,Nach dem ,Supertalent´ kommt IBES und DSDS!´
 

,Nach dem ,Supertalent´ kommt IBES und DSDS!´

Gerhard Riedler, Geschäftsführer des TV-Vermarktes IP-Österreich – RTL, RTL II, VOX, Super RTL und Austria 9 – bilanziert 2010 und ist für 2011 optimistisch.

HORIZONT: Am 29. November ist das Jahr fast gelaufen – wie war 2010 für den Vermarkter IP-Österreich?  

Gerhard Riedler: Ich muss ein bisschen differenzieren: Das erste und das zweite Halbjahr 2010 lassen sich nicht so ohne weiteres vergleichen. Im ersten Halbjahr waren die Verluste des ORF sehr gemildert aufgrund der Fußball WM im Juni in Südafrika und davor der Winterolympiade im Februar in Vancouver – das sind Treiber für den ORF und setzen Privat-TV unter Druck, da wir kaum Rechte dabei hatten. Mit dem zweiten Halbjahr betrachtet gleicht sich das jedoch wieder aus: denn da sieht man, dass der ORF einen ganz klaren Rückgang hat in der Größenordnung von etwa einen Prozentpunkt pro Sender, während Privat-TV kontinuierlich steigt. Das ist nach wie vor die logische Entwicklung durch die steigende technische Reichweite, die bis 2012, 2013 auch noch weiter steigen wird. Aber das allein wäre es auch nicht, die Privaten – nicht nur RTL, auch ProSieben – bieten starke Programme. Das ist ein doppelter Hebel für die Privaten – steigende technische Reichweite durch die Digitalisierung und starke Programme macht Marktanteilsgewinne!  

HORIZONT: Der ORF setzt allerdings immer weniger dagegen, man könnte fast von freiem Fall sprechen…?  

Riedler:
Na, das wäre übertrieben böse formuliert. Faktum ist, dass die Marktanteilsentwicklung beim ORF für uns Private ein bisschen sehr schnell kommt. Aus Konkurrenzgründen müsste ich darüber glücklich sein – ich bin es nicht ganz, denn im Moment gewinnen wir durch die Digitalisierung genug, um ein gesundes, kontinuierliches Wachstum zu haben.  

HORIZONT: Heißt im Klartext – die Preisanpassungen hinken nach…  

Riedler: Die Vorteile der Digitalisierung sind mit einer ORF-Schwäche zusammengekommen Wir konnten die Preise im österreichischen Markt nicht dorthin bringen, wie es möglich gewesen wäre, hätte sich der österreichische Markt langsamer entwickelt. Das ist für uns nicht optimal, und für den ORF ganz schlecht, weil er nicht nur Marktanteile und Werbegelder verloren hat, sondern auch seine Preise senken musste. In Summe haben wir leider eine nicht optimale Entwicklung des TV-Marktes in Österreich, sowohl für den Öffentlich-Rechtlichen als auch die Privaten.  

HORIZONT: Focus bestätigt das zumindest bei der Brutto-Seite – ORF-TV im Minus, die Privaten wachsen kräftig zweistellig – da gibt´s doch ein Inventarproblem…?  

Riedler: In den starken Monaten wir jetzt im Herbst sind wir Private genauso wie der ORF sehr gut bis ausgebucht. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir überproportional unsere Preise anpassen könnten. Wir haben einen stetigen Transfer von Werbegeldern vom ORF zu den Privaten, wir haben in einzelnen Monaten sehr gute Nachfrage – aber die Preisentwicklung geht nur Schrittweise.  

HORIZONT: Perspektive 2011?
 

Riedler:
Zuerst einmal: wir haben einen sehr erfreulichen Herbst. Nachdem ich mit den meisten Agenturen und Kunden bereits gesprochen habe, bin ich für das nächste Jahr, insbesondere für das erste Halbjahr 2011 guter Dinge. Ich bin sehr optimistisch, dass die Privaten auch 2011 ein zweitstelliges Wachstum verzeichnen werden können.  

HORIZONT: Das kommt woher – Budgetsteigerungen, neue Kunden?  

Riedler: Kunden, die noch nie im TV geworben haben, gibt es nur sehr sehr wenige. Die werden uns das Ergebnis nicht dramatisch verbessern. Wir haben eine Verschiebung von öffentlich-rechtlich zu privat, wir können als Private Preiserhöhungen aufgrund von Leistungssteigerungen durchbringen und, das ist mir besonders wichtig, wir können die Brutto-Netto-Schere verringern. Das ist unser ganz klares Ziel, und so gehen wir auch in die Verhandlungen. Mein Ziel ist, das Optimum zwischen möglichst geringem Rabatt und hohem Umsatz bei optimaler Auslastung zu erzielen.  

