„mein sonntag“ startet am 25. Oktober
 

„mein sonntag“ startet am 25. Oktober

Kein Tippfehler: „mein sonntag“, das neue Magazin-Supplement des "Kurier", riskiert Initialen in Kleinschreibung.

Michael Hufnagl, Chef des Sonntag-"Kurier" und Konzeptionist der neuen „Magazin-Supplement“ Beilage am Sonntag, weist im Gespräch über Konzept und Struktur der neuen Sonntags-Beilage des Kurier fast beiläufig darauf hin: Die Kleinschreibung des Titels „mein Sonntag“ sowie die bewusste Kleinschreibung der Initiale bei den Textanfängen „hat sich so ergeben – aus der Welt der Schreibung in E-Mails, SMS und auf Twitter, wo die meisten Texte überhaupt keine Großbuchstaben mehr kennen“. Mit diesem gestalterischen Mittel – Layout macht Andrea Gludovatz, 26 Jahre jung – ist die Positionierung von "mein sonntag" bereits angerissen.



Michael Hufnagl, seit 18 Jahren beim "Kurier", zuerst elf Jahre Sportredakteur, zuletzt Leiter des Ressorts Leben und nun federführend für die Endkonzeption verantwortlich, fasst den konzeptionellen Ansatz so zusammen: „Die selbstgestellte Vorgabe ist ,junge und weibliche´ Leser besonders anzusprechen. Das ist aber nur die Vorgabe für den Kern, es soll im Grunde für jeden etwas dabei sein“, umreisst Hufnagel.



"mein sonntag" wird jenes „Buch“ des "Kurier", das zuletzt mit „Gesellschaft“ bezeichnet war, in eine neue inhaltliche – und gestalterische –Dimension führen. In der ersten Ausgabe am 25. Oktober fallen neben den Initialen sehr viel großzügiger Weissraum, ein spielerischer Umgang mit Spaltenbreiten und –längen und bewusst gesetzte „Regelbrüche“ wie Negativschrift in einem Bildelement – im konkreten Fall zum Michael Jackson-Film „This is it“ ins Auge.



Kulturelles, Kulinarisches, das neu aufbereitete Service-Element „Family-Coach“, ein „Promi-Interview“ und großzügige Bildkommentare zur Modewelt – „in diesem ersten Fall bewusst jung für 20 bis 30 Jahre“ gesetzt – sollen dem Sonntags-"Kurier" noch mehr Leser-Aufmerksamkeit bringen. Der journalistische Zugang dabei ist, „ein durchaus massentaugliches Thema ein Stück weiter zu drehen“, formuliert Hufnagl.



Und Kurier Geschäftsführer Thomas Kralinger ergänzt: „Wir wollen den Lesern und natürlich auch der Werbewirtschaft ein neues, erweitertes Angebot am Sonntag machen“. Der Sonntag-"Kurier" wird also ab 25. 10. mit den vier Büchern Politik In- und Ausland, Chronik, Sport und Kultur/Medien erscheinen – und zwei neuen Beilagen, die im Kurier-Format, aber auf höherwertigem 55g-Papier und abfallendem Druck in eigenem Layout Themen bündeln:



Das Buch „Reise“ wird somit aufgewertet und "mein Sonntag" erscheint als neue Zugabe. „Die zwei Magazin-Supplements am Sonntag runden die Magazin-Familie des Kurier im Großformat – Business am Donnerstag, Motor am Freitag, das Immo-Magazin im Kleinformat am Samstag als Specials ab – ergänzt durch die tv.woche am Freitag und den Klassiker Freizeit-Kurier am Samstag“, beschreibt Kralinger: „Damit zeigen wir, wofür der Kurier steht – dem Leser Nutzen zu bringen. Mit der erweiterten Themenpalette wollen wir, wie schon seit Sommer in der Leserwerbung, breiter auftreten und auch gelegentliche oder Nicht-Leser auf das redaktionelle Angebot des Kurier aufmerksam machen“.



Diese „Beilagenfamilie“, so Kralinger, ist auch Sprungbrett für Content-Productions für Dritte wie beispielsweise die Wiener Festwochen.  Der „Neuling“ "mein sonntag" jedenfalls soll in einem Mindestumfang von acht bis 16 Seiten erscheinen und soll für ein „living concept“ stehen – heißt, so Hufnagl, „wird haben eine Lade voller Ideen und wollen in „mein sonntag“ ein paar Dinge ausprobieren und noch für manche Überraschungen und Effekte sorgen“.



Zwischenstep: Quo vadis, "Kurier"?



 Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger macht sich über 2010 keine Illusionen: „2010 schätze ich sehr konservativ ein. Wir haben beim ,Kurier´ ja ein schiefes Geschäftsjahr - aber ich plane das nächste Halbjahr 2010 auf Basis des Jahres 2009. Ich sehe derzeit werde Anlass noch Zeichen für eine wesentliche Veränderung. Denn wir haben keine Wirtschaftskrise im herkömmlichen Sinn - wir haben eine sehr solide Entwicklung auf einem realistischen Niveau. In den letzten drei bis zehn Jahren hatten wir eine überproportionale Entwicklung, das Streben nach immer mehr, immer schneller und immer größer - das konnte so nicht andauern. Was allerdings jetzt kommt, wissen wir auch nicht, nur, dass dieses steile exponentielle Wachstum so nicht mehr kommen wird. Die auf Zinseszins ausgelegte Wachstumskurve ist zu einem Ende gekommen - wir werden wieder auf Normalniveau zurück gehen, das Wachstum wird sich nach meiner Einschätzung bei etwa ein bis drei Prozent einpendeln. “



Das bedeute für eine Tageszeitung wie den Kurier, „dass es 2010 mehr denn je darauf ankommen wird, kreative Konzepte und Angebote für die Werbewirtschaft zu entwickeln“, gibt Kralinger die Richtung vor. Die vertriebliche Ausrichtung des Kurier auf die Ostregion soll auch 2010 beibehalten werden – wobei der nunmehr mit „Magazin-Supplements“ aufgerüstete Kurier in den urbanen Bereichen in den Bundesländern stärker Flagge zeigen soll – „als überregionale Qualitätszeitung“, wie Kralinger betont.



