Münchner Medientage
 

Münchner Medientage

Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Medienwelt dominierte die Eröffnungsdiskussion der Münchner Medientage.

Davon, dass es zu starken Einbrüchen am Werbemarkt kommen wird, waren die Spitzen der deutschen Medienwelt überzeugt. Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, meint: "Wenn es Unternehmen schlecht geht, wird traditionell zuerst bei den Werbe- und Marketingetats gespart."

Ring befürchtet, es könnte in Folge der Krise zu einer Verzerrung des dualen Marktes zugunsten der öffentlich-rechtlichen Sender kommen. Ab 2009 bekommen die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland dank einer Gebührenerhöhung mehr Geld, während "alle davon ausgehen, dass sich die Werbegelder für Privatsender aber auch für Verlage zurückgefahren werden", so Ring. "Gerade in einer Krise muss sich das Duale System aber bewähren, wenn das nicht gelingt, haben wir ein ernstes Problem."

Herbert Kloiber, Geschäftsführer der Tele München Gruppe und Eigentümer des österreichischen Privatsenders ATV, geht davon aus, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise die Medienbranche weniger hart treffen wird, als andere Bereiche. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender seien dank der Gebührenfinanzierung noch auf der sicheren Seite. Aus Sicht der Filmproduzenten sei das begrüßenswert, sagte der Filmhändler: "In Zeiten der Krise ist eine übergewichtige Finanzierung im öffentlich-rechtlichen Bereich ein Netz für die Produzentenschaft." "Während Öffentlich-rechtliche vorwiegend produzieren" würden Privatsender - vor allem jene mit geringeren Reichweiten - in der Regel auf Kaufprodukte zurückgreifen.

Grundsätzlich rechnet Kloiber damit, dass die klassische TV-Spot-Werbung innerhalb der nächsten fünf Jahre so gut wie keine Rolle mehr spielen werde. "Der Wegfall der Spotwerbung ist errechenbar", sagte Kloiber. Die Privatsender müssten daher verstärkt auf alternative Werbeformen - wie Product Placement - setzen. Auch auf die Verlage komme eine Werberezession zu, sagte der Verleger Hubert Burda. "Da hilft nur eines: In dem Ausmaß, wie die Umsätze zurückgehen die Kosten zu senken. Kostensenken ist das Gebot der Stunde."

Unter dem Motto "Werbewelt im Wandel - Wert und Wirksamkeit in der digitalen Medienflut" stehen bis zum Freitag mehrere Gipfel-Podien und 90 Panels mit insgesamt mehr als 500 Referenten auf dem Programm. Insgesamt erwarten die Veranstalter, die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der Freistaat, rund 8.000 Teilnehmer.


(Quelle: APA)

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