Medientage: Was tun mit Fake News?
 

Medientage: Was tun mit Fake News?

APA (Fohringer)

Die Bedrohung durch ‚Fake News‘ diskutieren Experten bei den Österreichischen Medientagen am 21. September. Warum diese in Österreich noch kein Massenphänomen sind – und wie man ihnen entgegnet.

Es herrscht ein globaler Kampf um Wahrheit, Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit, in dem einem Begriff eine Schlüsselrolle zukommt: „Fake News“. Seit es Nachrichten gibt, gibt es auch Fake News, spätestens seit Donald Trumps zu einem unliebsamen Journalisten gebrüllten „You are Fake News!“ ist der zeitweise mit Lügenpresse gekoppelte Begriff ein Mega-Thema. Zwar sind in Österreich komplett erfundene Meldungen kein Massenphänomen, doch mit dem Argument der Fake News werden auch hier immer öfter Medien pauschal diskreditiert, wobei der Begriff oft absichtlich missbräuchlich verwendet wird.

Frage der Definition

„Fake News sind komplett erfundene Meldungen, die wie herkömmliche Nachrichtentexte aussehen“, bringt Ingrid Brodnig, Publizistin („Lügen im Netz –Wie Fake News, Populisten und unkontrollierte Technik uns manipulieren“, Brandstätter Verlag, Wien 2017) und Österreichs Digitalbotschafterin in der EU den Begriff auf den Punkt. „Hier werden Menschen gezielt in die Irre geführt“, so Brodnig. Komplett fingierte Fake News seien im deutschsprachigen Raum eher eine Seltenheit, „viel häufiger sind Halbwahrheiten, also irreführende Meldungen, die einen realen Kern haben, der aber mit falschen Behauptungen angereichert wird – und so ein verzerrtes Bild liefern.“ Auch Clemens Pig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Austria Presse Agentur APA, sieht in Fake News in Österreich noch kein Massenphänomen., „Fakt ist jedoch, dass wir täglich einer großen Menge manipulativer und fragwürdiger Information ausgesetzt sind, die sowohl Lesern wie auch Medienmachern stärkere Aufmerksamkeit abverlangen.“

Für Ernst Sittinger, Mitglied der Chefredaktion der Kleinen Zeitung, sind „Fake News“ in erste Linie bedrohlich für jene, die an sie glauben. Für den Journalismus hingegen ortet er diese Entwicklung als Chance „weil der Unterschied zwischen professioneller und amateurhafter Nachrichtenverarbeitung deutlich wird. Wolfgang Unterhuber, Chefredakteur der Regionalmedien Austria, betrachtet „Fake News“ als Weiterentwicklung des Bassena-Tratschs, der sich durch die „sozialen Werkzeuge“ viral verbreitet. Er betont: „Online Schnelligkeit darf nicht zu Lasten seriöser Recherche gehen.“

Quellen-Check

Für einen schnellen, unkomplizierten Wahrheitscheck hat Ingrid Brodnig zwei Tricks parat: Erstens hochemotionale Meldungen besonders kritisch zu hinterfragen, denn „Falschmeldungen sind gezielt so verfasst, dass die Menschen in Wut versetzen oder ihre Ängste und Sorgen bestätigen. Wenn eine Meldung einen total aufrüttelt und man so schockiert ist, dass man das prompt teilen will, dann ist das ein Indikator, dass die Meldung womöglich nicht stimmt.“

Zweitens empfiehlt die Digitalexpertin Quellenangaben zu googeln, denn gerade über unseriöse Webseiten stoße man im Web meist auf warnende Artikel. Auch Pig ist überzeugt, dass Medienhäusern dem Thema Quellencheck künftig größere Aufmerksamkeit widmen müssen. Die APA beschäftige sich mit dem Thema „Trusted Information“ und hat Prototypen für Source-Check-Tools zur Verifizierung von vertrauenswürdigen Quellen entworfen. Die in der APA-Redaktion recherchierten Hintergrundinformationen zu Onlinequellen können damit über eine Oberfläche zur Verfügung gestellt werden. Ziel sei eine Sammlung von „Quellenporträts“ österreichischer Onlineaccounts, die bei der Einschätzung des Wahrheitsgehalts von Nachrichten unterstützt, so Pig. Sittinger verweist auf die Wichtigkeit der Genauigkeit der Bewertung im Umgang mit Nachrichten, für Unterhuber schließlich gelten auch Online die bewährten Tugenden des Qualitätsjournalismus: Check und Re-Check, Trennung von Information und Meinung, sowie Quellenangabe.

[Marko Locatin]

Zum Thema "Fake News" wird auch auf einem Panel auf den Österreichischen Medientagen diskutiert (21. September, 10:15-11:30 Uhr, Erste Campus Wien).

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