Medientage: Die Rede zur Eröffnung im Wortlau...
 

Medientage: Die Rede zur Eröffnung im Wortlaut

Johannes Brunnbauer

Horizont-Chefredakteurin und Herausgeberin Marlene Auer plädiert dafür, gemeinsam aufzustehen und für die Pressefreiheit zu kämpfen und spricht anlässlich des Medientage-Mottos „Aufbruch" über die Zukunft der Branche.

Sehr geehrte Damen und Herren,


Aufbrechen ist unser Motto für die Medientage, nicht einbrechen.
Widerstand zeigen, nicht klein beigeben.

Ich freue mich, dass diese Veranstaltung heute stattfindet, und zwar ohne Einschränkung für Medienvertreter oder Informationssperren. Und bin stolz auf die Empörung aller hier anwesenden Medienmanager und Journalisten darüber, was wir in den vergangen 48 Stunden in Österreich erfahren haben. Ich bin mir sicher, alle Referenten und Konferenz-Teilnehmer – wir alle – sind dieser Meinung: Einschränkungen der Meinungsfreiheit darf es nicht geben.

1848 wurde die Pressefreiheit erkämpft.
2018 lassen wir sie uns nicht nehmen.

Diese Botschaft soll von diesen 25. Österreichischen Medientagen ausgehen – an jene die uns einschränken wollen – und jene, die sich bisher nicht deutlich davon distanziert haben.

Die Freiheit der Medien ist unantastbar.

Also aufbrechen. Gemeinsam gegen Einflussnahme, Zensur und Verbotskultur. Für die Pressefreiheit.
Das möchte ich zu Beginn der Veranstaltung klar sagen.

Aufbruch, das ist auch in anderer Hinsicht die Klammer die uns alle eint.
Die permanente Bereitschaft Altes zu verlassen, Neuland zu suchen, auch, wenn man nicht weiß ob man es findet und wie weit es einen trägt.

Wir reden heute von der Bewunderung der Garagenfirmen aus dem Silicon Valley und vergessen dabei aber zugleich, dass auch in Österreich viele entstanden sind. Damals wie heute. Die digitale Welt ist manchmal so schnell, dass wir mehr innehalten sollten – und uns erinnern.

Viele Österreicher sind schon aufgebrochen – mit Missionen, mit Visionen und mit Erfolg. Denken wir etwa an die Medienmanager Rudi Klausnitzer oder Michael Grabner, die sich auch in der Branche im Ausland einen großen Namen gemacht haben. So wie auch Gerhard Zeiler, der bis heute Fernsehgeschichte schreibt und doch immer wieder mal gerne nach Österreich kommt.

Ich vermute, keiner von ihnen wusste damals, ob ihre Aufbrüche erfolgreich sein würden. Doch sie waren es. Und auch die nächsten Generationen sind aufgebrochen – denken wir etwa an den Unternehmer Florian Gschwandtner oder den Aktivisten Max Schrems. Und an die vielen, die noch kommen werden.

Brechen wir den Begriff „Aufbruch“ auf Medien herunter, so ergeben sich zwei wesentliche Notwendigkeiten: Aufbruch in neue Zeiten mit neuen digitalen Möglichkeiten für uns Medienschaffende. Und Aufbruch von Strukturen, um neue zu erschaffen, die die Grundlage dafür bieten.

Denn es ist eng geworden in der Medienwelt. Die Globalisierung zwingt zur Internationalisierung, zugleich aber auch zur Besinnung zurück auf uns als österreichischen Markt. Wir gehen in andere Märkte, nicht nur physisch sondern auch gedanklich. Dabei dürfen wir aber nicht unser Kerngeschäft und unsere Kernzielgruppen vergessen – und diese finden wir nicht in Amerika oder Asien – sondern hier in Österreich.

Haben wir es ein wenig verlernt, unser Leser, Hörer, Seher und User da abzuholen, wo sie sich in ihrem Alltag bewegen? Über Themen zu berichten, die sie besorgen oder erfreuen? Hecheln wir da und dort zu sehr den Temperaturen im Netz hinterher und ordnen wir die Stimmungslagen noch richtig zu? Wie kann es uns gelingen, im ständigen Sturm der Lügenpresse-Vorwürfe und der vielen Fake News im Netz, unsere Glaubwürdigkeit zu positionieren? Die schnelle digitale Welt, die sozialen Netzwerke, haben die Menschen ungeduldig  gemacht. Doch ein immer schneller bedeutet nicht automatisch ein immer besser. Die Medienkonsumenten vertrauen uns, und das sollten wir bei jeder Nachricht, bei jedem Kommentar, bei jedem Posting bedenken.

