Murdoch übernimmt Mehrheit an Sky Deutschland
 

Murdoch übernimmt Mehrheit an Sky Deutschland

News-Corp-Tochter News Adelaide hält 54,5 Prozent an Bezahlsender - Neue Kredite für Bundesligarechte gesichert

Der australische Medienzar Rupert Murdoch hat die Mehrheit an Sky Deutschland übernommen. Die zu Murdochs News-Corp-Konzern gehörende News Adelaide übernehme im Zuge einer Kapitalerhöhung für 347,4 Mio. Euro weitere Sky-Aktien und halte künftig 54,5 Prozent an dem Pay-TV-Sender, teilte Sky Deutschland am Montag mit. Zugleich sicherte sich der Sender neue Kredite, um die teuer gekauften Bundesligarechte zu finanzieren.

Neue Aktien

News Adelaide habe im Rahmen einer Privatplatzierung 77,9 Mio. Aktien zum Preis von 4,46 Euro je Anteilsschein erworben. Zudem will Sky weitere neue Aktien ausgeben und damit 90,6 Mio. Euro erlösen. Der Bezugsrechtspreis für diese Aktien werde in Nähe des Marktpreises, aber nicht höher als 4,46 Euro je Titel festgelegt. Der Preis bedeutet einen Abschlag von drei Prozent zum Xetra-Schlusskurs vom Freitag, der bei 4,60 Euro lag.

Zugleich habe sich Sky neue langfristige Bankkredite über 300 Mio. Euro gesichert, die von News Corp garantiert werden. Diese ersetzten die derzeitigen Bankkredite in Höhe von 419 Mio. Euro, die vollständig zurückgezahlt werden.

2013 soll die Kasse klingeln


"Unsere neue langfristige Finanzstruktur gibt uns nun die Möglichkeiten und den Spielraum, Sky als Unternehmen weiter zu entwickeln und unsere Strategie umzusetzen", sagte Sky-Chef Brian Sullivan. Sullivan will 2013 erstmals zumindest vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen Geld verdienen. Im zweiten und dritten Quartal 2012 war das dem Konzern bereits gelungen. Angesichts der vergleichsweise guten Zahlen und der guten Aussichten legte die Aktie des einstigen Sorgenkindes in den vergangenen Monaten kräftig zu. Die Übernahme durch Murdoch kommt deshalb nicht unerwartet - und gilt als Zeichen, wie sehr Murdoch an den Erfolg von Pay-TV in Deutschland glaubt.

Nachdem das Münchner Finanzamt im November entschieden hatte, dass milliardenschwere Steuergutschriften des Unternehmens bei einer möglichen Übernahme nicht verfallen, wurde immer wieder über diesen Schritt spekuliert. News Corp. hatte sich Anfang 2008 zunächst mit knapp 15 Prozent am späteren Sky Deutschland beteiligt. Es ist bereits sein zweites Engagement: Murdoch war bereits 1999 in das vom Medienunternehmer Leo Kirch begründete Pay-TV-Geschäft eingestiegen - mit der Pleite Kirchs 2002 war dieses Kapitel aber zunächst vorbei.

Kundenzahl wächst kräftig

Seit 2010 baut Sullivan das Unternehmen um und vor allem das Programm stetig aus - seither wächst die Kundenzahl kräftig. 2012 um weitere 12 Prozent auf fast 3,4 Millionen - und die Kunden wählen zunehmend teurere Angebote wie hochauflösende Sender in HD, so dass auch der Umsatz pro Abo wächst. Vergangenes Jahr sicherte sich der Konzern die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga für fast 2 Mrd. Euro bis 2017. Mit dem Deal stach Sullivan auch den Rivalen Deutsche Telekom aus, der gerne für das eigene Pay-TV-Programm alle Rechte bekommen hätte.

Inzwischen haben sich beide Seiten nach langen Verhandlungen allerdings auf eine Partnerschaft geeinigt, mit der Sky auch Zugriff auf die Pay-TV-Kunden der Telekom bekommt. Wer wem dafür Geld zahlen muss, verrieten die Konzerne aber nicht. Zuletzt schloss Sullivan auch mit Kabel Deutschland eine Vertriebspartnerschaft, wie zuvor bereits mit anderen Kabelnetzbetreibern. Sky Deutschland erschließt sich damit Kundengruppen, die bisher schwer erreichbar waren.

Wann allerdings auch unter dem Strich Geld in den Kassen der Münchner bleibt, lässt Sullivan weiter offen. Wenn es aber soweit ist, wird Murdoch dank seines höheren Anteils auch mehr davon haben. Auch deshalb halten es etliche Beobachter für wahrscheinlich, dass der Medienmilliardär bei Sky Deutschland weiter zukaufen könnte.

(APA/Reuters)

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