Morawa und Tageszeitungen: Einigung auf Kondi...
 

Morawa und Tageszeitungen: Einigung auf Konditionen

BillionPhotos.com - Fotolia
Newspaper.
Newspaper.

Nach einem knappen Jahr Verhandlungen konnten Morawa und die VÖZ-Mitglieder klären, wie der Vertrieb der Tageszeitungen in Zukunft aussehen wird.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 04/2017 vom 27. Jänner. Hier geht's zum Abo.

Im Jänner des Vorjahres wurde bekannt, dass das österreichische Pressevertriebsunternehmen Morawa keine Tageszeitungen mehr an den Einzelhandel zustellen will. Als Grund nannte Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch damals zu hohe Kosten für das Unternehmen, betonte gegenüber den Mitgliedern des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) aber auch, weiterhin bereit zu sein, Tageszeitungen an den Einzelhandel auszuliefern - unter der Voraussetzung neuer Konditionen. Nach zähen Verhandlungen, die knapp ein Jahr andauerten, konnten die beiden Parteien schlussendlich aber klären, wie der Vertrieb der Tageszeitungen in Zukunft aussehen wird.

Verlage gleichen Unterdeckung aus

Der Anlass, warum Morawa Interesse daran hatte, die Verträge mit den Verlagen neu zu verhandeln, war die Analyse der wirtschaftlichen Situation im Einzelhandelsvertrieb bei den Tageszeitungen. Das Ergebnis: Morawa arbeite hier mit einem negativen Deckungsbeitrag. Der Rückgang der Zeitungsverkäufe habe auch zu einem Rückgang der Erlöse bei Morawa geführt. "Wenn wir keine Tageszeitungen mehr ausliefern, steht Morawa besser da", so Selch damals, der stets betonte, auch weiterhin dazu bereit zu sein, Tageszeitungen an den Einzelhandel auszuliefern. Dann allerdings zu neuen Konditionen, entweder die Erlöse steigen oder die Kosten sinken. "Man kann an allen möglichen Schrauben drehen." Und an der einen oder anderen Schraube wurde offenbar auch gedreht. Zu den Details halten sich beide Seiten bedeckt und verraten nur so viel: "Die neuen Konditionen sind natürlich vertraulich, aber es kam zu einer Einigung, bei der Morawa etwa die Hälfte der jährlich anlaufenden Unterdeckung für 2017 noch selbst trägt. Ab 2018 soll von den Verlagen die Unterdeckung zur Gänze ausgeglichen werden", informiert Morawa-Geschäftsführer Wolfgang Rick.

Abschluss der Gespräche im Herbst

Die Verhandlungen, bis es zu dieser Einigung gekommen ist, dürften sich schwierig gestaltet haben. Diese hätten schon bis Ende Juni des Vorjahres ein Ergebnis bringen sollen. Im Jänner hatte Morawa nämlich alle Verträge mit den Verlagen mit Ende Juni gekündigt - dabei ging es ausschließlich um die Zustellung von Tageszeitungen. Nachdem sich Morawa und der VÖZ bis dahin nicht einigen konnten, wurde die Kündigungsfrist in beiderseitigem Einvernehmen auf Ende September verschoben. Auf HORIZONT-Nachfrage haben Ende September beide Parteien auf die laufenden Gespräche verwiesen und wollten sich auch nicht zum aktuellen Verhandlungsstand äußern. Wie der HORIZONT nun in Erfahrung bringen konnte, wurden die Gespräche über die weiterführende Zusammenarbeit im Herbst abgeschlossen und "die bisher bewährte Pressevertriebskooperation wird seither fortgesetzt", heißt es in einem Statement des VÖZ, der auch betont, dass "die Details der Zusammenarbeit ausschließlich Morawa und unsere Mitglieder betrifft - die Vereinbarungen werden daher vom VÖZ nicht öffentlich kommentiert". Der VÖZ selbst hatte in dieser Angelegenheit eine koordinierende Rolle inne und stellte seine Räumlichkeiten für die Verhandlungen zur Verfügung.
stats