Meine tiefe Überzeugung ist: Nur Medien, die glaubwürdig bleiben weil sie Journalismus in seiner DNA leben – mit seriöser Recherche und Aufbereitung –, werden weiterhin erfolgreich sein. Redaktionell, wie wirtschaftlich. Denn wo keine Nutzer, wirkt auch keine Werbung. Daher: Redaktionen brauchen Ressourcen, mehr Ressourcen denn je, um sich in der digitalen Welt und in dem neuen globalen Wettbewerb behaupten zu können. Es braucht auch die Sensibilisierung der Medienkonsumenten, dass Journalismus etwas kostet.

Andere Branchen haben es vorgezeigt, dass es wert ist für Inhalte zu bezahlen – denken wir etwa an die Streamingdienste wie Netflix, Spofity oder Amazon Prime. Das können auch wir Medienschaffende erreichen, wenn wir gute Inhalte bieten und die Menschen daher bereit sind, dafür Geld auszugeben.

Ob unsere digitalen Strategien, unser Kampf gegen Facebook, Amazon und Co. je Erfolg haben werden, wissen wir nicht. Aber wir müssen daran glauben. Das sagt auch der Chef von Axel Springer, Matthias Döpfner, dem es gelungen ist, aus dem Konzern ein digitales Business-Unternehmen zu gestalten. Ob das langfristig Erfolg hat, weiß auch er nicht, das gibt er offen zu, aber er geht mutig voran und ruft zu Solidarität auf.

Aufbrechen heißt auch, sich selbst in Frage zu stellen. Doch schlussendlich ist Aufbruch stets ein Verbessern der jetzigen Situation. Wir wissen nicht immer gleich welcher Weg der Richtige ist, wir wissen aber, wir müssen einen Weg nehmen.

Sprechen wir also bitte nicht mehr von Krise. Es liegt an uns, die Dinge zu verändern und es kann nichts schlechter werden, wenn wir etwas tun. Es kann nur schlechter werden, wenn wir beharren, dass das was wir jetzt machen gut sei und bedauern, wenn die Menschen uns nicht verstehen. Dann droht es uns wie Parteien in nicht wenigen Ländern Europas zu gehen, ich nenne keine Namen, die sich beklagen, dass ihr Programm doch eigentlich richtig wäre, aber die Wähler es nicht verstehen würden. Wenn wir diesen – nennen wir es – Hochmut transportieren, geht es uns wie Parteien die plötzlich aus Parlamenten verschwinden, oder sich halbieren oder nur noch kraft demografischer Glückfälle weiterexistieren können.

Bei diesen Österreichischen Medientagen setzen wir in diesen zwei Tagen Themen, die Aufbruch erfordern. Es geht um neue Wege für Zeitungen, Fernsehen, Radio. Wir sprechen über Sprachsteuerung, digitale Möglichkeiten und zugleich über die Bewahrung des klassischen Kerngeschäfts. Wir diskutieren über Visionen und Strategien, über Mut und Risiko.

Es tut gut, zu sehen, dass sich auch in Österreich vieles zu bewegen scheint. Gemeinsam sind wir stärker, als alleine. Es ist neue Energie zu spüren, wenn es darum geht, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.

Es wird also vielerorts aufgebrochen, in vielerlei Hinsicht. Jeder Aufbruch ist ein Wagnis, und vielleicht führt nicht jeder neue Weg gleich zum Erfolg. Doch für Medien und uns als Branche, die diese Medien die nächsten Jahrzehnte gestalten, gilt es mutig zu sein. Neues zu wagen. Moderne Technologien nicht zu belächeln, sondern ihre Potenziale auszuschöpfen. Querzudenken. Sich zu vernetzen. Gemeinsam aufzustehen und die Medienangebote von morgen zu erschaffen. Bevor es andere tun.

Aufbruch ist keine Frage des Alters, der Generation, der Erfahrung. Sondern eine Frage des Willens und der Weitsicht.

Es lebe das freie Wort.
Es lebe die Meinungsfreiheit.

Danke.

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