Morawa: Wer übernimmt?
 

Morawa: Wer übernimmt?

Federico Rostagno/stock.adobe.com
Printprodukte sollen weiter beim POS ankommen.
Printprodukte sollen weiter beim POS ankommen.

Nach der Ankündigung von Morawa, den Pressevertrieb einzustellen, herrscht in der Medienbranche Beunruhigung. Vor allem eine Monopolisierung wird gescheut.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Für die Medienbranche kam die Nachricht, dass Morawa sein Tochterunternehmen Morawa Pressevertrieb mit Ende 2018 einstellen wird, durchaus überraschend. Trotz der negativen Geschäftszahlen für 2016, die ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von minus 2,64 Millionen Euro erbrachten, gab es durchaus positive Anzeichen für das Unternehmen.

Markus Fallenböck, Chief Sales Officer B2C der VGN, schildert gegenüber HORIZONT seine Reaktion so: „Die Entscheidung ist doch recht überraschend gekommen, zumal Morawa in den letzten Jahren mit allen Verlagen neue Konditionen verhandelt hat und – meines Wissens – sich hier alle auf Morawa zubewegt haben.“ Insofern sei diese Entwicklung unerfreulich und keine Stärkung für den Medienstandort Österreich. Die Frage, die sich nun alle Player stellen, ist: Wie geht es jetzt weiter? Die VGN, die künftig übrigens unter dem Firmenwortlaut „VGN Medien Holding“ firmiert, sei vor allem mit den im Einzelverkauf starken Titeln wie News, Woman oder TV-Media betroffen, meint Fallenböck. „Insgesamt war ja der Magazinbereich wirtschaftlich deutlich erfolgreicher bei Morawa.“ Man werde daher mit anderen Marktbegleitern sondieren und auch im Rahmen des VÖZ auf den verbliebenen Grossisten PGV Salzburg zugehen.

Auch der Verband Österreichischer Zeitungen hatte in den vergangenen Tagen viel Kraft in die Kalmierung der Branche gesteckt. Bis zum Jahresende werde man mit Sicherheit eine Lösung gefunden haben, meinte etwa VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger gegenüber Ö1 – und gab gleichzeitig zu bedenken, dass der Einzelhandel kein großes Geschäft sei, er mache nur fünf Prozent des Verkaufs aus. Zeitungen würden überwiegend über Abos an den Kunden gebracht, bekräftigte Grünberger eine Aussage von Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch.

Die heißeste Spur führt derzeit wohl in der Tat nach Anif zum Pressegroßvertrieb Austria, nicht nur, weil derzeit dort die Telefone heiß laufen, wie Vertriebsleiter Florian Kraus dort meint. Auch wenn man organisatorisch einige Anpassungen vornehmen müsste, zeigte man sich beim PGV zuversichtlich, das Geschäft von Morawa übernehmen zu können. „Wir werden es sicherlich stemmen, wir sind ja auch schon seit über 70 Jahren am Markt“, meinte er. In Anbetracht der Tatsache, dass der PGV auch Tageszeitungen in Bayern vertreibe, könnte er das theoretisch auch in Österreich machen, meinte VÖZ-Geschäftsführer Grünberger.

Eine Alternative wäre, dass Verlage künftig – wie es die Mediaprint macht – selbst ausliefern, sagte Grünberger. Bei weniger Anbietern könnten die Preise für den Vertrieb prinzipiell steigen, meinte er. Vom heutigen Standpunkt aus gehe er aber nicht von einer Preiserhöhung aus.

Allianz gefordert

Fallenböck spricht sich gegenüber HORIZONT jedenfalls für eine gemeinsame Lösung aus. Schon bei der Medienenquete sei ja „Schluss mit der Kleinstaaterei“ das Leitthema gewesen, erinnert er. „Es braucht unter diesen Rahmenbedingungen Allianzen. Die Morawa-Entscheidung ist da ein weiterer Mosaikstein und zeigt, wie sich die Märkte dramatisch verändern. Insofern ist eine gemeinsame Lösung sehr zu begrüßen.“ Fallenböck hofft nur, dass hier keine kartell- und wettbewerbsrechtlichen Gründe dagegenstehen. „Insofern ist auch die Politik gefordert“, meint er. „Die Schaffung von Rechtssicherheit im Bereich der Zeitungszusteller steht ja im Regierungsprogramm – Ähnliches sollte auch für einen funktionierenden Pressevertrieb gelten, der ja die zweite zentrale Vertriebsschiene für Medien ist.“

Blick über die Grenze

Zudem ist eine Besorgnis über wachsende Monopolisierung in der Branche spürbar, andere verweisen jedoch auf das Beispiel Deutschland. Hier wird der größte Teil des Pressevertriebs – 54 Prozent nennt der Verband Deutscher Buch-, Zeitungsund Zeitschriften-Grossisten – von 46 Pressegroßhändlern besorgt, die sich 64 Gebiete aufteilen, in denen sie ein Alleinauslieferungsrecht, also ein Quasi-Monopol besitzen. Lediglich in Hamburg und Berlin gibt es eine Doppelbelieferung. Seitens des VÖZ rechnet man aber ohnehin nicht mit einer Monopolisierung. „Wir sind zuversichtlich, dass wir entweder zu einer gütlichen Einigung mit einem verbleibenden Partner kommen oder sozusagen in Selbstorganisation die Verlage das selbst auf die Beine stellen, so wie es also einer bereits heute macht. Am Ende des Tages, wenn jemand eine Monopolsituation ausnützt, gibt es ja immer auch noch die Wettbewerbsbehörde“, meinte Grünberger in der ZIB 2.

Entscheidung bis Herbst anvisiert

Neben der Besorgnis über zunehmende Monopole kursieren in der Branche derzeit auch Gerüchte, andere Medienhäuser könnten beim Morawa Pressevertrieb einsteigen oder die Mediaprint die restlichen 75,1 Prozent übernehmen. Diese Überlegungen will Horst Pensold, Leitung Sales & Service der Mediaprint, auf HORIZONT-Anfrage nicht bestätigen. Generell bleibt Pensold entspannt, was das Thema Morawa betrifft. Es sei immer schlecht, wenn ein Anbieter die Bühne verlasse, doch ein Neuer werde eben dessen Platz einnehmen. „Wir werden einen Weg finden, auch 2019 unsere Tageszeitungen in die Trafiken zu bekommen“, meint Pensold. Derzeit würden die Verhandlungen laufen, die im Sommer ihre heiße Phase erreichen werden. Schließlich müsse man ja auch Vorlaufzeiten und Urlaube mit einrechnen. Im Herbst könnte aber eine Entscheidung fallen.

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