wir über alle Marketing-, Vertriebs-und POS-Leistungen, die man benötigt, um einen Presse-Großvertrieb erfolgreich zu betreiben“, ist Zirlik überzeugt, bis Jahresende alles auf Schiene zu haben.

Massive Ab- und Umsatzeinbrüche

Das Jahr 2016 hatte beim Morawa Pressevertrieb laut Unterlagen zur Jahrestagung 2017 (die Jahrestagung für 2018 wurde abgesagt) noch „stark begonnen“. Bis zum Jahresende brach der Absatz jedoch um 8,8 Prozent und der Umsatz um 3,2 Prozent ein. Im ersten Halbjahr 2017 (konkret Kalenderwoche 1 bis 24) verzeichnete man beim Absatz einen Rückgang um weitere 9,1 Prozent und beim Umsatz um 12,6 Prozent. Geschuldet seien diese Einbrüche der „immer massiveren Digitalisierung“, hieß es im Juni seitens des Unternehmens. Wie Geschäftsführer Emmerich Selch gegenüber der APA bestätigte, würden die Vertriebskosten die Verkaufserträge nicht mehr decken, und sich das Geschäft daher nicht mehr rechnen. Die Antwort von PGV-Geschäftsführer Zirlik auf die Frage, warum die PGV eine Übernahme der Morawa-Kunden trotzdem für rentabel hält, deutet in Richtung einer Quantitätssteigerung, die für den Salzburger Pressevertrieb profitabel zu sein scheint. Zirlik verweist darauf, dass man den Vertrieb nun jenen Verlagen anbiete, „die bisher zu uns keine Vertragsbeziehung hatten. Damit erweitern wir unser bestehendes Umsatz- und Geschäftsvolumen.“

stats