Mehr Staat, weniger privat
 

Mehr Staat, weniger privat

#

Globale TV-News: Die Konkurrenz für CNN und Co. im Info-Krieg wird zunehmend vielfältiger. Staatliche Sender aus Russland, China, Lateinamerika oder dem Iran senden vielsprachig und sind in der ganzen Welt zu empfangen

„Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Feinde besser als wir mit der Welt kommunizieren“, sah Walter Isaacson, vormaliger CNN-Chef, schon im Jahr 2010 bei einer Veranstaltung der US-Regierung das Unglück heraufdräuen. Press TV, RT und CCTV sah er als Stationen, die die Information-Hegemonie angloamerikanischer Sender international anknabbern. Isaacson hatte im Kern wohl Recht: News-Networks aus dem „globalen Süden“ verbreiten ihre Botschaften immer intensiver, Player wie CNN oder die (staatliche) BBC World Service büßen tendenziell ein. 

Fest steht, dass es fünf Jahre nach Isaacsons viel diskutierter und kritisierter Aussage noch stärkere Player im Kampf um die Info-Hegemonie gibt. Speerspitze dabei ist wohl Al ­Jazeera beziehungsweise sein 2006 ­gegründeter Ableger Al Jazeera International. Von Katar aus und von der Regierung ebendort mit rund 400 Millionen Dollar subventioniert, erreicht man etwa 50 Millionen Seher täglich und beschäftigt 800 Mitarbeiter. 

Das englischsprachige RT, vormals Russia Today, wurde 2005 gegründet, hat mittlerweile sogar rund um die Uhr sendende arabisch- und spanischsprachige Ableger. Seit wenigen Monaten gibt es auch RT Deutsch, mit einem von 22 Korrespondenten-Büros in 189 Ländern und insgesamt 2.000 Mitarbeitern. Nach eigenen Angaben werden die RT-Mutanten weltweit von  fast 700 Millionen Menschen in mehr als 100 Ländern gesehen, sieben Millionen sollen es in Europa sein. Das Budget des „gemeinnützigen Senders“ direkt aus dem Kreml belief sich im Vorjahr auf 445 Millionen Dollar.  

Diego, Hugo und Fidel
Ebenso aus Regierungsgeldern wird TeleSUR finanziert. Der auf Initiative von Hugo Chavez gegründete werbefreie Sender wird fast zur Hälfte aus Venezuelas Erdöl-Einnahmen gespeist; Argentinien, Kuba, Uruguay, Bolivien und Ecuador sind die übrigen Shareholder. Der Sender mit 800 Mitarbeitern ist in weiten Teilen Lateinamerikas (außer Kuba), Europas und des Nahen Ostens empfangbar, teilweise auch auf Englisch. Auf der Website gibt es weder Zahlen zu Sehern noch zum Budget. Die meisten Zu­seher hat wohl Diego Maradonas ­Sendung „De Zurda“ („von links“), wo der  Ex-Fußballgott regelmäßig über seine Zunft, Politik oder Fidel Castro plaudert. Weiters finanzierte TeleSUR Oliver Stone eine Doku über Chávez um kolportierte drei Millionen Dollar. 

Chinas CCTV richtete sich 2001 erstmals an die Welt, heute betreibt man News-Sender für die jeweiligen Regionen auf Französisch, Spanisch, Arabisch, Russisch und Japanisch;  Portugiesisch soll bald kommen. Die Werbeumsätze der staatlichen Gruppe sollen laut Reuters 2012 2,5 Milliarden Dollar betragen haben – fast ebenso viel wie das US-Network CBS im selben Jahr verbuchte (2,7 Milliarden). 

Auch der Iran mischt seit 2007 im Infomatch mit Press TV auf Englisch mit; laut Angaben von 2009 mit nur sieben Millionen Dollar Budget. Seit 2011 leistet man sich im Iran auch HispanTV, empfangbar in Spanien, Lateinamerika sowie dem Nahen Osten. Und Europa? Ab 22. Juni gibt es etwa Deutsche Welle auch auf Englisch, um Mehrkosten von 7,7 Millionen Euro. Nicht viel. Aber immerhin muss auch die Konkurrenz schon sparen: RT kürzt wegen des Rubel-Verfalls (80 Prozent der Mitarbeiter werden in Dollar oder Euro bezahlt) das Budget um 40 Prozent. Auch in Venezuela, Hauptfinanzier von TeleSUR, versiegt das Spielgeld für den globalen Info-Krieg – vor allem dank des Ölpreis-Niedergangs: Aus Erdöl stammten bisher 90 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes.
stats