 Wieviel Geld hat der Kurier für die Erweiterung seines Portfolios in die Hand genommen? Fast nichts zusätzlich, betont Kralinger, die "tv.woche" beispielsweise sei ertragreicher als ihr Vorläufer "TV-Woche" – und die Magazin-Supplements, die allesamt die Mediaprint druckt, haben „weniger gekostet als als sie bringen“, sagt Kralinger: „Das Entscheidende ist doch - und  dies zeigt, in welche Richtung sich Tageszeitungen meiner Meinung nach bewegen werden: Ja, es gibt Investments, ja, es gibt Einsparungen - denn es soll sich die Wirtschaftlichkeit verbessern. Dem Leser ist es doch gleich, wieviel Geld da eingesetzt wird - es kommt darauf an, die Ressourcen die ich habe, bestmöglich zu nutzen. Ich habe beim ,Kurier´ die Devise ausgegeben: Effizienz - und Sparsamkeit! Am Beispiel Michael Hufnagl: Er kommt aus dem Haus und hat in kürzester Zeit einen unglaublich dynamischen Prozess in Gang gebracht. Das ist ein schönes Beispiel für das, was ich meine: Wir müssen einfach bei dem, was wir machen, besonders gut sein. Das ist es, worüber wir uns definieren müssen. Nicht über Seitenumfänge, sondern über die Inhalte, die drin stehen. Wenn Rainer Fleckl über Doping schreibt, dann steht das exklusiv im Kurier - auch wenn wir uns damit nicht nur Freunde machen. Family Coach und Schüleranwalt sind Entwicklungen des Kurier. Sich differenzieren mit dem was man macht ist entscheidend. Wenn ich Einheitsbrei mache, werde ich irgendwann tot sein. Und wir wollen uns ganz bewusst vom Einheitsbrei abheben.“



Mediaprint, under re-construction



Seit 1. Oktober ist der dritte Mediaprint Geschfäftsführer Franz Prenner nicht mehr im Amt, die Agenden wurden, so Kralinger, zwischen Bernhard Schneider und ihm aufgeteilt – namentlich der "Kurier"-Anzeigenbereich ressortiere nun zu ihm, Kralinger, der "Krone"-Anzeigenbereich zu Schneider.



Wird die dritte Position in der Mediaprint Geschäftsführung nachbesetzt? Kralinger. „Wir haben ja eine Gesamtverantwortung als kollektive Geschäftsführung mit dem Vier-Augen-Prinzip. Und das gilt bis auf weiteres. Aber grundsätzlich ist eine Neubesetzung oder die Suche eines neuen Geschäftsführers Gesellschafterangelegenheit.“



Nach dem letzten Gesellschafterausschuss Ende September, kurz vor der Demission Prenners, verlautete, dass die Mediaprint restrukturiert werde und sich ein Sparprogramm verordne: „Wir bearbeiten derzeit sehr viele Themen im Bereich der Mediaprint, die mit besserer Organisation zusammenhängen. Es gibt derzeit keinen Verlag in Österreich, der sich nicht überlegt, wie er Strukturen vereinfachen kann, Prozesse straffen kann, wie er Kosten sparen kann... Da gibt es bei uns eine Vielzahl an Projekten, manche konkreter, manche weniger konkret. Allein der Bereich Hauszustellung, wo wir jetzt gerade mit den ,Salzburger Nachrichten´ in Salzburg die reine Hauszustellung, sprich die Logistik, zusammengelegt haben, wo es darum geht, die Zeitung von einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Haushalt zu bringen: Da geht es nicht um das Abogeschäft, sondern um die reine Logistik, die wir dort zusammengelegt haben.“



Wohin also geht die Mediaprint? Sparen für mehr Rendite im Auftrag der Eigentümer als Selbstzweck? Kralinger lacht laut auf: „Auch die Geschäftsführung trachtet danach, hohe Rentabilität zu haben, drauf möchte ich ausdrücklich hinweisen. Und zwar deswegen, weil nur mit hoher Rentabilität ein Unternehmen zukunftsfähig ist. Wenn wir ein rentables Unternehmen führen sind wir gewappnet für das, was die Zukunft von uns verlangt. Wenn wir heute an die Grenzen der Kapazität - personell, strukturell, unter Umständen auch finanziell - geraten - was mache ich denn dann in der Zukunft?“



Also wie sieht die dann profitable Mediaprint aus? Kralinger. „Es geht simpel darum, neu zu definieren, wie ein modernes Medienhaus in drei bis fünf Jahren ausschaut. Ohne über ein konkretes Modell nachzudenken gehe ich einmal davon aus, dass die Anforderungen in ein paar Jahren andere sein werden, weil sich die Medienlandschaft total dynamisch verändert. Und auf das muss man reagieren - reagieren ist falsch: das muss man vorbereiten. Davon bin ich überzeugt. In vier, fünf Jahren wird nach wie vor Zeitung gelesen. Aber es werden die Anforderungen andere sein und wir werden andere Produktionsprozesse haben. Das Geschäft, wie wir es vor zehn Jahren gemacht haben, das wird es in fünf Jahren nicht mehr geben. Und zwar grundsätzlich - weder journalistisch noch vom Anzeigenvertrieb har. Wir sind in einem sehr dynamischen Veränderungsprozess, auf den man sich einlassen muss.“
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