HORIZONT: Wieweit wirkt sich die ORF-Maßnahme, Nettopreissystem, aus, wie wird die angekündigte Streichung der Agenturprovision ab 2012 eingeschätzt?  

Riedler: Wir hatten im Herbst eine deutliche Verunsicherung bei den Agenturen, da bis Ende September niemand wusste, wie dieses neue Preissystem des ORF eigentlich aussieht. Mein Eindruck aus vielen Gesprächen ist, dass anerkannt wird, dass die Maßnahme des ORF mit der Begründung der gesetzlichen Vorgabe akzeptiert wird. Dass es also eine fixe Preisliste gibt, die für alle gilt, ohne Ausnahmen. Wenn allerdings im gleichen Atemzug gesagt wird, dass man eigentlich doch wieder über alles reden kann, dann muss ich mich wundern. Wir begrüssen die gesetzliche Vorgabe und werden auch drauf schauen, ob sie eingehalten wird.  

HORIZONT: Die Platzierung der Naturalrabatte behält sich die Enterprise vor…  

Riedler: Das ist auch bei uns so! Die Vergabe von Naturalrabatten ist zur Gänze in unserem Ermessen. Das geben wir nicht auf, das ist bei jedem Kunden so und das ist auch unverhandelbar. Selbstverständlich nehmen wir nach Möglichkeit auf Schwerpunkte des Kunden Rücksicht. Aber die Platzierung ist völlig in unserem Ermessen – sonst würden wir ein Tor aufmachen, das wir nicht akzeptieren können. Das ist ja unsere Vorteil, dass wir Naturalrabatte lieber als Cash-Rabatte geben, weil wir dann die Möglichkeit haben, Naturalrabatte dann einzusetzen, wenn wir den Platz haben. Wobei es für den Kunden von der Leistung her völlig egal ist. Unsere Blöcke sind ja so gepreist, dass der TKP weitgehend einheitlich ist – heisst, wenn ich einen Naturalrabatt am Vormittag abspiele, so ist der Brutto-Wert auch wesentlich geringer als etwa in der Prime Time.  

HORIZONT: Und die avisierte Streichung der Agenturprovision?
 

Riedler:
Für mich ist das kein Thema. Wenn das der ORF macht und wenn die Mediaagenturen als wesentliche Partner das mittragen wollen, würden wir mitmachen. Was hat das denn für Konsequenzen? Die einzige Konsequenz ist, dass unsere Brutto-TKPs niedriger werden. Wenn es einen Vorreiter gibt und alle dem folgen, werden wir uns nicht verschliessen. Wenn es einen Dissens dazu gibt, wird´ ich mir aber auch nicht den Kopf allzu lang darüber zerbrechen.  

HORIZONT: ,Das Supertalent´ schlägt derzeit nicht nur in Deutschland alle Rekorde, auch in Österreich – kommt nach den Grande Finale am 18. Dezember der Große Katzenjammer?
 

Riedler: Wir haben ja nicht nur das Supertalent auf RTL. Zuletzt entwickelte sich beispielsweise X-Factor auf VOX ganz ausgezeichnet. Ab Jänner startet auf RTL „Ich bin ein Star holt mich hier raus“, abgekürzt IBES bezeichnet – und noch im ersten Quartal folgt DSDS – Deutschland sucht den Superstar. Uns gehen die Showformate also nicht aus. Und RTL II, wo die RTL Group ja gemeisam mit Herbert Kloiber und der Verlagsgruppe Bauer beteiligt ist, hat mit Holger Andersen einen neuen Programmdirektor, der, wie er es nennt, österreichischer werden will. Derzeit laufen ja bereits die Werbetrenner mit Christina Stürmer, und mit Mittwoch, dem 1. Dezember wird es nach den RTL 2-News um 20.00 Uhr, die ja auch von Sandra Thier, die bei ATV ihre TV-Karriere begonnen hat, moderiert werden, ein eigenes Österreich-Wetter geben.  

HORIZONT: RTL macht ein Programmfenster?  

Riedler (lächelnd): RTL II produziert in Köln für Österreich eine Wettervorhersage.

Langfassung des Interviews aus HORIZONT 48-2010.
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