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Nach Bluttat: Medien bereiteten betroffener Familie Probleme

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Im Fall eines Burschen, der im Oktober 2016 in Wien niedergestochen wurde, haben Medienberichte der Familie große Probleme bereitet. Das geht aus einem Brief der Mutter an die Justiz hervor.

Im Oktober 2016 wurde ein minderjähriger Bursch von einem Bekannten seines älteren Bruders niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist in der Vorwoche nicht rechtskräftig wegen Mordversuchs zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Wie nun aus einem Brief der Mutter des Opfers an die Justiz hervorgeht, haben Medienberichte in diesem Fall große Probleme bereitet.




In dem vierseitigen Schreiben beklagt die Frau die Folgen medialer Spekulationen, die unmittelbar nach der Bluttat eingesetzt hatten. Vom Täter fehlte jede Spur - dieser konnte erst ein Jahr später ausgeforscht werden -, und ein Motiv, weshalb jemand dem damals 15-Jährigen nach dem Leben trachten könnte, schien es auch nicht zu geben. Fälschlicherweise wurden diesem darauf von zwei Tageszeitungen Kontakte zu einer kriminellen tschetschenischen Jugendbande unterstellt. Eine Zeitung veröffentlichte sogar ein unverpixeltes Foto des 15-Jährigen.




"Diese falschen Behauptungen haben uns - die gesamte Familie - noch zu weiteren Opfern gemacht. Scheinbar war es medial nicht genug, dass mein Sohn durch mehrere Messerstiche schwer verletzt wurde, nein, er wurde auch noch als kriminell dargestellt", hält die Mutter in ihrem ans Landesgericht für Strafsachen gerichteten Brief fest. Ihr Mann - er betreibt ein Sanitär- und Installationsunternehmen - hätte damit einhergehend einige Kunden verloren. Diese stornierten Aufträge, weil sie nicht sicher waren, ob die Familie in kriminellen Kreisen verkehrte. "Zusätzlich mussten wir in dieser Zeit auch noch um unsere Existenz fürchten und kämpfen", berichtet die Mutter.




Einige Medienvertreter dürften die von der Bluttat geschockten Angehörigen des Opfers regelrecht überrumpelt haben. Anders scheint es nicht erklärbar, wie diese an ein Foto des 15-Jährigen gelangen konnten. Dieser hatte sich nach seiner Entlassung aus dem Spital nicht mehr alleine aus dem Haus getraut, wurde von Albträumen und der unentwegten Frage geplagt, wer und aus welchem Grund auf ihn eingestochen hatte. Die beiden Brüder des Burschen mussten psychologisch betreut werden, die Mutter wurde vorübergehend im Kriseninterventionszentrum aufgenommen. "Bis zur Überführung des Täters im September 2017 lebten wir in ständiger Angst um unsere Kinder, sobald diese die elterliche Wohnung verlassen hatten", teilt sie in ihrem Schreiben mit.




Wie sich im Zuge der kriminalistischen Ermittlungen herausstellte, hatte der am Ende festgenommene 20-Jährige geglaubt, der ältere Bruder des 15-Jährigen hätte ein intimes Verhältnis mit seiner Schwester. Um die Familienehre wieder herzustellen, wollte der junge Mann mit türkischen Wurzeln jenem einen Denkzettel verpassen und lauerte diesem am frühen Morgen vor dessen Wohnung auf. Statt auf den 19-Jährigen stach er dann allerdings irrtümlich auf dessen jüngeren Bruder ein, als der Lehrling um 6.15 Uhr zur Arbeit gehen wollte.
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