Medientage: Die Zukunftsszenarien für Print s...
 

Medientage: Die Zukunftsszenarien für Print sind vielfältig

J. Brunnbauer
Am Printgipfel debattierten Gerald Grünberger, Oliver Eckert, Michael Grabner, Mathias Müller von Blumencron, Eugen Russ und Hermann Petz.
Am Printgipfel debattierten Gerald Grünberger, Oliver Eckert, Michael Grabner, Mathias Müller von Blumencron, Eugen Russ und Hermann Petz.

Michael Grabner, Mathias Müller von Blumencron, Hermann Petz, Oliver Eckert, Eugen Russ und Gerald Grünberger diskutierten nicht nur über die Zukunft von Print, sondern vielmehr über die Zukunft des Journalismus per se

Unter der launigen Moderation von Medienunternehmer Michael Grabner diskutierten am Printgipfel der Österreichischen Medientage heimische und deutsche Experten über die "Zukunft des Gedruckten". Grundsätzlich waren sich alle einig, dass Print nicht tot ist und weiterhin seine Daseinsberechtigung hat – dennoch führte die Debatte immer wieder zur Digitalisierung und neuen Geschäftsmodellen zurück. HORIZONT Online fasst die spannendsten Aussagen der Gesprächsteilnehmer für Sie zusammen.

Start-up Kultur in den Redaktionen

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für den Bereich Digitale Medien bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), erklärte eingangs, dass er nicht aufgrund einer tradierten Gewohnheit an gewissen Medienformen festhalten will. Was zählt, sei aus seiner Sicht guter Journalismus. "Wir müssen uns auf die digitale Welt noch viel mehr einlassen, als wir es im Moment tun", so sein Appell – dazu gehöre allerdings auch, neue Geschäftsmodelle auszutesten und nicht einfach darauf zu vertrauen, dass die Leser in Zukunft mehr Bereitschaft zeigen werden, für Inhalte zu bezahlen. Aus der Sicht von Mathias Müller von Blumencron solle man vor Amazon und Co. keine Angst haben, sondern sich das ein oder andere von ihnen abschauen. Nichtsdestotrotz: bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" fließt ein Großteil der Energie nach wie vor in das gedruckte Produkt, denn damit wird auch heute noch der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet – "und das wollen wir so lange wie möglich erhalten", so der Chefredakteur für Digitale Medien. Um der sinkenden Reichweite von Print entgegenzuwirken, müsse man, so sein Appell, "innerhalb der Verlage eine Start-up Kultur etablieren", neue Ideen gegeneinander antreten lassen, um Innovation zu fördern. Müller von Blumencron ist jedenfalls überzeugt, dass Journalisten nach wie vor "den faszinierendsten Job der Welt haben – und ich würde mit keinem anderen tauschen wollen." 

Print hat Potenzial

Die Moser Holding will sich nicht beschweren – "wir haben weiterhin eine gute Rendite", erklärt Vorstandsvorsitzender Hermann Petz. Er gab im Zuge des Printgipfels zu, dass das Unternehmen aufgrund seiner regionalen Ausrichtung gewisse Vorteile habe, ist aber dennoch davon überzeugt, in den vergangenen zehn Jahren so oder so den richtigen Weg gegangen zu sein. Petz glaubt daran, dass Print trotz der fortschreitenden Digitalisierung nicht nur seine Daseinsberechtigung, sondern auch weiteres Potenzial bietet, das noch unausgeschöpft ist.

'Digital ist komplett überlegen'

"Wer konkurrenzfähig sein will, muss längst radikal digitalisiert haben", so Oliver Eckert, Geschäftsführer des deutschen digitalen Publishers BurdaForward. Aus seiner Sicht sollten weit mehr Medienunternehmen in Europa den Weg gehen, Print und Digital voneinander zu trennen – nur so könne man die Qualität wirklich sichern. BurdaForward, zu dem unter anderem Focus Online, The Huffington Post und Chip.de zählen, zählt derzeit rund 200 festangestellte Mitarbeiter und will weiter wachsen. Eckert ist jedenfalls überzeugt davon: "Digitaler Journalismus kann genauso gut sein, wie Printjournalismus", was er später noch durch die Aussage ergänzte, dass "Digital ein komplett überlegenes Medium sei". Zur Enttäuschung einiger Panelisten erklärte der CEO weiters, dass er nicht an Paid Content als Geschäftsmodell glaube, sondern viel mehr an Display Advertising, Native Advertising und Referrer Based E-Commerce – sprich als Sprungbrett für den E-Commerce zu fungieren. Und was ist jetzt mit Print? "Ich glaube, dass sich mit Printprodukten noch eine Weile viel Geld verdienen lässt, aber dass sich diese mit der Zeit in die Nische verabschieden müssen", so sein Statement.

Die Zeitung als perfekter Browser

Auch Eugen Russ, Geschäftsführer der Russmedia, ist davon überzeugt davon, dass man Print und Online trennen müsse – an die "eierlegende Wollmilchsau" glaubt er jedenfalls nicht. Durchschnittlich sieben Minuten braucht Russ, um eine Ausgabe des "Kurier" mit rund 800 Meldungen durchzugehen, wie er erzählte – "stellen Sie sich vor, Sie müssten Online 800 Meldungen lesen!", verglich er. Die Zeitung sei als Browser hervorragend gemacht – und das ist nicht der einzige Vorteil von gedruckten Nachrichten. Dieses Zeitungsgefühl könne man allerdings auch in die digitale Welt beziehungsweise aufs Smartphone bringen. Russmedia arbeitet derzeit an einer solchen Plattform, für die die User, so erhofft sich Russ, auch bereit sein werden zu zahlen. Der Medienmacher spricht sich ganz klar für Innovation aus, allerdings nicht für jeden Preis. "Wir werden mit den 'Vorarlberger Nachrichten' niemals versuchen, hip zu sein, nur um bei den 16-jährigen gut anzukommen, das wäre lächerlich." Im Gegenzug zu Oliver Eckert glaubt Russ an das Potenzial von Paid Content. "Wir werden Journalismus nicht mehr mit Werbung alleine finanzieren können, daher brauchen wir unbedingt ein zweites Standbein."

Gedrucktes ist glaubwürdig

Wird der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in einigen Jahren überhaupt noch benötigt werden? Geschäftsführer Gerald Grünberger zweifelt nicht daran und sagt, dass man durchaus bereit sei, das Wirkungsfeld etwas breiter abzustecken. Schon jetzt gehören dem VÖZ nicht nur Mitglieder aus dem Printbereich an, erinnerte er die Zuhörer. Außerdem betonte Grünberger, dass es Print in Westeuropa und den USA zwar schwer habe, in Indien und China aber im Wachsen begriffen sei – man dürfe also nicht von einer globalen Krise sprechen. Er appellierte auch an Medienmacher, sich wieder mehr auf das Journalistenprinzip "Check, Re-Check, Double Check" zu besinnen, denn auch die jüngere Generation vertraue großteils noch darauf, durch das Lesen von Tageszeitungen gut informiert zu werden, während sozialen Netzwerke zwar rege, aber mit Skepsis genutzt werden.
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