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Verstoß gegen Isolationsauflagen

Redakteursrat vermutet Racheaktion hinter Entlassung eines ORF-Redakteurs

David Bohmann
Die ORF-Landesstudios hatten die Vorgehensweise des ORF-Zentrums übernommen und zwischen Ende März und Ende April einige Mitarbeiter in Isolationsbereichen beziehungsweise isolierten Studios untergebracht.
Die ORF-Landesstudios hatten die Vorgehensweise des ORF-Zentrums übernommen und zwischen Ende März und Ende April einige Mitarbeiter in Isolationsbereichen beziehungsweise isolierten Studios untergebracht.

Ein langjähriger Kulturredakteur wurde angeblich wegen des Betretens der "Isolationszone" im Landesstudio Vorarlberg fristlos entlassen. Scharfer Protest kommt nun von Seiten des Redakteursrates, der eine verbotene Motivkündigung vermutet.

Um die Berichterstattung in Corona-Zeiten zu gewährleisten, verrichtet ein großer Teil der ORF-Mitarbeiter ihre Tätigkeiten zurzeit im Home-Office. Die für den Sendebetrieb unbedingt an den Standorten erforderlichen Mannschaften arbeiteten bis Ende April im getrennten Schichtbetrieb. Im ORF-Zentrum sowie in den Landesstudios befanden sich die Mitarbeiter im Isolationsbereich. Am 25. März hatte ein Kulturredakteur seine Sendung für Radio Vorarlberg live moderiert, wofür er das Radiostudio betreten hatte.

Laut Aussendung des Redakteursrates wurde jedoch keiner Person aus der Kulturredaktion kommuniziert, "wie die Sendung abgewickelt werden soll, ohne dafür das Studio zu betreten". Bereits am Vortag hatte ein Kollege unter denselben Corona-Sicherheitsvorgaben die Sendung vom üblichen Sendeplatz abgewickelt, heißt es weiter.

"Racheaktion" für unbequemen Belegschaftsvertreter

Jedoch mit unterschiedlichen Konsequenzen: Der langjährige Kulturredakteur wurde fristlos entlassen. Die Maßnahme – ohne vorherige Verwarnung – bezeichnet der Redakteursrat als "völlig überzogen". "Es ist nahe liegend, dass es sich hier um eine Racheaktion für einen unbequemen, mutigen Belegschaftsvertreter handelt." Das Arbeitsgericht wurde eingeschaltet. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat sich bislang nicht zur Entlassung geäußert.

Der Redakteursausschuss vermutet, dass "in diesem Fall ein Exempel an einem engagierten Belegschaftsvertreter statuiert" und Verunsicherung sowie Einschüchterung unter der Belegschaftsvertretung erzeugt werden soll. Ein "Klima der Angst" hätte eine Beinträchtigung der erforderlichen Freiheit der journalistischen Tätigkeit zur Folge, betont der Redakteursrat.
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